Zukunft für Thüringens Lokführer bleibt ungewiss

Tino Zippel
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Die Regionalbahnen der DB Regio zwischen Pößneck und Jena müssen derzeit wegen Personalmangels ausfallen. Foto: Tino Zippel

Die Regionalbahnen der DB Regio zwischen Pößneck und Jena müssen derzeit wegen Personalmangels ausfallen. Foto: Tino Zippel

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Auch eine Woche vorm Betreiberwechsel im Ostthüringer Dieselnetz hat die scheidende Deutsche Bahn betroffene Mitarbeiter nicht informiert. Die Sozialauswahl stockt genau wie eine Nahverkehrslinie. Das Land streicht nun Geld.

Erfurt. Nicht nur die Fahrgäste von Pößneck nach Jena spüren den nahenden Übergang des Ostthüringer Dieselnetzes von der Deutschen Bahn zur Erfurter Bahn. Auch die Lokführer sind sauer - bis heute weiß keiner von ihnen, wie es nach dem 9. Juni weitergeht.

Schon vor einem Monat hatten sich einige der 90 Saalfelder Triebfahrzeugführer an die OTZ gewandt. Sie bemängelten, keine Gewissheit über ihre Zukunft zu haben. Die Information werde bald erfolgen, hieß es von der Deutschen Bahn. Doch bis heute tappen die Mitarbeiter im Dunklen.

Die DB Regio muss in Thüringen 200 von 750 Stellen abbauen. Nur wenige nutzten die Chance, zur Erfurter Bahn zu wechseln, deren Tarifvertrag anders dotiert ist. Die über die Jahre erworbenen Ansprüche auf Sozialleistungen konnte sie freilich nicht übernehmen. Die Möglichkeit, sich freiwillig in eine andere Region versetzen zu lassen, ergriffen nur wenige DB-Mitarbeiter. Einige junge Kollegen gehen befristet in den Westen, um Ende 2013 zurückzukehren und im Mitteldeutschen S-Bahn-Netz zu fahren.

Folglich muss die Bahn andere Mitarbeiter gegen ihren Willen nach München, Mannheim oder ins Ruhrgebiet versetzen, wo sie Triebfahrzeugführer braucht. "Vor allem älteren Mitarbeitern mit Familie fällt es schwer, diesen Schritt zu gehen", mahnen die Lokführer, die sich von ihrem Arbeitgeber hingehalten fühlen. Die Deutsche Bahn indes weiß bis heute selbst nicht, welche Kollegen betroffen sind.

Die Vereinbarungen zur kollektiven Arbeitszeitverkürzung und zum Interessenausgleich zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat sind erst gestern unterschrieben worden. "Aufgrund der Verzögerung der Unterschriften unter den beiden Vereinbarungen waren wir veranlasst, aktuelle persönliche Sozialauswahlbögen durch die Mitarbeiter erneut ausfüllen zu lassen, um gerichtsfest zu sein", sagte eine Bahnsprecherin. Diese Ausfüllfrist ende erst heute.

Die aktuelle Sozialauswahlliste soll den Angaben zufolge in der nächsten Woche dem Betriebsrat zur Verfügung gestellt werden. Dieser habe 14 Tage Zeit, Einsprüche zu tätigen, welche eine Entscheidungsstelle bearbeitet. "Erst dann - spätestens nach dem 20. Juni - können wir also die Mitarbeiter informieren, ob sie von der Sozialauswahl betroffen sind", sagte die Sprecherin. Es sei "auf keinen Fall Hinhaltepolitik, sondern von den gültigen Fristen abhängig".

Die Lokführer monieren, dass es eine Urlaubssperre gebe, unter anderem für Kollegen, die zur Erfurter Bahn wechseln. "Es gilt der Urlaubsplan, der im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde. Zusätzlicher Urlaub beim Wechsel der Mitarbeiter kann nur im Ausnahmefall gewährt werden", sagte die Sprecherin. Der anteilige Urlaub werde auch ausbezahlt.

Die Lokführer reagieren erbost. Etliche ließen sich aus Wut krankschreiben, bestätigt ein Kenner. Die Bahn streicht ob der Personalengpässe die Zuglinie zwischen Pößneck und Jena. Seit voriger Woche pendeln als Ersatz Busse zwischen Pößneck und Kahla, was deutlich verlängerte Reisezeiten für die Kunden mit sich bringt.

Die DB Regio handelt sich Ärger von der Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen ein, die im Auftrag des Landes den Schienennahverkehr bestellt. "Ein Druckmittel gegenüber der Bahn, zusätzliche Lokführer einzustellen, um die Linie aufrecht zu erhalten, haben wir nicht", sagte Geschäftsführer Volker M. Heepen der OTZ. Aber die NVS kürze der DB Regio die Zuschüsse für die Strecke. Der Ersatzverkehr mit Bussen werde nur anteilig bezahlt.

Ab 10. Juni trägt die Erfurter Bahn die Verantwortung für die Bahnlinien in Ostthüringen. Kurios: Da sie noch nicht genügend Fahrzeuge hat, bucht sie einige Linien vorübergehend von der Deutschen Bahn. Und dann rollen auch wieder rote Züge von Jena nach Pößneck.

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