Rohstoffe sind nicht knapp, aber ungleich verteilt: 200 Gäste bei IHK in Gera

Zum Jahresempfang der IHK Ostthüringen wurde ein in der Öffentlichkeit wenig beachteter Strategiewechsel zum Thema. Und eine neue Kampagne wurde vorgestellt, mit denen junge Leute gehalten werden sollen.

Peter Höhne, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostthüringen (rechts), im Gespräch mit dem Chef der Blankom Antennentechnik GmbH, Reiner Hofmann.  Foto: Volkhard Paczulla

Peter Höhne, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostthüringen (rechts), im Gespräch mit dem Chef der Blankom Antennentechnik GmbH, Reiner Hofmann. Foto: Volkhard Paczulla

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Gera. Deutschland ist keineswegs, wie oft behauptet, ein rohstoffarmes Land.

Es ist weltgrößter Braunkohleproduzent, viertgrößter Kali-Lieferant. Auch Grundstoffe für die Bauindustrie hat die Bundesrepublik jede Menge. Weniger Ressourchen sind allerdings für High-Tech-Produkte und die Umstellung auf erneuerbare Energien verfügbar. Deshalb werde Rohstoffbeschaffung und -sicherheit zu einer Schlüsselfrage für die heimische Wirtschaft, sagte Volker Steinbach gestern in Gera.

Die IHK Ostthüringen konnte den Experten von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) für einen Vortrag zu ihrem Jahresempfang 2012 gewinnen. Etwa 200 Gäste aus den Unternehmen des Kammerbezirks, aus Politik und Verwaltung waren der Einladung gefolgt und hörten diesmal etwas weniger über Fachkräftemangel und Steuern. Steinbach machte deutlich, dass allein die Energiewende eine völlig neue strategische Ausrichtung der Rohstoffversorgung erfordert: "Ein herkömmlicher VW Golf wiegt unter 1000 Kilo. Einer mit Elektroantrieb 1600 Kilo. Die muss man erst mal haben."

In den vergangenen zehn Jahren hätten sich die Preise für Metalle weltweit verachtfacht. Und der Trend werde künftig eher so bleiben, sagte der Rohstoff-Strategiefachmann. Das liege weniger an der Verknappung der Ressourcen, Ausnahme Erdöl, sondern vielmehr am rasch ansteigenden Bedarf von China, Brasilien, Indien und anderen Schwellenländern. Steinbach rät der deutschen Industrie zu möglichst langfristigen Lieferverträgen und sogar zur Beteiligung an Erkundungs- und Bergbauunternehmen. Mittelständische Betriebe sollten sich zu Einkaufsgemeinschaften zusammen finden.

Steinbach vermied es, die Ostthüringer Firmenvertreter zu erschrecken. Selbst die Seltenen Erden, unerlässlich für die Produktion moderner IT-Geräte, seien gar nicht so selten. Nur etwas ungleich verteilt. Die Risiken der Beschaffung ergäben sich folglich aus der Marktmacht einiger weniger Staaten und Konzerne. Wer schlau ist, setze auf Effizienz in der Produktion, Miniaturisierung und Recycling. Beim Wiederverwenden von Rohstoffen sei Deutschland bereits Weltspitze.

Trotz dieses Top-Themas wollte IHK-Präsident Albrecht Pitschel freilich nicht weglassen, was die Kammer als Interessenvertretung der Wirtschaft sonst noch umtreibt. Die Thüringer Mindestlohn-Initiative zum Beispiel, die man gar nicht so toll findet. Oder der vorerst abgewehrte Versuch, die Wassernutzung von Unternehmen per Gesetz mit einer saftigen Abgabe zu belegen. Solche Vorhaben gingen an der wirtschaftlichen Realität vorbei, sagte Pitschel, im Hauptberuf Geschäftsführer der Köstritzer Schwarzbierbrauerei.

Um junge Leute im Land zu halten, startet die IHK ihre neue Kampagne "Bleib Lokalmatador". Ganz ohne Fördermittel, wie der Präsident betonte.

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