Unternehmen in Ostthüringen: Familienbetrieb fertigt seit Generationen Maßarbeit aus Holz

Ponitz  In der Serie „Unternehmen in Ostthüringen“ stellt die OTZ wöchentlich Betriebe und Dienstleister aus Ostthüringen vor. Heute: Die Tischlerei Junghans in Ponitz ist seit Jahrhunderten in Familienhand.

Tischlermeister Karl-Heinz Junghans mit einer seiner Brieftauben. Die Geflügelzucht betreibt der 64-Jährige schon seit seiner Jugend. Hier steht er vor der einstigen Werkstatt, der früheren Stellmacherei.

Tischlermeister Karl-Heinz Junghans mit einer seiner Brieftauben. Die Geflügelzucht betreibt der 64-Jährige schon seit seiner Jugend. Hier steht er vor der einstigen Werkstatt, der früheren Stellmacherei.

Foto: Jana Borath

Ob das Tischlerhandwerk in den Genen der Ponitzer Familie Junghans liegt? Karl-Heinz Junghans, Tischlermeister und seit 50 Jahren im Beruf, zuckt mit den Schultern. „Keine Ahnung, ob Berufswahl vererbbar ist“, sagt der 64-Jährige und blickt gelassen aus dem Fenster seines kleinen Büros unterm Dach direkt in einen der letzten sonnigen Spätherbsttage dieses Jahres. „Ich weiß nur, dass mein Vorfahre schon Stellmacher war, als er hier im Ort das Haus baute.“ Das war 1765. So steht es am Gebälk des Fachwerkhauses. Der kleine Vierseithof im Herzen des Dorfes ist einer der typischen für das Altenburger Land und einer der ältesten in Ponitz. Sogar die Dorfchronik erzählt von ihm. Laut ihr geht die Geschichte der Stellmacherei Junghans noch weiter zurück und soll bis 1670 reichen. Rechts neben dem Wohnhaus befand sich damals die alte Werkstatt der Stellmacherei, zu der auch zwei Sägegatter gehörten. Eines davon ist heute im Agrarmuseum Blankenhain zu sehen.

„Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich als Kind mit dem Fuhrwerk mitgefahren bin zum Ponitzer Bahnhof, weil dort für uns Holz angekommen war“, berichtet der 64-Jährige weiter. 14 Jahre war er, als er die Schule beendete und seine Lehre zum Stellmacher begann. Den Abschluss der 8. Klasse hatte der Junge damals in der Tasche. Den der 10. Klasse mache Karl-Heinz Junghans nebenbei zu seiner Lehrausbildung. Abends drückte er dafür die Schulbank in der Volkshochschule.

Später im Berufsleben kam die Meisterschule dazu. Sein Vater Rudolf hat den Familienbetrieb in der Meeraner Straße 8 in Ponitz nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. Die Geschäfte liefen, der Gestellmacher arbeitete mit Betrieben in Schmölln, Gößnitz und weiteren Orten im heutigen Altenburger Land zusammen. Der damalige Kreis Schmölln gehörte noch zum Bezirk Leipzig.

Und die Familie schaffte es, nicht in die PGH eingegliedert zu werden. „Wir waren immer privat und hatten deshalb auch keine Probleme - außer bei der Materialbeschaffung“, blickt Lieselotte Junghans zurück.

1990 änderte sich dann nicht nur das Gesellschaftssystem für die Menschen in der damaligen DDR. Karl-Heinz Junghans wurde außerdem Chef des Familienbetriebes. „Für uns war das sogar ein richtiger Glücksfall“, erinnert er sich. „Wir wuchsen als Selbstständige gleich in das neue System hinein.“ Sowohl der eine als auch der andere Wechsel klappte also für die Familie. In die Werkstatt wurde kräftig investiert für moderne Maschinen, für Lagerkapazitäten. Die Schulden dafür sind inzwischen abgezahlt. Treppenbau, Bautischlerei - das waren und sind bis heute die Schwerpunkte für Tischlermeister Junghans. In der Meeraner Straße entstehen Treppen, Türen, Fenster, Haustüren und alles, was aus Holz ist, auf dem Land gebraucht wird und für Vierseithöfe wie die im Altenburger Land charakteristisch ist. Maßanfertigungen sind das, keine Massenware.

Zum Familienbetrieb gehören neben Tischlermeister Junghans und seiner Frau Lieselotte auch zwei Gesellen sowie Sohn Andreas, der gelernte Möbeltischler. Ob der 30-Jährige den Betrieb einmal übernehmen wird? „Er weiß es noch nicht“, sagt sein Vater. „Und ich will ihn nicht drängen“, fügt er hinzu.

Zur Familie Junghans gehören außerdem noch zwei Töchter: Silke und Heike. Die eine arbeitet beim Flurneuordnungsamt in Gera, die andere ist Lehrerin in Erfurt. „Beide haben sicheres Einkommen, geregelte Arbeitszeiten, Anspruch auf Urlaub“ zählt die 62-jährige Lieselotte Junghans auf. „Unsereiner muss sehen, dass er noch etwas Rente bekommt.“

Maßanfertigungen, keine Massenware

Viel werde es wohl sowieso nicht, trotz der Jahrzehnte ununterbrochenen Arbeitens. Lieselotte Junghans arbeitet seit 1990 mit im Familienunternehmen, in das sie einheiratete. Ihren Beruf als Erzieherin hängte sie damals an den Nagel. Fachkräftemangel in der privaten Tischlerwerkstatt?

„Schlange standen sie bei uns eigentlich nie“, berichtet Karl-Heinz Junghans. „Zu DDR-Zeiten lockte der VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau mit gutem Lohn und der einen oder anderen Vergünstigung. Heutzutage sind es die Offerten von VW, die junge Leute im nahen Sachsen am Fließband arbeiten lassen, statt im kleinen Handwerksbetrieb.“

Ob er jemals ein anderes Leben habe führen wollen? Karl-Heinz Junghans sitzt wieder an seinem Schreibtisch in dem kleinen Büro unterm Dach und blickt in die letzten Sonnenstrahlen dieses schönen Novembertages. „Nein“, sagt er nach kurzem Innehalten. „Nie.“ Er mag seinen Beruf. Die Arbeit mit Holz. Den Duft nach Holz in der Werkstatt. „Wenn ich mal einige Zeit nicht da bin, vermisse ich das alles.“ Ebenso wie das Leben im Dorf, in dem seine Familie seit mindestens sechs Generationen zu Hause ist. Er züchtet Hühner und Tauben, hält Schafe. Er hilft in der Ponitzer Friedenskirche und bei den Geflügelzüchtern, sein Sohn engagiert sich in der Feuerwehr. „Wir sind mit dem Dorf verwachsen.“

Das Unternehmen in Ostthüringen

Name: Tischlerei Junghans

Standort: Meeraner Straße 8, 04639 Ponitz

Geschäftsführer: Karl-Heinz Junghans

Beschäftigte: 2,5

Auszubildende: keine

Leistungen: Treppen, Türen, Fenster, Haustüren und alles, was aus Holz ist, auf dem Land gebraucht wird; Maßanfertigungen

Geschichte: Die Gründung als Stellmacherei geht laut Ponitzer Ortschronik bis vor das Jahr 1670 zurück

Kontakt: telefonisch unter (03764) 33 48

Alle bisher erschienenen Teile der Serie finden Sie unter: www.otz.de/unternehmen-in-ostthueringen

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