Region verliert 60 Arbeitsplätze: Schaumglaswerk Schmiedefeld schließt

Pünktlich zum 50. Jahrestag des Produktionsstarts kündigt die Pittsburgh Corning Europe das Aus für etwa 60 Arbeitsplätze am Standort Taubenbach an. Verhandlungen über einen Sozialplan laufen.

Das Foamglaswerk in Schmiedefeld prägt die Ansicht des Ortsteiles Taubenbach. Mitte des Jahres soll hier nach 50 Jahren die Produktion eingestellt werden. Für 60 Mitarbeiter, die zum Teil schon Jahrzehnte hier arbeiten, würde dies das Aus bedeuten.  Foto: Archiv/Robert Mailbeck

Das Foamglaswerk in Schmiedefeld prägt die Ansicht des Ortsteiles Taubenbach. Mitte des Jahres soll hier nach 50 Jahren die Produktion eingestellt werden. Für 60 Mitarbeiter, die zum Teil schon Jahrzehnte hier arbeiten, würde dies das Aus bedeuten. Foto: Archiv/Robert Mailbeck

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Schmiedefeld. Das nennt man Timing: Genau 50 Jahre, nachdem in Schmiedefeld das erste Schaumglas hergestellt wurde, kündigt die Firma Pittsburgh Corning Europe als Gesellschafter das Ende der Produktion für den Dämmstoff aus Glas am Standort in Taubenbach an. Das bestätigte das Unternehmen mit Sitz in Belgien.

Betroffen von der Schließung sind etwa 60 Mitarbeiter, die in einem Brief über die Pläne informiert wurden. Darin heißt es, das Engagement der Mitarbeiter in Thüringen habe diesen Schritt zwar schwer gemacht, der aktuelle Markt sowie die Zukunfts­aussichten machten diese ­Entscheidung allerdings un­umgänglich. Buchhaltung und Dispo­sition sollen demnach ­vorerst in Schmiedefeld bleiben.

Nachdem die Herstellung von Dämmstoffen aus Schaumglas 1933 patentiert wurde, nahm man am 1. Juli 1963 die Produktion in Schmiedefeld auf. "Zu DDR-Zeiten gingen etwa 70 Prozent in den Export", erinnert sich Gerhard Müller, der von 1970 bis kurz nach der Wende als Betriebsleiter in Taubenbach tätig war und danach noch als Prokurist arbeitete.

Pittsburgh Corning habe seinerzeit zu den großen Konkurrenten auf dem Markt gezählt, berichtet der Schmiedefelder. Nach seiner Einschätzung habe Schmiedefeld bis zuletzt die beste Qualität unter den drei europäischen Foamglas-Standorten geliefert, zu denen noch ein Werk im tschechischen Klásterec und in Tessenderlo in Belgien gehört, wo die Europazentrale des 700 Mitarbeiter zählenden US-amerikanischen Unternehmens ist. Trotz der hohen Kosten für Energie habe man in Thüringen preiswerter produzieren können als in Belgien, so Gerhard Müller. In Tessenderlo seien aber größere Produktionskapazitäten.

Das Schmiedefelder Schaumglaswerk war 1993 von der Treuhand an einen österreichischen Konzern verkauft worden, der es später an die Amerikaner weiterverkaufte. Zu DDR-Zeiten waren hier bis zu 250 Leute beschäftigt. Nach der Wende hatte man in die Modernisierung der Produktion rund 25 Millionen Euro investiert.

Foamglas ist laut einem Firmenprospekt ein hochwertiger Wärmedämmstoff für den Hochbau und für betriebstechnische Anlagen. Der Sicherheitsdämmstoff wird im Wesentlichen aus Recyclingglas (über 60 Prozent) und natürlichen Rohstoffen, die in der Natur nahezu unbegrenzt vorkommen, hergestellt. Als Referenzobjekte gelten u.a. das Guggenheim-­Museum in New York und der Reichstag in Berlin. Aber auch auf der Galeria Rudolstadt findet sich Schaumglas aus Schmiedefeld.

Für den zur Verwaltungsgemeinschaft (VG) Lichtetal am Rennsteig zählenden Ort ist die Schließung des Werkes bereits der dritte herbe Schlag in kurzer Zeit. Zunächst hatte die Firma Tangerding eine Produktions­linie nach Osteuropa verlegt, zu Jahresbeginn musste die Firma Isoco, Hersteller u.a. von Campinganhängern, Insolvenz anmelden und wird derzeit von einem Insolvenzverwalter geführt. Das benachbarte Piesau musste erst vor wenigen Wochen die Nachricht verkraften, dass die Firma Heinz Glas die Herstellung von Opal-Glas an ihren Standort in Polen verlagern will.