Unternehmen in Ostthüringen: Bei Brüstel dreht sich alles ums Holz

Quirla.  Die OTZ stellt wöchentlich Betriebe und Dienstleister aus Ostthüringen vor.

Martin Brüstel beim Sägen eines Fichtenbalkens. Mit dem Sägewerk können in Quirla bis zu 11 Meter lange Balken geschnitten werden.

Martin Brüstel beim Sägen eines Fichtenbalkens. Mit dem Sägewerk können in Quirla bis zu 11 Meter lange Balken geschnitten werden.

Foto: Frank Kalla

„Eiche hat eine schöne Maserung, man sieht die Äste komplett. In dem Holz ist einfach Leben drin“, sagt Tischlermeister Thomas Brüstel und streicht andächtig über die Lehne einer aus massivem Eichenholz gefertigten Gartenbank.

Die Leidenschaft fürs Holz, sie steckt in allen Mitarbeitern des in Quirla (Saale-Holzland) ansässigen Familienunternehmens Holz Brüstel, das 1989 von Johannes Brüstel gegründet wurde und in den Jahrzehnten immer mehr wuchs. Ist doch aus der einstigen Tischlerei inzwischen ein Unternehmen geworden, wo das meiste Holz von der Ernte bis zum fertigen Produkt durch die gleichen Hände geht.

Zu 90 Prozent bestehen die bei Brüstel hergestellten Produkte aus Massivholz, insbesondere Hartholz wie Eiche oder Lärche wird für die Herstellung hochwertiger Treppen, individueller Möbel, Carports oder der rustikalen Gartenmöbel bevorzugt. „Das gesamte von uns verarbeitete Holz stammt aus den Wäldern der Region, viele Bäume ernten wir selbst als Forstbetrieb im eigenen Wald oder transportieren es zur Weiterverarbeitung aus dem Staatsforst oder Privatwäldern zum Unternehmen“, erklärt Thomas Brüstel.

Nicht nur die kurzen Wege stehen für die Nachhaltigkeit, auf die man bei Holz Brüstel großen Wert legt. Rein praktisch wird jeder noch so kleine Holzspan in dem Unternehmen einer Verwendung zugeführt. Nicht mehr für die Tischlerei oder zum Bauen geeignete Holzreste, die beim Sägen von Brettern oder Balken im eigenen Sägewerk anfallen, werden genauso wie im Wald nach der Ernte liegengebliebene Reste von Baumkronen oder beim Durchforsten angefallenes Schwachholz zu Hackschnitzeln verarbeitet. Mit den Hackschnitzeln sichert man die Wärmeversorgung in der Werkstatt oder der Trockenkammer. Aber auch die eigenen und andere Wohnhäuser werden mit Holzhackschnitzeln warm gehalten.

Wobei man bei Brüstel großen Wert darauf legt, dass das bereits zu Brettern oder Balken zurechtgeschnittene Holz über mehrere Jahre natürlich an der frischen Luft getrocknet wird. „Bei Eiche dauert das schon mal drei bis sechs Jahre, ehe man sie verarbeiten kann.“

Entsprechend groß ist der Holzlagerplatz, der sich unmittelbar an der Landesstraße zwischen Mörsdorf und Stadtroda befindet. „Hier haben wir Fichte, Kiefer, Lärche/Douglasie, aber auch Eiche, Buche, Esche und Ahorn für uns und die Kundschaft gelagert“, erklärt Brüstel. Dank des eigenen Sägewerkes und einer Vier-Seiten-Hobelmaschine könne man auch ausgefallene Kundenwünsche erfüllen. „Wer bis zu elf Meter lange und im Durchmesser bis zu 95 Zentimeter starke Balken benötigt oder spezielle Maße für den Dachbau braucht, ist bei uns an der richtigen Stelle“, betont der Tischlermeister. Die sechs gewaltigen Eichenstämme, die bereits geschnitten vor dem Platz lagern, stoßen derzeit immer wieder auf das Interesse von Kunden. „Das Holz ist aber einfach noch zu frisch und wegen zwei Bohlen reißt man nicht den gesamten Stapel auseinander.“

Die Corona-Krise bescherte Holz Brüstel ein überraschendes Auftragsplus. „Plötzlich war Holz für Arbeiten am Haus oder dem Grundstück überaus gefragt.“ Brüstel lieferte aus: Bretter, Balken, Kanthölzer oder Riegel und Latten für Gartenzäune wurden zu den Kunden nach Gera, Weimar, Triptis, Jena, Leipzig oder in die nähere Region geschafft. Und die Leute fragten nach gutem Holz nach. „Immer mehr Kunden setzen auf hochwertiges Lärchenholz“, benennt der Tischlermeister einen Trend.

Stark nachgefragt sind auch die in Quirla gefertigten Gartenmöbel aus Eiche. „So ein Tisch oder eine Gartenbank hält im Freien 25 Jahre durch“, verweist Thomas Brüstel auf eine hochwertige Verarbeitung und das überaus haltbare Holz. Für die Stadt Stadtroda werde man jetzt eine massive Bank spenden. „Wir pflegen eine gute Zusammenarbeit mit den Kommunen, aber auch mit großen Unternehmen in Jena, für deren Produkte wir ganz spezielle Transportbehältnisse anfertigen.“ Eine echte Brüstel-Gartenbank habe es sogar bis nach Hamburg geschafft. „Die Norddeutschen waren begeistert von der Bank und haben sie gleich nach Hamburg mitgenommen“, sagt Brüstel mit ein wenig Stolz in der Stimme.

Von der Bildfläche verschwinden wird das Quirlaer Familienunternehmen nicht, in dem Thomas und Martin Brüstel, die beiden Söhne von Johannes Brüstel, Mutter Iris sowie drei Mitarbeiter tätig sind. „Wir bereiten uns auf die Unternehmensnachfolge vor“, so Thomas Brüstel. Man sei schon als Kinder in das Unternehmen des Vaters hineingewachsen und mit der Firma und dem Holz groß geworden, sagt der 30-jährige Tischlermeister. „Holz, das bestimmt einfach unser Leben“ meint er lächelnd.