Unternehmen in Ostthüringen: Hier lenkt der Chef wahrlich selbst

Kahla  Es sind nicht nur die großen Namen, die die Unternehmerlandschaft in Ostthüringen prägen und ausmachen.

Firmengründer René (rechts) und sein Sohn Michel Bloßfeldleiten den familieneigenen Fuhrbetrieb vom Gewerbegebiet in Kahla aus.

Firmengründer René (rechts) und sein Sohn Michel Bloßfeldleiten den familieneigenen Fuhrbetrieb vom Gewerbegebiet in Kahla aus.

Foto: Katja Dörn

Die Familie Bloßfeld ist in Kahla wohl diejenige mit der mächtigsten Zugkraft. 35 PS-starke Fahrzeuge – 12-Tonner, Sattelzugmaschinen, Transporter, Betonmischer und Kranfahrzeuge – werden unter ihrer Ägide sechs Tage in der Woche durch Deutschland und Europa gelenkt. Mit ihrem Fuhrbetrieb haben sie ein florierendes Unternehmen aufgebaut, das mehr ist als nur Transporteur von Waren von A nach B.

Aus erster Hand betrachtet sind es eben nicht die gewaltigen Fahrzeuge, die das Fuhrgeschäft zum Laufen bringen, sondern die Mitarbeiter. „Wir haben engagierte und gut qualifizierte Mitarbeiter, die über den Tellerrand schauen und mit an einem Strang ziehen“, sagt Geschäftsführer René Bloßfeld.

Knapp 35 Fahrer, sieben Angestellte im Büro sowie Aushilfen beschäftigt er. Sie seien ein familiäres Team – und das nicht nur deswegen, weil Sohn Michel und Frau Simone mit im Fuhrbetrieb tätig sind. „Bei uns sind die Mitarbeiter keine Nummern“, sagt Michel Bloßfeld, da komme es durchaus auch vor, dass man abends zusammen ein Gläschen trinke.

Im schnellen Geschäft ist Vertrauen auch notwendig. Der Fuhrbetrieb ist ein Sechs-Tage-Job. Rund um die Uhr, außer sonntags, sind die Fahrer unterwegs. „Flexibilität ist unsere Stärke“, sagt René Bloßfeld, und so flexibel müssten auch seine Angestellten sein.

So kann es vorkommen, dass ein Kunde von heute auf morgen eine Lieferung nach Spanien schicken möchte. Ein termingebundener Direkttransport, vielleicht noch mit einer teuren Fracht an Bord – da würden Konkurrenten abwinken, sagt René Bloßfeld, in größeren Unternehmen liefen die Prozesse zu starr ab. Seine Mitarbeiter seien dagegen „absolut flexibel“ und geschult, hochsensible Waren zu transportieren.

Zu den Kunden zählen die Jenoptik und die Deutsche Post AG. Als Subunternehmen bestücken die Fahrer von René Bloßfeld Ablagekästen, aus denen die Austräger später die Briefe für ihr Gebiet herausholen.

Ein anderer Geschäftszweig ist die Baustofflogistik. „Wir stellen zum Beispiel Kranfahrzeuge für Baumärkte“, sagt der Geschäftsführer, damit Lieferungen wie kiloschwere Paletten mit Steinen an den gewünschten Platz transportiert werden.

Modernes Hochregallager für neue Ideen

Ein weiteres Standbein zeigt René Bloßfeld in einer neuen Lagerhalle. Dort stehen mehrere neue Hochregale. „Wir haben 400 Stellplätze geschaffen“, erklärt er, „aufstockbar auf 1000. Damit ist Luft nach oben für neue Ideen und Kunden“.

Vor zwei Jahren hat sich René Bloßfeld im Gewerbegebiet Im Camisch in Kahla niedergelassen. Vorher war der Fuhrbetrieb in Schöps, etwa fünf Kilometer nördlich, angesiedelt. „Wir haben das Unternehmen auf einen modernen Stand gebracht“, sagt er überzeugt.

Doch es gab auch niederschmetternde Zeiten. René Bloßfeld machte sich 1996 selbstständig. Er war seit der Wende im familieneigenen Fuhrbetrieb seines Vaters Thilo angestellt. „Am Anfang verlief der Warenfluss von West nach Ost“, erinnert er sich. Für das Transportunternehmen eine gute Zeit, doch langsam zerfiel das Geschäftsfeld, und im Verbund der Speditionen in Ostdeutschland musste umgedacht werden.

„Wir haben uns gesundgeschrumpft“, stellt er klar. Er schied aus dem Familienbetrieb aus und gründete ein neues Unternehmen mit einer neuen Struktur und neuen Kunden. Sein Fuhrpark bestand aus einem Kleintransporter, er selbst saß hinterm Lenkrad. Anfangs transportierte er Baustoffe, 1998 brach dann ein Auftrag weg. „Das war eine schwere Zeit“, erinnert er sich.

Doch er gewann wieder Kunden, konnte das Unternehmen immer weiter ausbauen. Die Auftragslage sei jetzt sehr gut – so gut, dass das Unternehmen auch den viel beschworenen Fachkräftemangel zu spüren bekommt. „2017 war straff“, erinnert sich René Bloßfeld. Mitarbeiter fehlten oder fielen wegen Krankheit aus, sodass sich auch der Chef notfalls hinters Lenkrad setzen musste.

Er hat Respekt vor seinen Fahrern. Denn im Lastwagen zu sitzen, bedeutet heute nicht mehr nur, auf den Verkehr zu achten und an den Zielort zu finden. Die Fahrer sollen den Kunden und den Kontrollorganen gerecht werden, auf Lenkzeiten und Ladungssicherung achten.

Nicht zu vergessen: Die Disponenten haben auch noch ein Wörtchen mitzureden. Jeden Tag stehen sie in Kontakt mit den Kollegen in Transportern und Lastwagen, koordinieren die Aufträge und planen die Routen.

Auch wenn René Bloßfeld jetzt erst 48 Jahre alt ist, kann er das Thema Unternehmensnachfolge abhaken. Sein Sohn Michel (25) ist als Gesellschafter zeichnungsberechtigt und ausgebildeter Speditionskaufmann.

Gab es denn einen Zwang, in die Fußstapfen des Vaters zu treten? Keinesfalls, beteuert Michel Bloßfeld. Nur die Kindheit sei eben sehr prägend gewesen. „Ich wurde mit dem Lkw in die Kita gefahren“, sagt er lächelnd.

Das Unternehmen in Ostthüringen

Name: Fuhrbetrieb Bloßfeld GmbH

Standort: Im Camisch 10, 07768 Kahla

Geschäftsführer: René Bloßfeld

Umsatz: zirka drei Millionen Euro

Beschäftigte: 43

Auszubildende: keine

Produkte: Nah- und Fernverkehr, Direkttransporte, Baustofftransporte, Industrieumzüge, Kurierdienste, Lagerlogistik, Dispositionsleistungen

Internet: www.fuhrbetrieb-blossfeld.de

Es sind nicht nur die großen Namen, die die Unternehmerlandschaft in Ostthüringen prägen und ausmachen. Auch viele kleinste, kleine oder mittlere Firmen leisten Erstaunliches für die Volkswirtschaft. Manchmal sind sogar heimliche Gewinner, sogenannte Hidden Champions, darunter. Die OTZ stellt wöchentlich Betriebe und Dienstleister aus Ostthüringen vor.

OTZ-Serie im Internet: www.otz.de/unternehmen - in-ostthueringen