Erfurt. Nach vielen Anfeindungen und Lieferengpässen ist die Moschee bei Marbach fast vollendet. Das Minarett überrascht die Kritiker in einem Detail.

Der erste Moschee-Neubau der neuen Bundesländer außerhalb Berlins hat seit Donnerstagmittag ein Minarett. Wenn der geplante weiße Anstrich für den Turm des Gotteshauses in Marbach getrocknet und das Gerüst abgebaut sein wird, ist die Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde fertig. Zumindest von außen.

Minarett finalisiert einen großen Teil des Bauprojekts

Neben der silbernen Kuppel steht nun das weiße Minarett.
Neben der silbernen Kuppel steht nun das weiße Minarett. © Marco Schmidt

Bisher hatte lediglich die silberne Kuppel auf das mit Problemen behafteten Großprojekt hingewiesen. Mit dem acht Meter messenden Zierminarett ist das Bild nun komplett. Ein Blick in die Innenräume der Moschee am Rande der Stadt zeigt deutlich, dass der „Betrieb“ hier bald losgehen kann. Die Wände sind fertig gestrichen, Wasserleitungen verputzt und dekorative Kacheln angebracht. Nach einem Rundum-Putz bleibt damit nur noch die Bodenfläche vor der Moschee, der von einer Erd- in eine asphaltierte Fläche umgewandelt werden muss. „Im Herbst wolle wir hier aktiv einziehen“, sagt Suleman Malik.

Der Sprecher der Gemeinde, der seit fünf Jahren Bauzeit viele Rückschläge wegstecken musste, ist sichtlich glücklich, als der Kran die Teile des Minaretts aufhebt und die zwei Arbeiter sie sorgfältig verputzen und mit der Wasserwaage prüfen, dass alles seine Richtigkeit hat. Damit ist der wohl härteste Kritikpunkt der unter Erfurtern und Marbachern immernoch umstrittenen Moschee in nur anderthalb Stunden fertig aufgebaut und setzt damit eine finale Marke im langen Werdensprozess des muslimischen Gotteshauses.

Lieferengpässe, keine Handwerker und Anfeindungen

Zwei Arbeiter waren maßgeblich an der korrekten Ausrichtung und stabilen Aufbringunge der Teile beschäftigt.
Zwei Arbeiter waren maßgeblich an der korrekten Ausrichtung und stabilen Aufbringunge der Teile beschäftigt. © Marco Schmidt

Wie schwer es abseits von Lieferengpässen und schwer zu bekommenden Handwerkern war, unterstreicht auch die Tatsache, dass die Baufirma, die am Donnerstag beim Aufbau beteiligt war, aus Angst vor Anfeindungen nicht genannt werden möchte. Das lässt nur erahnen, wie es den Gemeindemitgliedern der Ahmadiyya gehen muss, die Androhungen von Gewalt und Attacken mit Schweineblut in direktester Weise ausgesetzt waren und sind.

Gesamt-Ensemble fügt sich unaufdringlich in die Landschaft am Rand der Stadt

Blickt man von der Straßenseite auf das Moschee-Gelände, wird man bemerken, wie verhältnismäßig niedrig das Minarett ist, von dem aus nicht durch einen echten Menschen sondern durch Lautsprecher zum Gebet gerufen wird. Unauffällig fügt es sich ins Ensemble ein und steht neben dem dreifach höheren Turm der nahen Rettungswache in so bescheidene Art auf der Gemeindefläche, dass die zu Beginn des Baus lauten Kritiker nun wenig Anlass für Aufdringlichkeits-Vorwürfe haben dürften.

Bis zu 200 Menschen sollen Platz in der Moschee finden

Insgesamt wurden 800.000 Euro für den Neubau veranschlagt. Neben einem Gründach sind auch Solarzellen geplant, die das Gebäude mit Strom versorgen.

„Am 1. Mai haben wir einen Tag der offenen Moschee geplant“, sagt Malik, der „sein“ Haus dann erstmals in voller Innenausstattung der Öffentlichkeit präsentieren möchte. 120 Menschen sollen im Gebetsraum, der nach Mekka zeigt, ihren Platz haben, an hohen Feiertagen auch bis zu 200. Aktuell noch treffen sich die Gemeindemitglieder privat und in angemieteten Räumen, kommen aber auch zusammen, um sich in der Ukraine- und Flüchtlingshilfe zu engagieren.