Saalfeld-Rudolstadt mit höchster Inzidenz in Deutschland – Ramelow macht "gewisse Sorglosigkeit" verantwortlich

Erfurt/Jena.  Auf diesen Rekord als einsamer Spitzenreiter in Deutschland hätte man in Saalfeld-Rudolstadt gerne verzichtet. Laut Ramelow bekommt man nun die Quittung für die Feiertage.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat sich mit drastischen Worten gegen Forderungen nach Lockerungen in der Corona-Pandemie ausgesprochen. "Wir müssen einfach der Tatsache ins Auge sehen, dass das Virus jetzt erst anfängt, richtig Fahrt aufzunehmen", sagte der Linke-Politiker.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat sich mit drastischen Worten gegen Forderungen nach Lockerungen in der Corona-Pandemie ausgesprochen. "Wir müssen einfach der Tatsache ins Auge sehen, dass das Virus jetzt erst anfängt, richtig Fahrt aufzunehmen", sagte der Linke-Politiker.

Foto: Michael Reichel/dpa

Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt führt derzeit mit einer Inzidenz von über 600 die bundesweite Infektionsstatistik an. Gegenüber dem Vortag kamen 116 Infektionen dazu. Mit den Landkreisen Altenburger Land (473), Hildburghausen (454), Saale-Orla (449) und Unstrut-Hainich (414) rangieren vier weitere Regionen in den bundesweiten Top 10 der meisten Ansteckungen. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Thüringen ist jetzt das Bundesland mit dem höchsten Sieben-Tage-Wert. Aus Altenburg hieß es am Mittwoch, bis auf ein Pflegeheim seien örtlich keine neuen Häufungen erkennbar. Hildburghausen und Altenburg verschärften den Lockdown, Saalfeld-Rudolstadt will die nächste Woche abwarten. Der Landtag will kommende Woche über die Lockdown-Regeln beraten.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) macht auch eine "gewisse Sorglosigkeit" der Menschen im ländlichen Raum dafür verantwortlich, dass die Inzidenzwerte dort hoch sind. "Auf dem Land war das ganze Jahr über so gut wie nichts los, viele kehrten zu alten Umgangsformen zurück", sagte Ramelow in Weimar bei der Inbetriebnahme von landesweit 14 Corona-Impfstellen. Zudem bekomme man die Quittung für die Feiertage, an denen sich viele in privatem Rahmen angesteckt hätten.

Der Jenaer Infektiologe Mathias Pletz verweist auf Unterschiede in der Sozial- und Vereinskultur. "Menschen auf dem Land wachsen gemeinsam auf, kennen sich, feiern mehr und öfter miteinander, während Städter eher mal sozial isoliert leben", sagte Pletz. Kämen Menschen zusammen, die sich vertrauen und deshalb die Corona-Regeln nicht so streng einhalten, sei die Ansteckungsgefahr da. Die Inzidenz in einigen Regionen sei inzwischen aber so hoch, dass der Nachbar, Sportkollege oder Vereinskamerad betroffen sein kann, ohne dass man es ihm ansieht.

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