Schwer verletzt liegengelassen, auf Katzen geschossen: 460 Polizeieinsätze zu Silvester

Für die Rettungskräfte war Silvester - wie erwartet - arbeitsreich: Die Polizei rückte musste zu 458 Einsätzen aus. Die Bilanz für Thüringen aus Sicht der Polizei

Die Silvesternacht hat den Thüringer Rettungskräften zahlreiche Einsätze beschert.

Die Silvesternacht hat den Thüringer Rettungskräften zahlreiche Einsätze beschert.

Foto: Andreas Arnold/dpa (Symbolfoto)

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In der Silvesternacht waren Polizei und Feuerwehr im Freistaat gefordert: Seit Dienstagabend, 17 Uhr, bis in die frühen Mittwochmorgenstunden hatte die Landeseinsatzzentrale insgesamt 430 Notrufe entgegengenommen. Die Beamten mussten zu 458 Einsätzen ausrücken - vorrangig zu Bränden, Körperverletzungs- und Sachbeschädigungsdelikten. Jedoch resümiert die Polizei: „Herausragende Sachverhalte lagen nicht vor.“ Eine Auswahl aus dem Silvestergeschehen:

Nordthüringen: Streitende Männer und randalierende Eheleute

In einem Ilfelder Gasthaus endete schon gegen 17 Uhr eine Auseinandersetzung zwischen zwei Männern mit einer leichten Körperverletzung: Wegen mehrerer Schläge ins Gesicht ließ sich einer der beiden im Krankenhaus behandeln. Etwa zwei Stunden später, gegen 19.15 Uhr, wurde die Polizei in die Straße Am Disselberg in Krimderode gerufen: Eheleute - beide alkoholisiert - lieferten sich daheim eine körperliche Auseinandersetzung. Der Polizei gelang die Schlichtung des Streits.

Laut Rettungsleitstelle wurde lediglich die Nordhäuser Berufsfeuerwehr zu zwei Einsätzen gerufen: um 1.10 Uhr wegen einer brennenden Holzpalette in die Grimmelallee, gegen 23.15 Uhr in die Wallrothstraße, Ecke Hagentor wegen eines brennenden Telekommunikationskastens. Nach Polizeiangaben hatten Unbekannte eine brennende Wunderkerze in einen Spalt geworfen, so dass der Kasten lichterloh brannte. Der Störungsdienst der Telekom kündigte einen Einsatz für den Neujahrstag an.

Nicht Pyrotechnik, sondern stumpfe Gewalt seien die Ursache für entglaste Scheiben eines Blumengeschäfts am Nordhäuser August-Bebel-Platz, teilte die Polizei weiter mit.

Und noch eine Nachricht hatten die Beamten: Vermutlich wegen der Knallerei ist ein schwarze Dackel namens Kurt seinen Besitzern in der Nordhäuser Schumannstraße gegen 20.30 Uhr davongelaufen. Am Neujahrsmorgen war er noch nicht wiederaufgetaucht.

In Sondershausen gab es am Silvesterabend einen größeren Einsatz der Rettungskräfte, weil ein Balkon im Erdgeschoss brannte. Ein Quad unter dem Balkon wurde zerstört. Ein Mitarbeiter eines Pflegedienstes versuchte vor der Polizei, den Brand mit drei Feuerlöschern unter Kontrolle zu bringen. Erst mehreren Feuerwehren gelang es aber, ein Ausbreiten des Feuers zu verhindern. Im Sondershäuser Ortsteil Schernberg wurde ein Zigarettenautomat gesprengt.

Außerdem wurde eine 71-.Jährige in der St.-Veit-Straße in Artern durch einen Böller verletzt, als sie auf einem Balkon stand. Die Ortsschilder von Oldisleben wurden schließlich zwischen dem 30. November, 22 Uhr, und 21. Dezember, 13 Uhr, gestohlen. Die Polizei erbittet Zeugenhinweise an: 03632/6610.

