Thüringens Wirtschaftsminister besucht digitale Pioniere im Freistaat

Jena  Sechs Tage, 23 Stationen: Auch Jenaer Firmen zeigen dem Wirtschaftsminister, wie man die Digitalisierung erfolgreich nutzt.

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (Mitte) testet die Technik von JenID Solutions, dem Unternehmen von Michael Weisbach (links) und Thomas Winter.

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (Mitte) testet die Technik von JenID Solutions, dem Unternehmen von Michael Weisbach (links) und Thomas Winter.

Foto: Victoria Augener

Palo Alto, Cambridge, Tel Aviv, ... Jena? Recht eigentümlich erscheint die Stadt an der Saale, wenn sie in einem Schwung mit den weltweiten Hochburgen der Informationstechnik-Branche genannt wird. Dabei hat Jena das Potenzial, zum gefragten IT-Standort. „Ich stelle fest, dass es hier eine Fülle von Firmen gibt, die für die digitale Zukunft gut aufgestellt sind“, sagt der Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), der am Dienstag drei IT-Unternehmen in Jena besuchte.

Die sechstägige Sommertour „Tiefensee digital“ führte den Wirtschaftsminister in die Jenaer Firmen Enginsight, JenID Solutions und Jenetric. Dabei traf Tiefensee unter anderem auf Michael Weisbach und Thomas Winter. Gemeinsam gründeten beide vor vier Jahren JenID Solutions. Das Unternehmen entwickelt Tech-Software, die Ausweisdokumente auf ihre Echtheit prüft.

Wie einfach die Technik von JenID Solutions diesen Vorgang machen kann, erfährt Tiefensee im Selbstversuch. Mit einem Smartphone fotografiert er einen Personalausweis ab. Die Anwendung „Genuine ID“ (zu deutsch „Echte Identität“) prüft anhand des geschossenen Bildes, ob der Ausweis ein Original ist. „Wir entwickeln diese Technik für Standard Smart Devises, also Geräte wie das Smartphone, das meistens schon vorhanden ist“, erklärt Thomas Winter.

Die Technik von „Genuine ID“ ist menschlichen Kompetenzen laut Hersteller einiges voraus, denn sie prüft Sicherheitsmerkmale, die das bloße Auge kaum bemerkt. Die Gründer von JenID Solutions bezeichnen ihre Geschichte als „Start-up-ähnlich“. Mit ihrer Idee, eine Computertechnik zu entwickeln, die Identitäten verifiziert, haben Thomas Winter und Michael Wiesbach ihrem früheren gemeinsamen Arbeitgeber verlassen und sich selbstständig gemacht. „Dort hat man das Potenzial der Digitalisierung nicht erkannt“, sagt Thomas Winter. Jena sei ein guter Firmenstandort, meint Winter. Durch die Hochschule und viele Informationstechnikunternehmen gebe es gut ausgebildete Arbeitskräfte. Doch noch zu selten gelänge es, sie in Jena zu halten.

„Absolventen zieht es in die Business-Hubs“, sagt Winter. Hubs sind die Knotenpunkte der IT-Branche, also Hochburgen wie Berlin und München in Deutschland, international das Silicon Valley in Kalifornien. „Wir sind darauf angewiesen, dass gut ausgebildete Kräfte hier bleiben“, sagt Michael Weisbach. Man müsse die Aufmerksamkeit auf Jena als IT-Standort lenken, die Bekanntheit der Stadt stärken. Denn beim Netzwerke-Knüpfen sei die erste Hürde oft schon, zu erklären, wo Jena liegt.

Nach dem erfolgreichen Unternehmensstart steht ihnen nun die Herausforderung der Folgefinanzierung bevor. Dabei gilt es, um die Aufmerksamkeit der Investoren zu ringen. Diese suchen die Geschäftsführer von JenID Solutions besonders in den Vereinigten Staaten. „Amerikanischen Investoren ist die Vision wichtig. Sind sie davon überzeugt, gehen sie eher Risiken ein, als die Deutschen“, sagt Thomas Winter.

In Europa macht es auch die Gesetzeslage Firmen schwerer. Bei der Expansion treffen Unternehmer in nahezu jedem Land auf eine neue Gesetzeslage. „Wir hoffen, dass sich die Gesetze auf dem Binnenmarkt harmonisieren. Darauf kann die Politik Einfluss nehmen“, sagt Thomas Winter. Auch Wolfgang Tiefensee wünscht sich einfachere Prozesse in Europa, denn „wir werden unterliegen, wenn wir nicht eine neue Qualität der Zusammenarbeit schaffen“.

Die Gründer von JenID Solutions verabschiedeten den Wirtschaftsminister mit Zuversicht. „Wir haben das Gespräch als Plattform für Hinweise genutzt, wo der Schuh in kleinen Unternehmen drückt und konnten unsere Themen platzieren“, freut sich Thomas Winter und ergänzt damit seinen Kollegen Michael Weisbach: „Wir hoffen, damit einen Grundstein für positive Entwicklungen gelegt zu haben.“