Zweitgrößte Ost-Genossenschaftsbank: Nächster Schritt für Fusion von Saaletal-Volksbank und Geraer Bank

Gera/Rudolstadt  Die Vertreterversammlung der Geraer Bank hat am Mittwochabend für die Verschmelzung mit der Volksbank Saaletal gestimmt. Die Fusion soll ein Million Euro kosten. Das Gremium der Volksbank muss heute Abend noch nachziehen.

Vorstandsmitglieder Jens Luley, Hendrik Ziegenbein (von links) und Oskar Dieter Epp von der neu fusionierenden Volksbank eG Gera - Jena- Rudolstadt. Archivfoto: Thomas Spanier

Vorstandsmitglieder Jens Luley, Hendrik Ziegenbein (von links) und Oskar Dieter Epp von der neu fusionierenden Volksbank eG Gera - Jena- Rudolstadt. Archivfoto: Thomas Spanier

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Dann dürfte der Fusion der beiden Häuser mit zusammen rund 320 Mitarbeitern und knapp 80 000 Kunden nichts mehr im Weg stehen. Die daraus erwachsende zweitgrößte Genossenschaftsbank Ostdeutschlands soll „Volksbank eG Gera – Jena – Rudolstadt“ heißen. Sie wird eine Bilanzsumme von 1,2 Milliarden Euro ausweisen und über ein Geschäftsgebiet verfügen, das sich über die Stadt Gera, den nördlichen Landkreis Greiz, die Stadt Jena sowie die Kreise Saale-Holzland, Saale-Orla, Saalfeld-Rudolstadt und Sonneberg erstreckt. Schon im neuen Namen, der aus juristischen Gründen nicht das Wort „Ostthüringen“ enthalten durfte, kommt zum Ausdruck, wo das Kreditinstitut die Schwerpunkte seiner Geschäftstätigkeit sieht. „Die Oberzentren Gera und Jena sowie das Mittelzentrum Rudolstadt werden drei Hauptstellen mit Vorstandssitz haben“, bestätigte der Geraer Bank-Vorstand Hendrik Ziegenbein gestern.

Drei Hauptstellen, drei Marktgebiete, drei Vorstandszuständigkeiten: Ziegenbein wird weiterhin in Gera arbeiten und hier den operativen Part übernehmen. Ebenfalls als Vertriebsvorstände werden seine beiden Kollegen von der Volksbank Saaletal agieren – Oskar Dieter Epp in Jena, Willi Obitz in Rudolstadt. Die neue Genossenschaftsbank stellt sich dezentral auf – „mit Vorstandskompetenz vor Ort sowie kurzen Informations- und Entscheidungswegen“, betont der zweite Geraer Bank-Vorstand Jens Luley. Er wird in dem neuen Kreditinstitut die Stabs- und Betriebsbereiche verantworten, ist für die Verwaltungssitze in Gera und Rudolstadt/Kirchhasel zuständig.

Neue Kontonummern und Bankleitzahl

Stimmen die rund 170 Vertreter der Volksbank Saaletal heute Abend im „Meininger Hof“ Saalfeld ebenfalls mit Ja, dann wird als nächstes die Eintragung im Genossenschaftsregister beantragt. Womit die Fusion juristisch vollzogen wäre. „Wir gehen davon aus, dass der Eintrag Ende August, Anfang September durch ist“, denkt Ziegenbein. Im Register wird man Jena als Hauptsitz der neuen Bank finden, Gera und Rudolstadt seien dann als Zweigniederlassungen eingetragen. Das Ganze solle auch ein bisschen ein Ausgleich dafür sein, dass Jena keinen Verwaltungssitz habe, sagt Ziegenbein. Auf die Gewerbesteuerzahlung habe dies aber keinerlei Einfluss, betont er.

Die technischen Voraussetzungen für die Fusion sollen am 19. September geschaffen sein. Für die Kunden bestehe aber kein Grund, schon aktiv zu werden, betont Ziegenbein. Alle Kontoinhaber würden rechtzeitig direkt informiert. Es gebe lange Übergangsfristen, damit bei niemandem Zahlungen abhanden kommen. Ab Anfang September will die Bank mit einer Marketing-Kampagne für zusätzliche Aufklärung sorgen.

Die Kunden der Geraer Bank müssen sich im Zuge der Fusion auf neue Kontonummern, eine neue Bankleitzahl und neue EC-Karten einstellen. Damit Geschäftskunden nicht alle Vordrucke ändern müssen, will die Bank Stempel mit IBAN und BIC ausgeben.

Eine Million Euro kostet die Fusion

Die Fusion beider Banken kostet rund eine Million Euro. Die Kundeneinlagen werden rund 880 Millionen Euro umfassen, das Kundenkreditvolumen zusammen genommen rund 400 Millionen Euro. Betriebsbedingte Kündigungen wird es im Zuge der Fusion nicht geben, erklärte Ziegenbein. „Wir haben mit beiden Betriebsräten einen Interessenausgleich vereinbart.“ Es sei umgekehrt eher so, dass man durch die Fusion „bessere Gestaltungsmöglichkeiten im Personalbereich“ bekommen werde. „Wir werden die Outsourcing-Quote deutlich reduzieren.“ Das bedeutet, Aufgaben, die an Tochtergesellschaften des Genossenschaftsverbandes ausgelagert sind, werden bis auf wenige Ausnahmen wieder zurückgeholt. Zum Beispiel das Beauftragten-Wesen – etwa für die Bereiche Datenschutz, IT-Sicherheit, Geldwäsche. „Das macht uns als Arbeitgeber attraktiver, bietet bessere Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten.“ Auch ein Nachwuchs- und Förderpool für Schlüsselfunktionen soll installiert werden.

Mit der Verschmelzung würden sich auch für die Kunden nur Dinge zum Positiven ändern: „Die künftige Volksbank ist wesentlich leistungsstärker, gerade im Firmenkundenbereich bringt das viele Vorteile mit sich. Zum Beispiel was Kredithöhen, die ausgereicht werden können, betrifft“, sagt Ziegenbein. Weiterhin könne man künftig Spezialisten für bestimmte Kundensegmente vorhalten. Die Neuwahl der Vertreterversammlung ist für das erste Halbjahr 2016 geplant.

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