Ausstellung erzählt vom Alltag in der Weimarer Zeit

Weimar  Nach der Instandsetzung der einstigen Kunsthalle in Weimar beginnt nun der Innenausbau. Das neue Haus der Republik wird am 31. Juli eröffnet.

Kurator Andreas Feddersen präsentiert Stummfilme der Weimarer Zeit, die vertont wurden.

Foto: H. Müller

Auf den ersten Blick hat sich in der einstigen Kunsthalle am Theaterplatz wenig verändert. Der Denkmalschutz ließ nur die aufwendige Instandsetzung des um 1820 als Wagenremise errichteten und in den 1950er-Jahren zur Ausstellungshalle umgebauten Gebäudes zu. Neu ist die Verglasung des beeindruckenden Oberlichtes.

Mit dem Einzug der Ausstellung für das Haus der Weimarer Republik bekommt der Bau jetzt allerdings ein völlig neues Innenleben. Fotos, Filme und etwa 250 historische Exponate, darunter frühe Elektrogeräte zur Erinnerung an den Beginn der Elektrifizierung, sollen die Zeit der Weimarer Republik von 1918/19 bis 1933 lebendig werden lassen. „Der Ort könnte nicht besser gewählt sein. Das Museum für die erste deutsche Demokratie entsteht direkt gegenüber vom Deutschen Nationaltheater, wo 1919 die Nationalversammlung tagte“, sagte Stephan Zänker vom Verein Weimarer Republik gestern. Seit 2013 rückt der Verein die Weimarer Republik stärker ins öffentliche Bewusstsein der Stadt und versteht sich dabei auch als Teil der Bemühungen um die Weimarer Moderne.

Kuratiert wird die Ausstellung von Andreas Feddersen. Herzstück werde ein neun Meter langer Zeitstrahl in der Saalmitte, der neben den Ereignissen auch kulturelle, wirtschaftliche, politische und außenpolitische Verbindungen darstellen soll. Entlang der Saalwände finden sich dazu in einem neuartigen Regal- und Vitrinensystem ausführlichen Präsentationen zu den Themenbereichen „Revolution“, „Republikanischer Alltag“, „Labor der Moderne“, „Weimar und die Welt“ , „Krise und Bewährung“ sowie „Demokratische Visionen“. Des weiteren seien vier exemplarische Zeitkapseln zu den Jahren 1919, 1925, 1929 und 1932 geplant. Konkret soll es dort etwa um die Praxis demokratischer Wahlen oder um die Weltkriegsfolgen im Alltag der 1920er-Jahre gehen.

Zänker und Feddersen versprachen gestern eine lebendige und aufschlussreiche Ausstellung für unterschiedlichste Erwartungen. In Kooperation mit dem Bundesarchiv könnten viele Dokumente sowie Bild-, Ton und Filmaufnahmen erstmals gezeigt werden. Erfahren wird man so, dass die Parlamentarier damals auch länger in Weimar blieben, weil in Berlin die Läuse hausten. Mehrere Stummfilme wurden eigens vertont.

Die Stadt Weimar als Eigentümer des Gebäudes investiert fast 4 Millionen Euro, mehr als 3 Millionen Euro stammen aus Fördertöpfen des Bundes. Der Republik-Verein trägt den Innenausbau. Dank der Förderung durch das Bundesjustizministerium sei der Museumsbetrieb bereits bis 2022 gesichert, sagte Zänker. Eröffnet wird am 31. Juli 2019, genau 100 Jahre nach der Verabschiedung der Weimarer Reichsverfassung.

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