Somag aus Jena ist Weltmarktführer und nur im Weltraum nicht präsent

Jena  Unternehmen in Ostthüringen: Die Jenaer Firma Somag baut Stabilisierungsplattformen für Luftbildkameras und -sensoren.

Die sogenannten Gyro Mounts werden in den Boden eines Flugzeuges montiert und nehmen anschließend die Kameras und Sensoren auf.

Foto: Somag AG

Dass das Unternehmen den Markt zu 50 Prozent dominiert, verleiht der Somag AG aus Jena den schönen Titel Weltmarktführer. Was das bedeutet, vermag Andreas Steps griffig zu erklären: „Jedes zweite Luftbild, das Nutzer bei Google Maps finden, ist mit Hilfe unserer Technik entstanden“, sagt der Vorstand. In dem Firmengebäude im Göschwitzer Gewerbegebiet „Jena21“ entstehen Stabilisierungsplattformen für Luftbildkameras und -sensoren. Unter anderem.

Am Anfang war Zeiss. Wie so oft in Jena, denn entwickelt und gebaut wurde das Nischenprodukt von Carl Zeiss in Jena. Mit der Wende allerdings kam Oberkochen ins Spiel samt der Entscheidung, die Produktion dieser Plattformen in Jena einzustellen. Dass Konrad Steps mit der letzten Entlassungswelle 1995 seinen Job verlor, ist rückblickend vielleicht ein Glücksfall gewesen: 1998 bereits machte sich der Ingenieur, der in wenigen Tagen 75 Jahre alt wird, selbstständig, damals noch mit dem Ingenieurbüro Steps. 2002 wurde die Somag AG gegründet, 2010 das Ingenieurbüro integriert. Später habe man ihm die Lizenz für ein Patent für den ersten Stabilisator angeboten, erzählt er. Das GSM 3000 wurde seither weiterentwickelt, wird aber grundsätzlich noch immer gebaut: Die Premiere war 2004, 2011 wurde die 150. Plattform verkauft, die Produktreihe wird sukzessive erweitert.

„Saubere, ruckelfreie Bilder: Um das geht es“, erklärt Andreas Steps. Ist ein Flugzeug in der Luft, ist es unterschiedlichen Drehbewegungen sowie hochfrequenten Schwingungen ausgesetzt: Der Flieger rollt, wankt oder schlingert, das Flugzeug wird in alle Richtungen durchgeschüttelt, weshalb die Bilder am Ende nur unzureichend überlappen oder Turbulenzen zu verschwommenen Daten führen. Die Stabilisierungsplattformen aus Jena kompensieren Bewegungen und Vibrationen in allen drei Achsen. Die Geräte garantierten somit gestochen scharfe Bilder, sagt Andreas Steps. Stabilisatoren für verwacklungsfreie Fotos sind Standard bei jedem Smartphone. Für bis zu zwei Zentner schwere Luftbildkameras zur Erderkundung braucht es allerdings Stabilisatoren im XXL-Format.

Neue Partner in China und den USA

Die Somag AG Jena steht übrigens für Sensorik, Optik, Mechanik, Anwendungssoftware und Gerätebau. Zu den Kernkompetenzen zählen wissenschaftlicher Gerätebau, Prüftechnik für Hochleistungsoptik, Analysenmesstechnik und Bio-Instrumente-Technik.

Andreas Steps trat nach seinem Studium an der FH Jena 2008 in den Vorstand ein, und 2013 übergab Konrad Steps die Unternehmensleitung ganz an seinen Sohn sowie an Sebastian Schreiber, ebenfalls Absolvent der FH Jena, der 2004 durch ein Praktikum im Ingenieurbüro zur Somag AG kam.

Bei der Vermarktung geht die Somag unterschiedliche Wege: Kamerahersteller verkaufen nicht selten Komplettpakete und übernehmen somit einen Teil des Vertriebs. Andere Kunden setzen wiederum auf individuelle Lösungen und verhandeln direkt mit dem Jenaer Unternehmen. „Der Markt umspannt die ganze Welt. Aber er ist relativ klein und übersichtlich“, sagt Andreas Steps.

Früher habe man das Marketing nebenbei gemacht, doch mittlerweile habe die Somag AG eine kleine Marketingabteilung gegründet. Mehr als 80 Prozent der Stabilisatoren sind für den Export bestimmt, aber eben größtenteils nach Österreich. Microsoft habe einen dort angesiedelten Kamerahersteller gekauft und sei damit ein sehr wichtiger Abnehmer für die Spezialanfertigungen aus Jena. Zur Anwendung kommen die Systeme dann zum Beispiel beim Erstellen von Landkarten für Microsofts Angebot Bing Maps, Karten auf Papier.

Und mittlerweile verfüge man auch über Servicepartner in den USA und in China. Dass sich unter den aktuell 21 Mitarbeitern viele hoch qualifizierte Fachkräfte befänden, verstehe sich von selbst. 80 Prozent der Belegschaft verfüge über ein Hochschulstudium.

Die Einsatzgebiete der Plattformen sind sehr unterschiedlich: Mal gehe es um den Umweltschutz, mal um das Vermessen von Landschaften oder die Überwachung von Hochspannungsleitungen, in der Luft, auf dem Boden und im Offshore-Bereich. Nur den Weltraum hat das Unternehmen noch nicht für sich entdeckt.

Die Bandbreite der Produkte reicht von kleinen Stabilisierungsplattformen für unbemannte Systeme bis hin zu großen Geräten für Sensoren bis zu 120 Kilogramm.

Ein zweites Standbein neben den Gyro Mounts sind Präzisionsprüfstände für Inspektionsoptiken, die bei Carl Zeiss oder Jenoptik eingesetzt werden.

Die vorläufige Krönung dieser Erfolgsgeschichte war der 2015 erfolgte Umzug aus dem Gründerzentrum TIP in eine eigene Immobilie auf dem Gelände des früheren Zement- und Betonwerks Göschwitz, dem Gewerbegebiet „Jena21“.

In direkter Nachbarschaft zum Raumfahrthersteller Jena-Optronik baute die Somag AG ein altes Laborgebäude aus der Gründerzeit mit viel Liebe zum Detail aus.

Neben der historischen Fassade wurden auch Teile der alten Inneneinrichtung, wie zum Beispiel die Türen, aufgearbeitet und integriert.

OTZ-Serie im Internet: www.otz.de/unternehmen-in-ostthueringen

Das Unternehmen in Ostthüringen

  • Name: Somag AG Jena
  • Standort: Am Zementwerk 8, 07745 Jena
  • Vorstand: Sebastian Schreiber und Andreas Steps
  • Umsatz: Zwischen 2,4 und 3 Millionen Euro jährlich
  • Beschäftigte: 21
  • Auszubildende: 1
  • Produkte: Stabilisierungsplattformen für Luftbildsensoren oder Kameras, die unter anderem in Flugzeugen zum Einsatz kommen.
  • Internet: www.somag-ag.de

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