Plastiktüten: Schädliches Abfallprodukt

Warum Verbraucher am besten ganz auf Plastiktüten verzichten sollten. Was den Umweltschutz anbelangt, ist der US-Bundesstaat Kalifornien bekanntlich sehr umtriebig. Am 1. Juli ist in der Millionenmetropole Los Angeles zum Beispiel ein Gesetz in Kraft getreten, das dem Symbol der Wegwerfgesellschaft endgültig den Garaus machen soll.

Mehr als zwei Drittel des Meeresmülls besteht aus Plastik. Meeresschildkröten, Wale oder Robben können  an Plastiktüten, die sie offenbar mit Quallen verwechseln, ersticken.  Foto: ddp

Mehr als zwei Drittel des Meeresmülls besteht aus Plastik. Meeresschildkröten, Wale oder Robben können an Plastiktüten, die sie offenbar mit Quallen verwechseln, ersticken. Foto: ddp

Foto: zgt

Berlin. Einkaufstüten aus Plastik werden fortan schlicht und einfach verboten. Supermarktkunden müssen sich dann ihre eigenen Taschen mitbringen, oder sie können sich für 25 Cent eine Papiertüte kaufen. Ähnlich drakonische Maßnahmen haben schon etliche Länder der Welt auf den Weg gebracht, ob in Europa, Asien oder Afrika.

Insofern muss man sich schon ein wenig wundern, dass ausgerechnet die umweltbewegten Deutschen der Plastiktüte bis heute eine praktisch unbehelligte Fortexistenz in ihrem Alltag zugestehen. Wer sich einen Überblick über die umweltschädlichen Folgen von Plastiktüten macht, kommt erst recht ins Grübeln. So weist das Umweltbundesamt (UBA) in Dessau darauf hin, dass die Produktion von Plastiktüten Öl, Energie und Wasser verschlingt, also endliche, zunehmend knappe Rohstoffe verbraucht – und bei der Produktion, wenn auch in einem vergleichsweise geringen Maße, natürlich klimaschädliche Gase in die Atmosphäre entweichen.

Weitaus schädlicher noch als ihre Produktion aber ist das Abfallprodukt Plastiktüte. Denn die zugegebenermaßen praktischen Tüten aus Polyethylen oder Polypropylen sind nicht biologisch abbaubar. Sie zerfallen nur in immer kleinere Teile, wobei ihr Zersetzungsprozess stattliche 100 bis 450 Jahre in Anspruch nimmt. Nur ein Prozent aller Plastiktüten wird heute weltweit recycelt, nach Gebrauch landen die meisten also im Mischmüll, in der Landschaft oder, am schlimmsten, im Meer. "Mehr als zwei Drittel des Meeresmülls besteht aus Plastik", heißt es beim UBA, und dieser ist für die Ökosysteme besonders gravierend. Zum Beispiel für Meeresschildkröten, Wale oder Robben die an Plastiktüten ersticken. Meeresschildkröten verwechseln sie oft mit Quallen, und auch Eissturmvögel halten kleine Plastikstücke häufig für Nahrung, an der sie sterben können. Andere Meerestiere verheddern sich in Plastikschlingen und werden von den Tüten erdrosselt.

Die Dimension des Problems zeigen ein paar wenige Eckdaten: Jeder Deutsche verwendet Jahr für Jahr statistisch 65 Plastiktüten, die im Schnitt nicht länger als eine halbe Stunde benutzt werden. Weltweit geraten nach Angaben der Umweltstiftung Utopia etwa eine halbe Millionen Plastiktüten in Umlauf, und schließlich zu großen Teilen ins Meer, so dass sich im Pazifik, Atlantik und andernorts bereits riesige Plastikteppiche gebildet haben. Und doch hält das UBA in Deutschland "ein generelles Verbot der Plastiktüte für nicht erforderlich". Warum? Die Behörde begründet ihre Haltung damit, dass Deutschland eine hoch entwickelte Abfallentsorgung habe, bei der Plastiktüten und andere Kunststoffe umweltgerecht über die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack entsorgt werden können. "In Deutschland ist eine Plastiktüte deshalb nicht per se schlecht für die Umwelt", meint das UBA. Heißt das für Verbraucher, dass sie bedenkenlos Plastiktüten benutzen können? Keineswegs. Utopia rechnet vor, dass durch ein Ausweichen auf Einkaufskorb, Stoffbeutel oder Rucksack jeder Deutsche jedes Jahr 65 Tüten einsparen kann. Hochgerechnet auf ein ganzes Leben: etwa 5000. "Stofftaschen und andere Mehrweg-Behälter schneiden aus Umweltschutzsicht deutlich besser ab", konzediert auch die dem Tütenverbot gegenüber skeptische Bundesbehörde aus Dessau. Wenigstens mehrfach benutzen sollte sie, wer auf die Plastiktüte nicht verzichten mag – und darauf achten, dass die Tüte einen "Blauen Engel" trägt. Dann ist zumindest sichergestellt, das die Tüte zu mindestens 80 Prozent aus Altkunststoffen hergestellt wurde. Und übrigens: Der gängigen Meinung, Papiertüten seien generell besser als ihr Pendant aus Plastik, widerspricht das UBA deutlich. Ob Papiertüten eine bessere oder schlechtere Umweltbilanz haben, hinge von den darin verwendeten Rohstoffen ab. Kurzum: "Wer umweltbewusst einkaufen möchte, sollte die Plastiktüte liegen lassen und die gute alte Einkaufstasche benutzen."

Zu den Kommentaren