Keine Dusche und kein Hofgang

Erfurt.  Nach Corona-Infektionen hinter Gittern gelten in Untermaßfeld drastische Einschränkungen. Eine weitere Ärztin soll infiziert sein

Die alten Mauern des Gefängnisses in Untermaßfeld bieten Gefangenen nicht die Möglichkeiten wie moderne Haftanstalten.

Die alten Mauern des Gefängnisses in Untermaßfeld bieten Gefangenen nicht die Möglichkeiten wie moderne Haftanstalten.

Foto: Marco Kneise

Harte Tage könnten einem Teil der Strafgefangenen im Gefängnis Untermaßfeld (Kreis Schmalkalden-Meiningen) bevorstehen. Nachdem sich drei Inhaftierte und ein Bediensteter offenbar beim Anstaltsarzt mit dem Corona-Virus infiziert haben, gelten für viele der Häftlinge Einschränkungen.

Dies bedeutet vorerst für die Betroffenen, dass sie sich in ihren Zellen aufhalten müssen, um keinen Kontakt zu Mitgefangenen zu haben. Gestrichen ist vorerst für zwei Wochen auch das Duschen. Das Gesundheitsamt des Landkreises habe die Gemeinschaftsduschen als einen möglichen Infektionsherd ausgemacht, bestätigte am Freitag ein Sprecher des Justizministeriums diese Einschränkung.

Gefangene beklagten, dass ihnen damit nur kaltes Wasser sowie ein Waschlappen pro Woche für die Körperpflege zur Verfügung stehe. Das Ministerium räumte ein, dass es in den Hafträumen derzeit nur kaltes Wasser gebe. Es werde aber an einer Lösung gearbeitet, heißt es. So soll der Einsatz von Wasserkochern geprüft werden.

Wegen des Alters der Haftanstalt, das Gefängnis feierte 2013 sein 200-jähriges Bestehen, entsprechen die Bedingungen in Untermaßfeld trotz umfangreicher Sanierungsarbeiten nicht denen moderner Haftanstalten. Vor anderthalb Wochen war bekannt geworden, dass sich der Anstaltsarzt mit dem Corona-Virus infiziert hatte. Während zweier Sprechstunden könnte er das Virus im Gefängnis übertragen haben. Ein erster Test von Gefangenen und Bediensteten verlief negativ. Am Mittwoch teilte das Justizministerium dann mit, dass ein erneuter Test bei drei Inhaftierten und einem Bediensteten positiv ausgefallen sei. Die drei Gefangenen und eine weitere Kontaktperson unter den Häftlingen wurden isoliert.

Der Hinweis der Gefangenengewerkschaft, dass sich auch die Ärztin, die stellvertretend die Sprechstunden im Gefängnis übernommen hatte, infiziert haben soll, trifft nicht zu. Sie sei nicht erkrankt, sagte die Ärztin dieser Zeitung. Das Gefängnis hat vorerst Maßnahmen wie Arbeit, Berufsausbildung, Aufenthalt im Freien und den Aufschluss für Inhaftierte ausgesetzt. Ausnahmen bilden derzeit nur Versorgungsbetriebe wie die Küche, die Kammer und die Wäscherei.