Halbjahreszeugnis für den FC Carl Zeiss Jena: Nur Coppens sticht heraus

Jena.  Es besteht Versetzungsgefahr – so fällt das Halbjahreszeugnis für die Drittliga-Fußballer des FC Carl Zeiss Jena in der Einzeleinschätzung aus.

Nicht nur die Nummer eins im Tor, sondern auch im Halbjahreszeugnis: Jo Coppens.

Nicht nur die Nummer eins im Tor, sondern auch im Halbjahreszeugnis: Jo Coppens.

Foto: Sascha Fromm

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Das Winterfazit des FC Carl Zeiss Jena fällt in dieser Saison negativ aus. Das spiegelt sich auch im Notenschnitt der Fußballer des Tabellenletzten der dritten Liga wider. Mit Torwart Jo Coppens schafft es nur ein Spieler, sich eine Zwei vor dem Komma zu erarbeiten.

Grundlage für die Bewertung sind die Noten, die unsere Reporter an den Spieltagen allen jenen Akteuren vergeben, die mindestens 20 Minuten spielen. Dabei orientieren sich die Einschätzungen an den Schulnoten, wobei die Note 3 eine durchschnittliche Leistung beschreibt. Alle Spieler, die mindestens neun Spieltagszensuren gesammelt haben, finden sich in unserer Übersicht wieder.

Torwart

Jo Coppens ist die Konstante im Spiel der Thüringer. Er agierte trotz der vielen Niederlagen sehr konstant, verhinderte oft höhere Pleiten. Seine Stärke liegt in den Reflexen auf der Linie, vor allem aber in 1:1-Duellen gegen Stürmer. Allerdings bleibt auch er nicht fehlerlos: Oft klebt er bei Standards der Gegner auf der Linie, statt den Ball im Strafraum aktiv zu erobern. Er könnte seinen Vorderleuten in diesen Situationen mehr helfen.

Coppens verletzte sich in Großaspach. Ersatzmann Flemming Niemann, vor der Saison von der zweiten Mannschaft des FC Augsburg nach Jena gewechselt, zeigte beim Sieg gegen Aspach eine gute Leistung. Beim ersten Spiel von Beginn an in Ingolstadt patzte er jedoch entscheidend.

Abwehr

Die beste Gesamtnote sammelt Verteidiger Dominic Volkmer, den die Jenaer im August vom Zweitligisten SSV Jahn Regensburg gekauft haben, mit einer 3,17. Er profitiert bei der Durchschnittsnote auch davon, dass er eine Reihe von Niederlagen verpasst hat. Der Kapitän geht voran, hat aber noch nicht zur Stärke wie in der vergangenen Spielzeit gefunden.

Das mag auch daran liegen, dass er in einem Teil der Partien mit lädierter Schulter aufgelaufen ist. Nico Hammann spielte unter Trainer Rico Schmitt mit in der Innenverteidigung. Viele hatten nach seinem Wechsel aus Magdeburg erwartet, dass er das Zepter an sich reißt und vorangeht. Allerdings ist Hammann ein eher ruhiger Spieler, dessen große Stärke, das Schlagen guter Standards, zu selten aufblitzt.

Manuel Maranda als dritter Innendecker hat seine Form noch nicht gefunden. Zu oft trägt er die Mitschuld an Gegentoren. Sein Offensivspiel muss er verbessern.

Marius Grösch fiel verletzt aus – zuvor blieb er von der Leistungsstärke der vergangenen Saison weit entfernt. Marian Sarr, aus Aalen gekommen, enttäuschte, bevor er sich in einem Spiel für die zweite Mannschaft verletzte.

Bei den Außenverteidigern kommt Dominik Bock auf den besten Schnitt knapp vor Raphael Obermair, der eine bessere Note durch seine Abschlussschwäche vergab.

