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Meisterlich verschroben

| Lesedauer: 2 Minuten

Erwartungshaltungen und das schwierige zweite Album. Christian Werner über „Congratulations“ von MGMT.

Alben zum Wiederhören

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Foto: Christian WerneR / TA

Es gibt dieses Youtube-Video, in dem der unterschätzte Musiker Ben Lee mit einer Akustikklampfe durch den Rushcutters Bay Park im australischen Sydney flaniert und „Kids“ von MGMT singt. So sympathisch und niedlich (Hunde kommen auch vor) dieser Clip ist, er offenbart die musikalische Simplizität des Songs, die sich im Original hinter einem unverschämt unwiderstehlichen Arrangement versteckt.

Immerhin war das 2007 veröffentlichte Stück ein Hit, gehört zum Soundtrack seines Jahrzehnts. Wer bei den Anfangstakten mit dem trötenden Keyboard nicht sofort sehnsuchtsvoll an die durchgetanzten Sneaker in der hintersten Ecke des Schuhschranks denkt, scheint die Nullerjahre irgendwie verschlafen zu haben.

Kommerziell schwierig, aber künstlerisch interessant

„Kids“ war nicht der einzige große Wurf für Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser aus ihrem ersten Album als MGMT (vorher nannten sie sich The Management). Der Erfolg kam schnell – und mit ihm kamen die positiven und negativen Begleiterscheinungen. Drei Jahre später stand die Frage nach dem zweiten Album. Das Duo entschied sich für den kommerziell schwierigen, aber künstlerisch deutlich interessanteren Weg: Sie produzierten mit „Congratulations“ keine zweite Hitplatte, sondern ein auf den ersten Blick verschrobenes Werk.

Das Album war eine Abkehr vom synthetisch geprägten Sound, mehr Gitarren, echtes Schlagzeug und Songs ohne Kompromisse. Sie huldigen etwa ungehemmt zwei Idolen. Im „Song für Dan Treacy“ wandeln sie kompositorisch und klanglich auf den schräg-schrammeligen Pfaden der Television Personalities, deren Sänger Treacy ist. Das schlicht „Brian Eno“ betitelte Stück spricht für sich.

Mit „Siberian Breaks“ haben sie gar eine zwölfminütige Suite auf das Album gepackt. Damit nicht genug: Ursprünglich wollte sich das Duo den alten Traum vom Konzeptalbum erfüllen. Keine Singleauskopplung sollte das Durchhören stören. Ökonomisch ein Overkill, bei dem Plattenfirmen in der Regel mehr als nur feuchte Hände bekommen. Am Ende gab es doch vier Singles mit schön-schrägen Videos.

Wer genug Ausdauer besitzt, wird merken, dass MGMT mit „Congratulations“ ihre Begabung für einprägsame Melodien nicht verloren hatten. Sie haben sie nur anders verpackt.

Reinhören!

Wir haben die Playlist zum Krisen-Modus. Hören Sie unsere Auswahl an Songs für die Heimarbeit, zur Kurzweil oder für andere Ablenkungen in Selbstquarantäne.