Schlachthof-Schließung bringt Thüringer Schweinehalter in Nöte

Erfurt.  Die coronabedingte Schließung eines Mega-Schlachthofs in Westfalen bereitet auch Thüringer Schweinehaltern Probleme. Sie bekommen ihre schlachtreifen Schweine schwerer los.

Frisch geschlachtete Schweine hängen in einem Kühlhaus des Fleischunternehmens Tönnies.

Frisch geschlachtete Schweine hängen in einem Kühlhaus des Fleischunternehmens Tönnies.

Foto: Bernd Thissen / dpa

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Die Bauern hoffen, ihre Tiere nicht nottöten zu müssen. „Die Situation ist sehr angespannt“, sagte die Nutztier-Expertin des Thüringer Bauernverbandes, Anne Byrenheid, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Zwar würden an anderen Schlachthöfen Sonderschichten gefahren, doch der Abverkauf schlachtreifer Tiere stocke. Das führe nicht nur zu Einbußen bei den Mastbetrieben, auch die Schweinezüchter bekämen ihre Ferkel schlechter los. Alle aktuellen Entwicklungen zu Corona in Thüringen lesen Sie in unserem Liveblog.

Mehr als 1550 Beschäftigte des Schlachtbetriebs in Westfalen haben sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Deswegen war er geschlossen worden. Die weggebrochene Kapazität könne nicht sofort von anderen Schlachthöfen aufgefangen werden, betonte Byrenheid. Nur etwa jedes zehnte in Thüringen gemästete Schwein werde im Freistaat geschlachtet, viele kommen nach Weißenfels (Sachsen-Anhalt). Der Fall in Westfalen habe aber zu einer Verschiebung am Gesamtmarkt geführt, erläuterte die Expertin. „Der Abfluss der Tiere läuft auch bei uns in Thüringen deswegen nicht mehr reibungslos.“

Höhere Kosten für Bauern

Für die Bauern bedeute das höhere Kosten, etwa weil sie die Tiere länger füttern müssen. Zudem wachsen sie weiter und nehmen zu. Größere Tiere brauchen mehr Platz. Und weil die Abnehmer weitgehende genormte Schlachttiere haben wollen, bekämen die Bauern Preisabschläge bei zu schweren Tieren, erklärte Byrenheid. Auch komme es zu einem Rückstau bei den Ferkelerzeugern, wenn die Masttiere länger in den Ställen bleiben. Immerhin sei der Preis angesichts der guten Nachfrage in der aktuellen Grillsaison bisher stabil mit derzeit 1,66 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht.

Bauern hoffen, Nottötungen verhindern zu können

Nach Einschätzung Byrenheids könnten die Schweinehalter die Mast ihrer Tiere um etwa zwei Wochen hinauszögern. „Alles darüber ist problematisch.“ Sie verweist auf die USA, wo es in ähnlichen Fällen Nottötungen gab. „Wir hoffen, dass das bei uns nicht nötig sein wird.“

Nach Angaben des Landesamtes für Statistik wurden zuletzt in Thüringer Betrieben mit mindestens 50 Tieren oder 10 Zuchtsauen mehr als 691 000 Schweine gehalten (Stichtag: 3. November 2019).

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