Am frühen Silvesternachmittag alarmierte die Rettungsleitstelle Nordhausen die Freiwillige Feuerwehr Greußen: Gemeldet wurde ein brennender Hochsitz am Warthügel in Greußen. Die Kameraden rückten mit drei Fahrzeugen zur Einsatzstelle aus. Als sie ankamen, brannte der Hochsitz bereits komplett. Nach ersten Ermittlungen geht die Polizei von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Der Eigentümer der Hochsitze beziffert den Schaden mit knapp 3000 Euro.

Mittelthüringen: Polizisten mit Waffe bedroht - Hintern schmerzt - Mann lässt 84-Jährige schwer verletzt zurück

Am Silvesterabend ereignete sich in Bad Berka ein schwerer Unfall, zudem die Polizei nun dringend Zeugen sucht. In einer Kurve kam ein Mann auf die Gegenfahrbahn und überfuhr dabei eine Fußgängerin. Die 84-jährige Frau kam schwer verletzt ins Klinikum. Der Mann, der nach dem Unfall weiter fuhr, wird jetzt dringend gesucht.

In der Kaufstraße in Weimar brannte ein Audi in der Silvesternacht. Ein dahinter stehendes Fahrzeug ebenfalls beschädigt. Es entstand insgesamt ein Schaden von rund 21.000 Euro. Die Polizei ermittelt zur Brandursache. Am Mittwochmorgen suchten in Weimar Einbrecher das Café und Restaurant des Schlosses Belvedere heim und stahlen Spirituosen und Lebensmittel für 5000 Euro. In Weimar-Schöndorf brannte ein Container, weil noch glimmende Pyrotechnik entsorgt wurde. Es entstand ein Schaden von ebenfalls ca. 5000 Euro, weil durch die Hitze die im Containerabstellraum befindliche Fassade beschädigt wurde. Mit 1,35 Promille fuhr am Neujahrsmorgen eine 19-Jährige mit ihrem Opel auf der B7 aus Tröbsdorf kommend in Höhe des „Überfliegers“ statt in eine Kurve geradeaus und stieß mit einer Ampel zusammen. Das Straßenbauamt repariert die Ampelanlage.

Audi brennt in Weimarer Innenstadt komplett ab

In Erfurt brüllte ein Mann zunächst verfassungsfeindliche Parolen. Als Polizisten ihn ansprachen und zur Mäßigung aufforderten, richtete der stark Betrunkene eine Waffe auf sie. Trotz 21 kleinerer Brände spricht die Erfurter Feuerwehr zudem von einer relativ ruhigen Nacht.

Millionenschaden: Brand vernichtet Druckerei in Erfurt

Ein 14-Jähriger verletzte sich in Apolda am 31. Dezember gegen 17 Uhr durch Pyrotechnik an der Hand. Am Rewe-Markt in der Straße des Friedens trafen Polizisten den Verletzte an. Da befand sich der Junge schon in ärztlicher Behandlung. Er kam zur weiteren Behandlung in das Krankenhaus in Apolda. Nach Zeugenaussage zündete der Verletzte eine Silvesterrakete mit zu kurzer Zündschnur. Die restlichen Feuerwerkskörper des Verletzten wurden sichergestellt und der Mutter übergeben.

Am Neujahrstag gegen 02:30 Uhr kam es zu einer Auseinandersetzung in Apolda in der Bahnhofstraße. Ein liiertes Paar befand sich auf dem Heimweg. Beide waren auf einer Party und hatten getrunken. Auf dem Weg zur Wohnanschrift trat der 41 Jährige der 30 Jahre alten Frau laut Polizei in den Hintern, so dass sie Schmerzen erlitt.

Acht kleinere Brände gab es in der Silvesternacht in Mühlhausen und Bad Langensalza. Die Einzelheiten lesen Sie hier.

