„Schlüpfermarkt“ in Jena: Ein Markt und zehn Meinungen

Jena  Der Vorstoß der Initiative Innenstadt, die den Jahrmarkt („Schlüpfermarkt“) in Jena zumindest in seiner jetzigen Form abschaffen will, wird weiterhin kontrovers diskutiert. Hier sind zehn Meinungen.

Die Initiative Innenstadt will unter anderem den sogenannten Schlüpfermarkt in seiner jetzigen Form abschaffen. Ein Umfrage unter Kaufleuten und Gastronomen hat das schlechte Image des Marktes bestätigt. 

Die Initiative Innenstadt will unter anderem den sogenannten Schlüpfermarkt in seiner jetzigen Form abschaffen. Ein Umfrage unter Kaufleuten und Gastronomen hat das schlechte Image des Marktes bestätigt. 

Foto: Thorsten Büker

Der Vorstoß der Initiative Innenstadt, die den Jahrmarkt („Schlüpfermarkt“) zumindest in seiner jetzigen Form abschaffen will, wird weiterhin kontrovers diskutiert. Da zunehmend auch der Verein kritisiert wird, stellt dieser auf seiner Facebookseite klar, dass der Jahrmarkt verändert und verbessert werden müsse im Dialog mit allen Beteiligten. Citymanager Hannes Wolf sucht gestern das Gespräch mit Händlern, die sich verunglimpft fühlen. Eine Abschaffung des Jahrmarktes, wie teilweise kolportiert werde, sei nicht gefordert worden.

1. Verflixt! Es ist seit Jahren bekannt, dass man in Jena nicht einkaufen kann – wo auch. Also fährt man nach Weimar, Erfurt, Leipzig usw. Der Markt ist wichtig, da er ein großes Handelsdefizit in Jena teilweise ausgleicht. Für eine Stadt mit großem Anspruch ist das vorhandene Angebot lächerlich! Und es gibt in Jena eine große Bevölkerungsschicht, die auf das Marktangebot angewiesen ist. Einfach einmal nachdenken und den gesunden Menschenverstand einschalten. Hans-Jürgen Sens

2. Dieser Wochenmarkt ist eine gute Sache. Es gibt viele Leute, die dort ihre Schlüpfer und mehr kaufen,weil es dort noch bezahlbar ist. In den Geschäften gibt es für ältere Kunden nicht die richtigen Produkte. Was will man noch alles abschaffen? Ich finde das nicht in Ordnung. Und es wäre schade, wenn es diese Markttage nicht mehr gäbe. Aber nach den Menschen wird ja nicht mehr gefragt. Es wird entschieden, und man muss es hinnehmen. Annelies Rabe

3. Die Stadt sollte über einen besseren Standort nachdenken und vor allem handeln. Ansonsten wird dieser Markt ja wohl von der Bevölkerung sehr gut angenommen. Es gibt ja leider auch in Jena viele Bürger, die auf sogenannte Schnäppchen angewiesen sind, vor allem, wenn sie so eng nebeneinander angeboten werden. Dass sich anliegende Kaufleute an diesem Markt stoßen, ist mir auch etwas unverständlich, da viele Marktbesucher, wenn sie einmal in der Stadt sind, auch in anliegenden Läden einkaufen. Ich gehöre jedenfalls zu diesen Kunden. Ich hoffe, dass eine gute Lösung gefunden wird. Dann möchte ich noch bemerken, dass der Jahrmarkt kein Relikt aus der Wendezeit ist, den hatte man schon zu DDR-Zeiten, aber vielleicht soll er deshalb weg. Edith Friedel

4. Ich bin sehr dafür, den monatlichen Jahrmarkt zu erhalten: Den Begriff „Schlüpfermarkt“ habe ich, obwohl ich Jenenserin im Rentenalter bin, noch nie gehört und finde ihn auch ziemlich diskriminierend. Ich bin der Meinung, dass unsere Stadtverwaltung hier nicht den Umsatzinteressen der Händler in den Geschäften nachgeben sollte. Auf dem Markt werden durchaus auch hochwertige Waren angeboten, vor allem aber solche Waren, die es in den Geschäften nicht gibt. Die Gegner des Marktes sollten mir mal zeigen, wo es Wachstuch auf Rollen, die gute Unterwäsche von Frau Hartmann oder so preiswerte Kleidung, Socken, Taschen, Schlafbekleidung und anderes gibt ! Da bleibt wieder nur die Online-Bestellung und die ist wesentlich aufwendiger als ein Marktbummel. Und wenn ich zum Beispiel für den Markt in die Stadt gehe, dann schaue ich auch bei Händlern rein – der Markt ist also durchaus ein Frequenzbringer. Inge Meinig

