23 Kassetten voller Entdeckungen

Erfurt.  Einen besonderer Schatz gehoben wurde für die neue Ausstellung im Angermuseum: Kunst um 1800 wird Kunstinteressierte wie Historiker faszinieren.

Ein Besucher der Ausstellung „Aufmunterung zur Kunst“ mit Werken von Bartholomäus Bellermann und Heinrich Dornheim im Angermuseum Erfurt schaut sich ein Bild zur Napoleonshöhe an.

Ein Besucher der Ausstellung „Aufmunterung zur Kunst“ mit Werken von Bartholomäus Bellermann und Heinrich Dornheim im Angermuseum Erfurt schaut sich ein Bild zur Napoleonshöhe an.

Foto: Frank Karmeyer

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Welch ein Schatz in 23 Kassetten unterschiedlicher Größe im der Grafiksammlung des Angermuseums schlummerte, kann von Samstag an im Angermuseum betrachtet werden. Dass dieser für die Ausstellung „Aufmunterung zur Kunst“ gehoben wurde und nun der Öffentlichkeit gezeigt werden kann, ist gleich mehreren Glücksumständen zu danken. Einer davon ist Kunsthistorikerin Carla Fandrey, die sich im Angermuseum – im Ehrenamt! – mit dem Konvolut befasst und Erstaunliches zutage gefördert hat. Vier Jahre Arbeit stecken in der Ausstellung, die sie mit Kuratorin Cornelia Nowak schließlich konzipiert hat. Ab Samstag werden damit Freunde der Kunst ebenso auf ihre Kosten kommen wie Heimathistoriker, denen die Augen übergehen dürften beim Blick etwa auf Erfurt-Ansichten mit vollständiger Petersbergkirche oder Ausflügen ins Umland.

Wer den großen Ausstellungsraum in der zweiten Etage des Angermuseums betritt, wird zunächst von einem gewichtigen Porträt des Kurmainzischen Statthalters Carl Theodor von Dalberg empfangen. Der an Kunst und Kultur interessierte Feingeist war ein Förderer der Kunst – auch des Kaufmanns, Künstlers und Galeristen Bartholomäus Bellermann. Der geriet als Maler von Landschaftsbildern und Wetterphänomenen bis heute in Vergessenheit. Anders als sein Zeitgenosse Heinrich Dornheim, der als Maler in der Erinnerung blieb. Beiden ist die Ausstellung gewidmet. Untertitel „Kunst in Erfurt um 1800“.

Für Kai Uwe Schierz, Direktor der Erfurter Kunstmuseen, ist die Ausstellung eine Einladung zur Entdeckung der schauwürdigen Heimat und des Umlandes von 1800. Aber noch mehr darüber hinaus. 700 Werke Dornheims hat das Kuratoren-Team schließlich unter die Lupe genommen, fotografiert und katalogisiert, ehe es an die Ausstellung ging. Ein Seminar zusammen mit der Uni Erfurt brachte dabei einige neue Informationen ans Licht. Und es wurde dabei festgestellt, dass manches Dornheim als malendem Erfurt-Chronisten zugeschriebene Werk von Bellermann stammte.

Ausgebreitet wird nun ein ganzer Kosmos an Kunst um 1800, über Bilder, aber auch zu Förderern, Sammlern und bis zu Kunstschullehrern. Unter den gezeigten Werken findet sich ein Bild der Drei Gleichen, das bisher im Grafikkabinett des Museums mehr oder weniger im Wege stand und nun seinen Platz in der Ausstellung gefunden hat. Oder zwei Ansichten des Erfurter Umlandes, die von Erfurt nach Paris gelangten: Ein Hamburger Kunsthändler hatte sie in Paris ersteigert. Seine Anfrage an den Museumsverband, um welche Gegend es sich auf dem Bild handeln könnte, landete schließlich in Erfurt, die hervorragend erhaltenen Blätter wurden erworben und fügen sich als „toller Schatz“, so Schierz, in die Ausstellung ein.

Zur Ausstellung ist im Mitteldeutschen Verlag ein Buch erschienen, das auf rund 240 Seiten Kunst- wie Geschichtsinteressierte ansprechen wird und Bellermann und Dornheim die angemessene Aufmerksamkeit verschaffen. Gleichwohl dürfte es noch interessanter sein, Cornelia Nowak und Carla Fandrey zu lauschen, wenn sie bei Vorträgen und Ausstellungsführungen zu vielen der ausgestellten Bilder, Skizzen und Dokumente aus einem großen Fundus an Forschungsergebnissen schöpfen und manche Anekdote beizusteuern wissen.

„Aufmunterung zur Kunst“: Angermuseum Erfurt, 17. November 2019 bis 2. Februar 2020, Eröffnung am Sonnabend, 16. November, um 16 Uhr

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