Trifft er noch ab und an das Tor, ist zum Saisonende ein Platz auf dem Siegertreppchen möglich. Tim Kircher hat sich gut entwickelt. Wirkte die Leihgabe des Karlsruher SC anfangs überfordert, kam er zuletzt besser ins Spiel. Patrick Schorr, von Aalen nach Jena gewechselt, brachte es nur auf drei Einsätze über 20 Minuten. Der Linksaußen ist zu verletzungsanfällig. In Mannschaftskreisen wird ihm eine gewisse Wehleidigkeit nachgesagt.

Mittelfeld

Im defensiven Mittelfeld hat sich Justin Schau fest etabliert. Der Jenenser erobert sich mit einem Schnitt von 3,23 den dritten Platz im Ranking. Er verteidigt stets fleißig und spielte in Chemnitz trotz eines Gesichtsbruches durch. Potenzial liegt noch im Aufbauspiel – zu oft sucht er den sicheren Weg durch den Rückpass. Auch vorm Tor war er trotz aussichtsreicher Schusspositionen zu harmlos.

Der andere Jenenser im Team, René Eckardt, hat zwar das erste Saisontor erzielt. Allerdings bleibt der inzwischen abgesetzte Kapitän deutlich hinter jenen Leistungen aus den vergangenen Jahren zurück. Mit Verletzungspech kämpft Maximilian Rohr, den Jena aus der Oberliga geholt hat.

Er spielte als Sechser, aber auch als Innenverteidiger oder Stürmer. In den Partien zeigte er durchaus, dass der Sprung zwei Ligen nach oben nicht zu groß war. Nach seiner Schulterverletzung will er im Januar wieder angreifen – bleibt er auf dem Boden, kann er sich zum Leistungsträger entwickeln.

Jener war Jannis Kübler, der beste Passspieler der Jenaer, vor seiner Verletzung an Schulter und Knie. Er wird fortan wie Eroll Zejnullahu (Leistenoperation) wieder zur Alternative.

Ole Käuper entwickelt sich zum Dreh- und Angelpunkt des Jenaer Spiels. Der Leihspieler des SV Werder Bremen kam in konditionell schwachem Zustand nach Jena. Die Kraft fehlte in den ersten Saisonspielen – und zum Teil auch der Wille, mit nach hinten zu arbeiten. Inzwischen grätscht Käuper und dirigiert: Jena hat bislang nur gewonnen, wenn er getroffen hat.

Angriff

Julian Günther-Schmidt sichert sich mit der Durchschnittsnote von 3,31 die beste Bewertung im Angriff, doch wie seine Kollegen vergibt er zu viele Großchancen. Kilian Pagliuca hat sich unter Rico Schmitt als Stammspieler etabliert.

Daniele Gabriele und Anton Donkor zeigten in Ansätzen, dass sie helfen können. Meris Skenderovic, die Leihgabe von Bundesligist TSG Hoffenheim, kommt auf den schwächsten Schnitt. Seine Auftritte wirken verkrampft – den Sprung vom Junioren- in den Männerfußball hat er auch in Jena noch nicht geschafft. Eigengewächs Niklas Jahn wusste besser zu gefallen.

Fazit

Die meisten Spieler haben viel Potenzial nach oben. Im Grunde muss jeder im FCC-Kader seine Leistung schon im ersten Spiel gegen Preußen Münster verbessern und auf konstant hohem Niveau halten, wenn das Wunder Klassenerhalt noch gelingen soll.

Zeugnis:

  • Jo Coppens 2,74
  • Dominic Volkmer 3,17
  • Justin Schau 3,23
  • Dominik Bock 3,25
  • Julian Günther-Schmidt 3,31
  • Raphael Obermair 3,35
  • Tim Kircher 3,36
  • Kilian Pagliuca 3,41
  • Nico Hammann 3,43
  • Ole Käuper 3,50
  • Maximilian Rohr 3,50
  • Manuel Maranda 3,54
  • René Eckardt 3,73
  • Daniele Gabriele 3,75
  • Anton Donkor 3,75
  • Meris Skenderovic 4,00
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