5. Ein Jahrmarkt wie zu meiner Kindheit war etwas Schönes, das jetzige Markttreiben in der Innenstadt finde ich touristisch nicht anziehend, ein zentral gelegener fester Standort, eine große Markthalle, wie in vielen anderen Städten, ist auch ein Anziehungspunkt für Gäste der Stadt. Eine feste Markthalle, bei Sommer und Winter, wäre auch für den Grünen Markt optimaler. Ursula Stierl

6. Keinesfalls schaden diese vier Tage der kleineren Händler der Stadt Jena. Ich empfinde es als bedenklich, wenn Unternehmen den Jahrmarkt als Konkurrenz ansehen müssten. Im Gegenteil, manch einer wird wohl von den Kunden des Jahrmarkts dann auch gleich mal ein anderes Geschäft besuchen. Die meisten der Händler auf dem Jahrmarkt sind gestandene kleinere Unternehmen, die auch nur Geld verdienen wollen und den Kunden in dieser Form entgegen kommen. Moni

7. Bezug nehmend auf Ihren heutigen Artikel zum Schlüpfermarkt im Stadtzentrum Jena kann ich nur bestätigen, dass dies ein unwürdiger Schandfleck im Herzen der so dynamischen Stadt Jena darstellt, natürlich – der muss weg! Andreas Hiller

8. Der „Schlüpfermarkt“ ist nicht wirklich überflüssig. Habe von niemanden bisher gehört, dass man ihn besonders unattraktiv findet. Sollen doch die Läden in Jena vielfältigere Angebote führen. Wenn die Auswahl bei Kleidung größer wäre, das Preis-Leistungsverhältnis den Möglichkeiten der Durchschnittsverdiener entsprechen würde, dann hätte der Markt wohl kaum genug Kunden. Bezüglich der Unterwäscheangebote ist die Qualität auf dem Markt ziemlich gut, die Beratung auch, und nicht so teuer. Die Wäsche auf dem Markt wird zum Teil in Sachsen hergestellt. Apoldaer Strick- und Designerwaren gibt es auch auf dem Markt. In den Kaufhäusern in Jena gibt es doch nur die großen Marken (die mir leider auch ständig im Ausland und jeder mittleren Stadt begegnen. Das ist langweilig. Und außerdem beherrschen diese den internationalen Markt und können infolgedessen arme Länder ausbeuten. Daran beteilige ich mich nicht so gern) Wo finde ich sonst in Jena regionale Textilien und regionales Obst,Gemüse, Pflanzen? Regina Habelt

9. Diesen Markt empfinde ich schon lange als Schandfleck. Ich sehe auch nie jemanden dort etwas kaufen. Selbst für Leute mit kleinem Geldbeutel gibt es längst genügend andere Einkaufsmöglichkeiten. Birgitta Wiehl

10. Diese Angelegenheit ist ein Unding. Schon der Begriff ist bewusst abwertend gewählt worden, dabei gibt es wesentlich mehr Artikel als nur Schlüpfer zu kaufen. Bisher hat niemand in meinem Umfeld diesen negativen Namen gekannt, geschweige denn benutzt. Zitat: „Eine Umfrage unter Kaufleuten und Gastronomen hat das schlechte Image des Marktes bestätigt.“ Kein Wunder, wenn die Konkurrenz gefragt wird! Wie wäre es hingegen, erstmal die Bürger zu befragen, für die der Markt abgehalten wird? Wenn es, wie behauptet wird, ein nachlassendes Interesse der Kundschaft gäbe, würde sich das Thema von allein erledigen, weil dann auch die fahrenden Händler kein Interesse mehr hätten. Dem ist offenbar nicht so, daher will man einfach nur lästige Konkurrenz loswerden. Ich selbst kaufe auf diesem Markt nur selten etwas, trotzdem bin ich dagegen, ihn abzuschaffen. Hier sollen schlicht die Kunden entscheiden und nicht die konkurrierenden Geschäfte. Dass man die Gestaltung und Anordnung optimieren könnte, ist sicher denkbar, aber deswegen muss diese Art des Marktes nicht abgeschafft werden. S. Schneider

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