Ostthüringen: Heiße Hausfassade, durch Böller verletzt, Möbel in Brand geschossen

Kurz nach Mitternacht wurde die Feuerwehr über eine brennende Hausfassade im Langen Weg in Bad Lobenstein informiert. „Der Brand war möglicherweise durch Silvesterfeuerwerk in einem Carport entstanden“, beschreibt Einsatzleiter Denny Franz die Situation. „Von dort hat sich das Feuer unter die Fassade gefressen.“ Die gesamte Schieferfassade war heiß, wie Messungen mit der Wärmebildkamera ergaben. Zudem verdampfte sofort das Löschwasser auf dem Schiefer. „Wir werden die Fassade großflächig entfernen müssen und uns vorarbeiten, bis das Holz der Verschalung nicht mehr schwelt“, beschrieb Denny Franz die weitere Vorgehensweise.

Zur gleichen Zeit gab es noch einen Mülleimerbrand in der Rosa-Luxemburg-Straße. Das Ablöschen dieses Müllbehälters, offenbar auch durch Feuerwerkskörper entfacht, übernahmen die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Helmsgrün.

Ansonsten war die Silvesternacht im Saale-Orla-Kreis weitgehend ruhig verlaufen, wie die Polizei gegen 1.30 Uhr einschätzte. In Schleiz gab es einen Zwischenfall mit einem Böller. Durch unsachgemäße Handhabung erlitt ein 15-Jähriger Verletzungen. Zu dem Unfallhergang laufen polizeiliche Ermittlungen.

Altkleider-Container brennt in Pößneck. Am 31. Dezember gegen rückte die Feuerwehr wegen des Brandes eines Containers für Altkleider auf dem Parkplatz des Netto-Marktes in Pößneck aus. Ein Unbekannter hatte vermutlich ein Feuerwerkskörper hineingeworfen, wodurch der Inhalt in Brand geriet. Die Feuerwehr löschte den Brand. Es entstand ein Sachschaden von ca. 500 Euro am Container. Hinweise zum Verursacher werden unter 03663/4310 gesucht.

Einen brennenden Balkon und ein brennendes Dach meldet die Polizei aus Gera und Saara im Kreis Greiz. Zudem wurde in Gera ein Mann wohl niedergeschlagen und beraubt.

In Jena musste die Feuerwehr zu einem brennenden Balkon ausrücken. Außerdem warfen Unbekannte Böller unter Autos. Ein Autofahrer konnte daraufhin einen Unfall gerade noch einmal verhindern. Mehrere alkoholbedingte Körperverletzungen meldet die Polizei außerdem.

In Saalfeld-Rudolstadt gab es drei größere Brände. In Saalfeld brannte der Schuppen eines Eigenheimes samt einer Sauna nieder. Die Feuerwehr Saalfeld war bis weit nach Mitternacht vor. Zuvor musste die Feuerwehr zu einem brennenden Altkleidersammelcontainer ausrücken In Königsee kam es zu einem Dachstuhlbrand in einem leerstehenden Haus. In Kaulsdorf geriet ein Pkw in Brand. Dabei wurde auch das angrenzende Einfamilienhaus beschädigt. Bei allen Bränden entstand ein Gesamtschaden von rund 80.000 Euro. „Trotz alledem hielten sich die polizeilichen Einsätze in Grenzen“, heißt es bei der Polizei. Weitere Einzelheiten zu den Einsätzen lesen Sie hier.

Auch im Altenburger Land gab es mehrere Einsätze der Rettungskräfte: Am Silvestertag gegen 11:40 Uhr steckten Unbekannte ein Möbelstück in einem verlassenen Bauwagen in einer Gartenanlage in der August-Bebel-Straße in Altenburg in Brand. Die Berufsfeuerwehr Altenburg löschte den Brand. Es entstand geringer Schaden. Jugendliche im Alter von 15, 14 und 13 Jahren zündeten dann gegen 21:40 Uhr in der Albert-Levy-Straße in Altenburg Feuerwerksraketen, wobei eine Rakete in einem Balkon eines Mehrfamilienhauses im fünften Obergeschoss zündete. Möbel gerieten in Brand, so dass die Berufsfeuerwehr ausrückte und den Brand löschte. Es entstand ebenfalls geringer Schaden. In der Runkwitzstraße in Altenburg setzten Unbekannte schließlich in der Silvesternacht gegen 2.25 Uhr einen Kleidercontainer in Brand. Der Container wurde samt Inhalt komplett zerstört.

