Schon 25 Jahre Wirtin in Gera

Mit Herzklopfen und Lampenfieber am Anfang und dennoch bravourös gemeistert: Marion Finke-Schneider seit 25 Jahren die Wirtin vom "Jagdhof" Gera.

Marion Finke-Schneider (l.inks) betreibt seit 25 Jahren den Jagdhof Gera, hier mit Mitarbeiterin Silvia Siemon.

Marion Finke-Schneider (l.inks) betreibt seit 25 Jahren den Jagdhof Gera, hier mit Mitarbeiterin Silvia Siemon.

Foto: zgt

Gera. "Meine erste Bratensoße war angebrannt. Es muss ein gutes Omen gewesen sein", erinnert sich Marion Finke-Schneider. Vor 25 Jahren übernahm sie mit ihrem damaligen Mann Andreas den "Jagdhof" im Stadtwald am Osterstein. Nach dem Studium sattelte sie vom Bauwesen auf die Gastronomie um. Zuvor hatte sie bereits drei Jahre an der Bar gearbeitet.

"Mit einem Wäschekorb, einer Katze und zwei Liegen sind wir eingezogen", erinnert sich Marion Finke-Schneider, die damals bei der HO, der volkseigenen Handelsorganisation, angestellt wurde. Die Ziege Martha übernahm man von den Vorgängern – seitdem hat der "Jagdhof" ein Streichelgehege. Zwei Tage nach dem Einzug war die Gaststätte schon das erste Mal voll, stieg die erste Diskothek. "Ich hatte Herzklopfen und Lampenfieber", blickt sie zurück.

Mit der Wende wurde die HO aufgelöst und die Treuhandanstalt schrieb die Gaststätte zur Pacht aus. Die Finkes stellten einen Kaufantrag – und erhielten 1993 unter 16 Bewerbern den Zuschlag. Seitdem wurde kräftig investiert. Kein Wunder, es ging wieder voran mit der Gastronomie: "1993/94 war eine richtige Hoch-Zeit. Damals gab es in der Stadt noch nicht so viele Biergärten wie heute", so Frau Finke-Schneider. Eine Terrasse wurde angelegt, die Bestuhlung erneuert. 1994 erfolgte eine Komplettrenovierung – Küche, Heizung und die Sanitäranlagen wurden neu hergerichtet. An die 130 000 Euro sind gewiss investiert worden – Geld, das eine Ausflugsgaststätte erst einmal verdient haben will. Wobei behutsam vorgegangen wurde: "Es wäre schade, allzuviel zu verändern." Der "Jagdhof" verfügt über 80 Plätze im großen Gastraum, 16 im Jagdzimmer und 80 auf der Terrasse.

Thüringer Wildspezialitäten sind das Markenzeichen vom "Jagdhof". Zweimal im Jahr gibt es Wildschwein am Spieß und die Jagdhornbläser spielen dazu auf. Vor allem an Wochenenden, Feiertagen und bei Familienfeiern ist die Gaststätte gut besucht, wo damals wie heute die Disko gut angenommen wird. Von der Bundesgartenschau hat das Lokal nur kaum profitiert. "Den Tagesgästen war der Weg zu weit", denkt Frau Finke-Schneider. "Wir konnten nur dank unserer Stammgäste bestehen", ist sie dankbar. Sie, Betreiber Andreas Finke, insgesamt fünf Beschäftigte – sowie drei Ziegen und eine Katze leben vom "Jagdhof".

Der Bau der Gaststätte begann übrigens im Jahre 1978. Der damalige SED-Bezirkssekretär soll bei einem Besuch in Bulgarien Gefallen gefunden hatten an einer Domizil im Jagdhausstil – und wollte sogleich ebenso ein Anwesen. Der Rohbau in Gera habe aber über Jahre leergestanden, ehe er 1973 als Gaststätte eröffnet wurde.

Anachronie des Schicksals, dass in der sich kinderfreundlich gebenden DDR eine Neuerung aus dem Westen importiert wurde. Der "Jagdhof" ist vermutlich die erste Geraer Gaststätte, in der ein Kinderstuhl angeschafft wurde für die ganz kleinen Gäste. Marion Finke-Schneider hatte das abgeguckt 1987 bei ihrem ersten "Westbesuch".

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