Unternehmen in Ostthüringen: Papier aus Schwarza – Eine der modernsten Fabriken Europas

Rudolstadt  Die OTZ stellt wöchentlich Betriebe und Dienstleister aus Ostthüringen vor. Heute: Die Papierfabrik Adolf Jass Schwarza GmbH stellt pro Jahr 480.000 Tonnen Wellpappenrohpapier her.

Geschäftsführer Michael Habeck steht an der Papiermaschine in Schwarza vor einer Rolle Wellpappenrohpapier.

Foto: Heike Enzian

Sie sind bis zu 3,3 Meter breit, bis zu vier Tonnen schwer und haben einen Durchmesser von etwa 1,5 Metern: Die Papierrollen, die eine nach der anderen die Maschine in der Papierfabrik Adolf Jass in Schwarza verlassen und auf dem Band zum Lager transportiert werden. 1500 Meter Papier pro Minute – so viel leistet der hochmoderne Koloss.

Im Industriegebiet in Rudolstadt-Schwarza steht eine der modernsten Papierfabriken Europas. 2005 erfolgte die Inbetriebnahme. Der Entscheidung voraus gingen intensive Verhandlungen zwischen der Eigentümerfamilie, dem Land Thüringen und der Landesentwicklungsgesellschaft.

Schwarza ist der zweite Standort des mittelständischen eigentümergeführten Familienunternehmens Jass mit Wurzeln in Fulda. An den beiden Standorten zusammen werden mehr als eine Million Tonnen Wellpappenrohpapier pro Jahr produziert. Dafür werden rund 6,5 Prozent des Altpapieraufkommens Deutschlands verarbeitet. Mit der Länge der Papierbahn, welche die Maschinen in einem Jahr produziert, kann der Erdball 40 Mal umrundet werden.

Die Papiermaschine in Schwarza gehört zu den besten am Markt. Aus Altpapier entsteht hier in einem hochkomplexen Prozess Wellpappenrohpapier. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. „Der Anstieg des Internethandels und eine insgesamt florierende Wirtschaft spielen dabei eine wichtige Rolle“, sagt Geschäftsführer Michael Habeck. „Zudem rückt der Gedanke der Nachhaltigkeit bei den Endverbrauchern stärker in den Fokus. Daher sind wir mit unseren Produkten gut aufgestellt.“

Das Altpapierlager in Schwarza ist gut bestückt. Erst im vergangenen Jahr wurde der Altpapierlagerplatz erweitert. „Altpapier ist heute ein wertvoller Rohstoff, der weltweit gehandelt wird. Wir haben in Deutschland eine hohe Recyclingquote, das kommt uns zu Gute“, so der Technische Geschäftsführer.

Von Schwarza aus werden Kunden in ganz Europa beliefert. Verwendet wird das Wellpappenrohpapier für Verpackungen vornehmlich im Handel. Umweltverträglichkeit war von Anfang an ein wichtiger Aspekt. „Wir waren sehr innovativ, was die technische Ausrichtung am Standort Schwarza betrifft, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, informiert Michael Habeck. 2015 wurde die Verfahrenstechnik der Papiermaschine optimiert. „Ziel war es, der gestiegenen Nachfrage nach Verpackungspapieren mit niedrigem Flächengewicht nachkommen zu können“, erklärt er. Auch in diesem Jahr steht eine Investition an. „Wir werden die Prozesswasseranlage optimieren, das führt im Ergebnis zu einer deutlichen Entlastung der Kläranlage am Standort“, lässt er wissen. „Es handelt sich um eine bisher einzigartige Installation, zukunftsweisend für das Unternehmen und die Branche“.

Offensive Werbung um den Nachwuchs

Mit 170 Mitarbeitern gehört die Papierfabrik zu den großen Arbeitgebern am Ort. Etwa zwei Drittel der Belegschaft ist vom ersten Tag an dabei. „Ja, wir feiern im kommenden Jahr bereits 15-jähriges Jubiläum“, so Personalleiterin Susanne Janzen. Personalmanagement wird in dem Unternehmen groß geschrieben. „Wir sind bestrebt, möglichst viel Nachwuchs aus den Reihen der eigenen Auszubildenden zu akquirieren. Aber auch Quereinsteiger haben gute Chancen“, sagt sie. Eine, die nach der Ausbildung hier ihre berufliche Zukunft gefunden hat, ist Julia Triemer. Sie lernte zunächst drei Jahre den Beruf der Kauffrau für Spedition und Lagerlogistik. „Ich war von Anfang an fasziniert von der Technik hier“, sagt sie. „Gut war auch, dass das Unternehmen die Kosten für das Internat und die Fahrten zur Berufsschule in Altenburg übernommen hat. Das ist keine Selbstverständlichkeit“, so die 24-Jährige, die inzwischen in verantwortungsvoller Position im Vertrieb arbeitet.

Die Papierfabrik Jass wirbt offensiv um Nachwuchs. Auftritte in Schulen, auf Berufsinfo-Messen oder anderen Plattformen gehören dazu. In den Osterferien bietet die Firma acht Praktikumsplätze zur Berufsorientierung für Schüler ab der achten Klasse an. Inklusive Bewerbungstraining und Elternnachmittag. Die Anstrengungen werden honoriert. Die Zahl der Bewerber für eine Ausbildungsstelle ist hier größer als anderswo. Allerdings: „Eine große Herausforderung ist es, Mitarbeiter für die Schichtarbeit zu finden. Wir freuen uns auf jeden, der sich für unsere Berufe und das Unternehmen begeistern lässt“, so Susanne Janzen.

Als einer der großen Arbeitgeber in der Stadt engagiert sich das Unternehmen auch im sozialen Bereich. So werden Projekte an Kindergärten und Schulen unterstützt. Seit mehreren Jahren ist die Papierfabrik zudem Stückpate für Produktionen des Theaters Rudolstadt.

Das Unternehmen in Ostthüringen

  • Name: Papierfabrik Adolf Jass Schwarza GmbH
  • Standort: Breitscheidstraße 143 in 07407 Rudolstadt, Gewerbegebiet Rudolstadt-Schwarza
  • Geschäftsführer: Dr. Marietta Jass-Teichmann, Michael Habeck
  • Produktionskapazität pro Jahr: 480.000 Tonnen Wellpappenrohpapier
  • Beschäftigte: 170 Mitarbeiter
  • Auszubildende: 13 in insgesamt acht verschiedenen Berufen
  • Produkte: Herstellung von Wellpappenrohpapier vornehmlich für die Verpackungsindustrie
  • Internet: www.jass.de
Zur OTZ-Serie im Internet: www.otz.de/unternehmen-in-ostthueringen

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