Solaranlagen als Rettung für Flugplatz Altenburg-Nobitz

Ein Jahr nach dem Abschied von Ryanair aus Altenburg-Nobitz liegt das Terminal im Dornröschenschlaf. Doch die Zahl der Geschäftsflieger steigt - einer fliegt demnächst aus Thüringen direkt nach China. Und der thailändische Kronprinz übte auch schon vor Ort.

Der Flugplatz Altenburg-Nobitz: Am Terminal werden seit einem Jahr keine Linienflüge mehr abgefertigt.  Foto: Tino Zippel

Der Flugplatz Altenburg-Nobitz: Am Terminal werden seit einem Jahr keine Linienflüge mehr abgefertigt. Foto: Tino Zippel

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Altenburg. Der Parkautomat vor dem Terminal des Altenburger Flughafens läuft. Einen Euro für eine halbe Stunde will das Gerät schlucken. Doch wo einst Autos parkten, wächst nun die Wiese. Seit einem Jahr fliegen keine Linienmaschinen mehr von der Ostthüringer Piste.

Potenzielle Kunden kommen immer noch vorbei. Sie steigen kurz aus, drücken ihre Nase an der Fensterfront platt, um nach drinnen zu schauen, machen kehrt und fahren wieder. "Rettungsaktion, damit es weiter geht", steht in roter Schrift an einer Mauer. Vorbei der Kampf ums Tor zur Welt. Das Abfertigungsgebäude liegt im Dornröschenschlaf - zumindest heute.

Die Zahlen sagen anderes. Geschäftsführer Jürgen Grahmann deutet in seinem Büro auf einen Ordner mit der Statistik. "Viele wissen nicht, dass Ryanair gerade acht Prozent unserer Flugbewegungen ausgemacht hat", sagt er. Im vergangenen Jahr seien mit 10.705 Starts und Landungen sogar 6,28 Prozent mehr verbucht worden als 2010. Damals hatte der irische Billigflieger noch mit drei Linien von Altenburg aus operiert.

Das Gros machen heute Privatflieger oder Ausbildungsflüge aus. Besonders stolz ist Grahmann auf die Wachstumsrate im Werksverkehr mit 280 Starts und Landungen im ersten Quartal 2012. Dahinter verbergen sich Maschinen, die Firmen mit Crew chartern. Die Kunden schätzen die kurzen Wege und die Abfertigungszeiten. Bisweilen dürfen die Konzernchefs mit dem Auto bis aufs Vorfeld rollen.

"Zeit ist Geld", sagt Grahmann und lächelt. Während die Firmenchefs arbeiten, entspannen die Piloten im Terminal. Ein Restaurant baut eigens Büfetts auf. Wer dieses Angebot nutzt, darf er nicht verraten. Kenner berichten aber, dass des öfteren die Konzernvorstände von Volkswagen teils mit großen Maschinen einfliegen, um die Fabriken in Sachsen zu besuchen. Demnächst soll gar ein Direktflug nach China stattfinden - nur gut, dass die Landebahn 2400 Meter misst, um die Starts von vollgetankten Maschinen zu ermöglichen.

Beliebt ist der Altenburger Flugplatz bei großen Gesellschaften, die ihre Piloten trainieren. Und sogar ein königlicher Gast nutzte das Angebot. Der Kronprinz von Thailand, Maha Vajiralongkorn, absolvierte mit seiner Boeing 737 der Royal Thai Air Force ein Training auf der Nobitzer Piste. Mehrfach übte er Landeanflug, Aufsetzen und Durchstarten.

Doch Schlagzeilen machte der Flugplatz, weil die Europäische Union unberechtigte Beihilfen monierte. Grahmann zieht einen Aktenordner. Die Antworten auf über 200 Fragen ließ er dem Bundesverkehrsministerium zukommen, das im Namen Deutschlands auf die Beschwerde reagieren wird.

In der Ferne surrt ein Motor. Fast scheint es so, als rolle ein großer Jet heran. Doch weit gefehlt. Der Flugplatz entschloss sich, eine Fläche abseits der Startbahn auf dem weitläufigen Gelände zu vermarkten. Ein Betonshredder frisst gerade die Überreste der Shelter, in denen einst getarnt die Kampfjets der Sowjetarmee standen. Darin warteten zuletzt Privatflugzeuge auf ihren nächsten Einsatz oder lagerten Bauern Stroh. Die Zukunft heißt Sonnenkraft.

Ein Investor steckt 17 Millionen Euro in ein 16 Hektar großes Solarfeld. Dem Flughafen sind die Pachterlöse sicher. Die Mitarbeiter kümmern sich zudem um die Pflege des Geländes der Solaranlage, deren Bau am Montag beginnt. Bis Mitte des Jahres sollen die Module stehen und 40 Prozent des Zuschussbedarfes des Flugplatzes einspielen. Nach dem Ausstieg von Ryanair hatten die Altenburger die Kosten erheblich gesenkt. Von 60 Mitarbeitern blieben nur 12 übrig. Statt 1,5 Millionen Euro müssen die Gesellschafter nur noch ein Drittel davon beisteuern. "Ziel ist es, in absehbarer Zeit ohne Zuschüsse auszukommen", sagt Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos). In zwei Jahren solle das gelingen.

Lange hatten die Gesellschafter mit einem Investor aus Süddeutschland verhandelt, der den Platz kaufen wollte. Doch Runde um Runde senkte der sein Gebot, wollte wohl günstig Land für Solaranlagen erwerben. Weil der dauerhafte Fortbestand des Flugplatzes in den Sternen stand, entschieden die Gesellschafter, selbst das neue Konzept umzusetzen. Das baue neben Solaranlagen und Geschäftsfliegern auf Firmenansiedlungen.

"Ich nehme es hin, dass den Linienflügen Arbeitsplätze, Passagiere und Touristen nach Leipzig abgewandert sind. Das war in Thüringen politisch so gewollt", sagt Rydzewski trotzig. Langfristig will der Flugplatz ohne Landeszuschüsse auskommen. Aktuell steuert der Freistaat 250 000 Euro pro Jahr für die Lotsen bei. Ende Juli soll diese Unterstützung auf den Prüfstand. Man sei in Gesprächen, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums.

Dass sich doch noch Anbieter finden, die Linien- oder Urlaubsflüge ab Altenburg anbieten, glaubt der Landrat nicht. Ob sich der Markt in ein paar Jahren verändere, wage er nicht zu prognostizieren, sagt Rydzewski: "Wir wollen nicht auf Wunder hoffen, setzen auf das normale, kleine Geschäft."

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