Versteckt im Hinterhof: Zweites Geschäft für arabische und asiatische Lebensmittel in der Grietgasse eröffnet

Jena  In der Grietgasse öffnete letzte Woche ein zweiter Laden für internationale Spezialitäten seine Türen – Nachfrage steigt

Samir Hamad im Verkaufsraum des Baladna. Foto: Martin Lücke

Samir Hamad im Verkaufsraum des Baladna. Foto: Martin Lücke

Foto: zgt

"Unsere Heimat", auf Arabisch: "Baladna", so heißt ein neues Geschäft in der Jenaer Innenstadt, das sich hauptsächlich auf den Verkauf von arabischen und türkischen Lebensmitteln spezialisiert. Seit Montag letzter Woche versorgt Samir Hamad hier Kunden mit Produkten, die es in alteingesessenen Jenaer Supermärkten nicht zu kaufen gibt. Der Laden liegt etwas versteckt in einem Hinterhof in der Grietgasse. Man sieht dem Raum an, dass zur Eröffnung nicht alles fertig geworden ist. Die Regale sind zwar voll mit Gläsern voller Oliven, Hülsenfrüchten oder Kartons mit türkischen Süßigkeiten. In einer Ecke wird noch gebaut. "In zehn Tagen, schätze ich, ist auch die Fleischtheke fertig", sagt Hamad, der seit zwei Jahren in Deutschland ist.

Erfolgreich nicht nur mit Nischenprodukten

Er stamme ursprünglich aus Palästina, habe aber vor der Ankunft in Jena 38 Jahre in Damaskus gelebt. Sein 5-jähriger Sohn Ghazi lauscht dem Gespräch seines Vaters mit den Journalisten aufmerksam. Frau und Kind begrüßen Kunden, die den Laden betreten. Es sei seit der Eröffnung nicht allzu voll gewesen. "Wir sind neu hier und auch etwas versteckt im Hinterhof", so Hamad, der allerdings nicht der Chef des "Baladna" ist. Die Eröffnungsangebote mit Olivenöl und Hummus zum guten Preis hätten aber einige Kunden angelockt. Nicht nur Menschen mit arabischen oder türkischen Wurzeln kämen, um für traditionelle Küche passende Zutaten zu kaufen, sondern auch deutsche Kunden. "Da tauscht man dann auch mal ein Kochrezept aus", sagt er schmunzelnd.

"Konkurrenz belebt das Geschäft", sagt Oussama Jrad, der im "Made in Orient" hinter der Kasse steht und sich nicht am neuen Rivalen stört. Kaum eine Gehminute vom "Baladna" entfernt, ebenfalls in der Grietgasse befindet sich das auch auf orientalische Lebensmittel spezialisierte Geschäft – der Platzhirsch in diesem Geschäftsfeld, könnte man sagen. Die Nachfrage nach arabischen Produkten, sei in den letzten Jahren gestiegen. "Klar, das hängt auch mit der Flüchtlingssituation zusammen", sagt Jrad, der aus Tunesien stammt und in Jena Auslandsgermanistik studiert hat. Er fügt an: "Aber unsere Kunden sind nicht nur Syrer – im Gegenteil: Es ist ein Mischmasch von jeder Kultur, wir haben ja auch asiatische Produkte im Angebot." Bestimmte Sachen bekomme man einfach nur hier, unterstreicht er. Der Laden ist voll. Ein Kunde bestätigt: "Besonders die frischen Kräuter. Und nicht zu vergessen: Baklava!" – eine Blätterteig-Süßspeise mit Pistazie. Ein anderer trägt einen Korb Petersilie zur Kasse: "Ich komme seit vier Jahren hierher. Wenn ich einen Salat mache, brauche ich einen Bund Petersilie, wie es sie nur hier gibt." Öl, Kräuter, Fava Bohnen, Hummus, frisches Gemüse – deshalb kämen die Kunden in das "Made in Orient", sagt Jrad: "Und Okra-Schoten, die gibt es wirklich nur hier!" Er zeigt auf die kleinen grünen Fruchtkörper, die aussehen, wie Mini-Zucchini. Mit vielen Kunden, dem breiten Angebot auf kleinem Raum und persönlicher Beratung fühlt sich das "Made in Orient" an, wie die Wiedergeburt des Tante-Emma-Ladens – nur viel internationaler.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.