Rekord dank Corona-Pandemie: Bluechip wächst in Meuselwitz

Meuselwitz.  Der Thüringer Hersteller Bluechip Computer AG profitiert von der Corona-Pandemie. Für Liebhaber schneller Spiele-Computer gibt es jedoch eine schlechte Nachricht.

Baut einen Spielecomputer: Simone Sieghardt in der Fertigung von Bluechip in Meuselwitz.

Baut einen Spielecomputer: Simone Sieghardt in der Fertigung von Bluechip in Meuselwitz.

Foto: Tino Zippel

Die Corona-Pandemie verhilft der Bluechip Computer AG aus Meuselwitz zu einem Rekord beim Geschäftsergebnis. Aktuell läuft die Produktion von Computern im Altenburger Land auf Hochtouren – doch die Pandemie schlägt auch auf den Teilemarkt durch. Der Vorstandschef Hubert Wolf sprach mit uns über Trends bei Computern, die Fertigung für one.de und das Geschäft mit Samsung-Haushaltsgeräten

Gesamtumsatz steigt auf 172 Millionen Euro

Der Umsatz von Bluechip war im Geschäftsjahr, das bis Ende Mai lief, um 20,5 Prozent auf 172 Millionen Euro gestiegen. Damit erwirtschaftete das Unternehmen einen Gewinn von zwei Millionen Euro, der nach Angaben von Vorstandschef Hubert Wolf komplett im Unternehmen verblieben ist. Die gute Geschäftslage machte es möglich, den Mitarbeitern eine Corona-Prämie zu zahlen.

Diese Trends gibt es bei Computern

„Wir verspüren eine Verschiebung von Standard-Computern hin zu mobiler Technik“, sagt Wolf. Es gebe nun viele ergänzende Investitionen für mobil arbeitende Mitarbeiter. Aber auch bei der Ausstattung von Büroarbeitsplätzen sieht er einen Trend zur Miniaturisierung. So steigt der Anteil von Mini-Computern, die nicht größer als ein Päckchen Kaffee sind. Wegen der komplexeren Wärmeabführung kosten diese Systeme 80 bis 100 Euro mehr als vergleichbare Desktop-Rechner, erfordern aber nur ein Viertel des Montagebedarfs.

Dennoch musste Bluechip kein Personal in der Fertigung abbauen. „Wir haben Zuwächse bei aufwendig zu bauenden Serversystemen“, sagt Wolf, in dessen Werk in Meuselwitz 274 Beschäftigte arbeiten. Kurzarbeit sei kein Thema. Auszubildende mit gutem Abschluss erhalten Übernahmeangebote.

Hinzu kommen 55 Mitarbeiter bei der Tochtergesellschaft one.de in Norddeutschland, die sehr gute Ergebnisse erzielt. Sie verkauft Computer vor allem an Privatkunden, die individuell zusammenstellbar sind. Deren Fertigung übernimmt die Mutter­gesellschaft in Thüringen.

Im Privatkundenbereich sieht Wolf den Trend zu teils sehr hochwertig ausgestatteten Spielecomputern. Bis zu 5500 Euro geben Freaks aus. Allerdings macht sich bei einigen Grafikkarten die angespannte Liefer­situation auf dem Weltmarkt bemerkbar. „Wir bekommen derzeit Chargen zwischen 5 und 50 Stück von der Herstellern zugeteilt, weil diese die Nachfrage nicht befriedigen können.“ Die Einkaufsabteilung arbeite unter Volllast, um auch kleinere Posten zu besorgen, damit Endkunden nicht lange auf ihre Rechner warten müssen. Wenn die Nachfrage in der Vorweihnachtszeit weiter steigt, will Bluechip mit Samstagsschichten reagieren, um die Aufträge schnell abzuarbeiten.

Aufträge für Lehrer-Computer so schnell nicht zu erfüllen

Kritisch betrachtet Wolf die Ankündigung der Bundesregierung, schnell 800.000 Lehrer mit Laptops auszurüsten: „Der Ansatz, die Lehrer mit digitaler Technik auszustatten, ist löblich. Allerdings ist es unrealistisch, das binnen weniger Wochen zu bewältigen.“ Die Hersteller von Notebooks in Asien arbeiten seinen Worten zufolge unter Volllast. Selbst Gebrauchtgeräte seien nicht in so großer Zahl verfügbar. Über alle Produzenten hinweg sieht er die Chance, 60.000 Geräte pro Monat bereitzustellen.

Investiert in Logistikhalle für Samsung-Haushaltsgeräte

Ein großes Investitionsprojekt hat Bluechip mit einer 2,2 Millionen Euro teuren Logistikhalle abgeschlossen. Deren Bau war nötig geworden, weil die Gesellschaft die Logistik für Samsung-Haushaltsgeräte erledigt, die Kunden über Amazon bestellen. „Wir schaffen die geforderten raschen Bereitstellungszeiten“, sagt Wolf, der fürs laufende Geschäftsjahr vorsichtig kalkuliert hat. So befinde sich Bluechip in Verhandlungen für die Fortführung mehrerer Großaufträge. „Wenn das gelingt, haben wir eine gute Basis für einen Umsatz auf Vorjahresniveau“, sagt der Vorstandschef, auch mit Blick auf die sehr guten Ergebnisse im ersten Teil des Geschäftsjahres, die deutlich über Plan liegen. Vorgenommen hat sich Bluechip, 95.000 PC-Systeme zu fertigen – und damit die Position unter den Top 5 der deutschen Computerbauer zu stärken.