In Altkirchen beschädigten außerdem Unbekannte im Gnadschützer Ring in der Silvesternacht einen Zigarettenautomaten und entwendeten Zigaretten und Bargeld in noch unbekannter Höhe.

Westthüringen: Zwei Brände in Silvesternacht - Auf Katzen geschossen

Zu zwei Bränden kam es in der Nacht in Bad Salzungen im Wartburg-Kreis. Gegen 22:30 Uhr brannte in der Martin-Luther-Straße ein Container für Altpapier vollständig nieder. Gegen 1:15 Uhr brannte dann in der Clara-Zetkin-Straße die Holzverkleidung eines Balkons. In beiden Fällen kam die Feuerwehr zum Einsatz. Es entstand Sachschaden.

Unbekannte haben Mittwochmorgen einen Briefkasten in Jesuborn zerstört - der einzige Briefkasten im Ortsteil. Personen, die sachdienliche Hinweise zu den Tätern geben können, werden gebeten, sich bei der Polizeiinspektion Arnstadt-Ilmenau unter der Telefonnummer 03677/6010 zu melden.

Zwei Katzen sind im Wiesenweg in Günthersleben im Kreis Gotha von Unbekannten beschossen und dadurch verletzt worden. Einem Tier musste ein Diabolo-Projektil entfernt werden.

Splitter eines mit Hilfe von Böllern gesprengten Briefkastens beschädigten in Bad Tabarz im Kreis Gotha zu Silvester zwischen 23.30 Uhr und 0.45 Uhr einen daneben geparkten Ford und einen Kia.

Aus noch nicht geklärter Ursache hat am frühen Mittwochmorgen im Wiesenweg in Eschenbergen (Landkreis Gotha) ein Auto gebrannt. Das Fahrzeug war unter einem Carport abgestellt, der ebenfalls niederbrannte. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf ein angrenzendes Wohnhaus verhindern. Der entstandene Sachschaden wird auf 10.000 Euro geschätzt. Die Kriminalpolizei Gotha hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen.

In Gotha machte ein 37-Jähriger nachhaltig auf sich aufmerksam. Der Mann warf Gegenstände seiner Dachgeschosswohnung auf den Innenhof. Die Beamten stellten bei dem Mann 2,81 Promille fest sowie in dessen Wohnung teils selbst angebauten Cannabisprodukte. Nachdem Drogen samt Zubehör beschlagnahmt wurden, gab es Anzeigen für den Gothaer.

Südthüringen: Mit Flasche auf Kopf geschlagen - Mit Feuerlöscher bedroht

Am Neujahrstag gegen 0.30 Uhr gerieten während des Feuerwerks in Ruppertstal in Zella-Mehlis vor dem Haus zwei Männer aneinander. Diese Auseinandersetzung endete damit, dass ein 39-Jähriger dem 37 jährigen Opfer mit einer Flasche auf den Kopf schlug. Der 37-Jährige erlitt eine Platzwunde am Kopf und musste ins Klinikum Suhl gebracht werden.

Der erste Einsatz des neuen Jahres führte die Polizei Hildburghausen nach Masserberg. Um 2.17 Uhr meldete das Personal einer Klinik in Masserberg einen Patienten, der mit einem Feuerlöscher das Personal bedroht. Die Beamten stellten vor Ort einen 28-Jährigen fest, der den Inhalt eines Feuerlöschers in einem Zimmer der Klinik entleert hatte. Da sprachliche Barrieren - der Mann ist polnischer Bürger - vorlagen und der junge Mann stark betrunken war, wurde er zur Unterbindung weiterer Straftaten in Gewahrsam genommen.

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