Wie eine Firma aus Jena Markenherstellern in der Corona-Krise hilft

Jena.  Diese Produkte verkaufen sich während der Corona-Pandemie besonders gut.

Profitiert von der Coronakrise: Mario Melle mit seinem Jenaer Unternehmen Constancy.

Profitiert von der Coronakrise: Mario Melle mit seinem Jenaer Unternehmen Constancy.

Foto: Tino Zippel

Aus seinen Geschäftszahlen kann der Jenaer Unternehmer Mario Melle den Zeitraum der Corona-Krise gut ablesen. Aber nicht wegen eines Ausschlages nach unten, sondern wegen Rekordzahlen. Melle betreibt mit seiner Firma Constancy die Internetshops für zwölf Markenhersteller, überwiegend aus dem Bereich Haushaltsausstattung. Diese Artikel sind besonders gefragt:

Töpfe und Pfannen gingen besonders gut, resümiert Melle. Aber auch Glas, Porzellan oder hochwertige Mülltonnen setzte er in den vergangenen Wochen verstärkt ab. Der Umsatz sei je nach Shop mindestens um die Hälfte höher als sonst in den Frühlingsmonaten gewesen, sagt Melle, der auf ein besonderes Modell setzt. Er übernimmt den kompletten Betrieb eines Onlineshops für Markenhersteller auf eigene Rechnung. Jener muss letztlich nur noch die Ware verpacken und an den Kunden senden – um den Rest kümmert sich das Jenaer Unternehmen mit seinen 15 Mitarbeitern.

Digitalisierung hilft Kahla Porzellan in der Insolvenz

„Die Erfahrung unserer Markenpartner zeigt, dass sie nicht nur die Corona-Krise sehr gut überstanden haben, weil unsere steigenden Onlineumsätze die sinkenden stationären Umsätze kompensiert haben“, sagt Melle. „Sie spüren auch, dass unsere Digitalisierungslösungen ihr Geschäft mit den stationären Händlern in den vergangenen Jahren gestärkt hat und jetzt sogar beflügelt.“

Auf der Referenzliste von Constancy stehen Eisch Glas, der Topfhersteller Schulte-Ufer oder Könitz Porzellan. In verschiedenen Nationen betreibt Melle den Onlineshop für Kahla Porzellan, das sich in einem Insolvenzverfahren befindet. „Der Onlineverkauf geht weiter und bringt wichtige Erlöse, die helfen, eine Zukunftslösung zu finden“, sagt Melle, der gerade wegen der Coronakrise einen weiteren Markenpartner gewonnen hat: Sieger. Das Familienunternehmen stellt Gartenmöbel her. Die Anbahnung und Verhandlung liefen online oder per Videokonferenz. Inzwischen sind die Verträge unterschrieben und die Arbeit an der neuen Internetplattform läuft. „Mitte Juni wollen wir online sein“, sagt Melle.

Aus seiner Sicht profitieren auch Einzelhändler vor Ort von Digitalisierungslösungen, wenn sie sich darauf einlassen. Constancy hat das Modell „The Store“ entwickelt. Händler haben über das Terminal die Möglichkeit, auf Ware zuzugreifen, die sie gar nicht selbst auf Lager haben. „Praktisch wie ein riesiges Regal. Sie können so ihr Sortiment erweitern und müssen weniger Kapital in Lagerware binden“, erläutert Melle. Zugleich bietet diese Plattform den Kunden die Möglichkeit, auch dann bei ihrem Laden vor Ort einzukaufen, wenn er gar nicht geöffnet hat. Melle hofft, dass Händler nach der Krisenerfahrung offener für solche Lösungen werden.