Magdeburger Kunstmuseum zeigt Lebenswerk von Max Uhlig

Meistens erkennt man die Motive auf seinen Bildern nicht auf den ersten Blick. Höchstens die Richtung: Menschen oder Landschaften. Was man immer und sofort erkennt, ist die unverwechselbare Handschrift Max Uhligs, die schon früh ausgeprägt war und sich im Grunde nur unmerklich weiterentwickelt hat.

Max Uhlig im Juni 2014 Foto: Hans-Wulf Kunze

Max Uhlig im Juni 2014 Foto: Hans-Wulf Kunze

Foto: zgt

Natürlich in ihrer Virtuosität und in der Leichtigkeit, mit der er seine Farbgitter über die Wirklichkeit legt, bis die kaum noch zu erkennen ist oder eben neu im Auge des Betrachters entsteht.

Dabei bringt der Titel "Vor der Natur gewachsen" der fulminanten Retrospektive im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen zu Magdeburg Uhligs Methode, seine Haltung als Maler, Zeichner und Grafiker auf den Punkt. Und das ist bei seinen Landschaftsbildern, ob nun in der Dresdner Elbaue, auf Rügen oder Usedom oder auch in Südfrankreich oft sogar wörtlich zu verstehen. Die Bildfindung selbst ist ein Prozess, bei dem eine Sache für ihn interessant wird, "wenn sie durch langes Anschauen fremd wird".

Max Uhlig gehört zu den Großen seines Fachs, die sich selbst und ihrer Kunst stets treu geblieben sind. Sicher hat der gesellschaftliche Umbruch auch bei ihm Spuren hinterlassen. Aber es gibt nur dem Datum der Signatur nach einen Uhlig vor und einen nach der Wende. In seinem Werk gibt es diese Unterscheidung nicht. Höchstens könnte sich das im Hinblick auf seine Wirkung in der nunmehr gesamtdeutschen Öffentlichkeit bemerkbar machen.

Wobei es da vor allem um das nicht nur Uhlig treffende Wahrnehmungsdefizit im Westen geht. Der Sammler Peter Ludwig war auch in Sachen Uhlig eine rühmliche Ausnahme. Nicht zuletzt die große Ausstellung in der Osnabrücker Kunsthalle machte den Dresdner vor zehn Jahren im Westen Deutschlands einer größeren Kunstgemeinde bekannt. Dort gab es auch einige der Porträts zu sehen, die der damalige Bundeskanzler Schröder von sich in Auftrag gegeben hatte.

Eins davon hängt jetzt zwar nicht in der Ahnengalerie des Kanzleramtes - in der Nachbarschaft zu Bernhard Heisigs Helmut Schmidt-Porträt hat Schröder sich ja von Jörg Immendorff geradezu verherrlichen lassen - , aber immerhin erinnert in der Staatskanzlei in Hannover ein Uhlig an denselben als niedersächsischen Ministerpräsidenten. Hierzulande ist Max Uhlig natürlich längst kein Geheimtipp mehr.

Er war zu DDR-Zeiten so subversiv präsent wie Gerhard Altenbourg, Carlfriedrich Claus oder Hermann Glöckner es auch immer waren. Sie waren durch ihren künstlerischen Eigensinn wenig geeignet als Aushängeschild einer dem sozialistischen Realismus angedienten offiziösen Kunst, doch bei seinen Fans und Sammlern, in der engeren und weiteren Heimat, hoch geschätzt.

Mittlerweile ist Uhlig natürlich in allen wichtigen Museen von Paris bis Basel, London und New York präsent und finden sich in vielen privaten Sammlungen seine Porträtgrafiken, einige von jenen schwarz-weißen Krautköpfen, in die man sich förmlich hineinsehen muss, um den Menschen zu erkennen, der dem Künstler Modell gesessen oder vorgeschwebt haben mag. Eine Seelenverwandtschaft zu Alberto Giacometti (1901-1966) ist bei Uhligs Porträts und Figuren nicht zu übersehen.

Die Farbkompositionen faszinieren mit sinnlicher Opulenz

Und dann gibt es da noch die Tuschzeichnungen auf feinem Vlies und die großen Öl-Leinwände. Mit ihren sinnlich opulenten Farbkompositionen, diesen ganz eigenartigen Landschaften aus dem Grenzbereich zwischen purer Abstraktion und dem fast schon gegenständlichen Unterholz in realistischen Abbildungen. Sie faszinieren nicht nur durch die jedes Mal neu ausbalancierte Farbgebung, sie leben quasi - mehr als bei anderen Malern - mit dem Licht, das auf sie fällt.

Max Uhlig ist Dresdner mit Leib und Seele. Dort ist er 1937 geboren, dort hat er Anfang der 50er Jahre grafisches Zeichnen gelernt und dann bei Hans Theo Richter und Max Schwimmer studiert. An der dortigen Hochschule für Bildende Künste war er von 1995 bis 2002 auch Professor für Malerei und Grafik. Dass bei einem Brand in Loschwitz 1996 ein Großteil seiner Bilder vernichtet wurde, war nicht nur für ihn ein Schock. Umso schöner ist sein neues geräumiges Atelier, in dem das Interview aufgenommen wurde, das man jetzt im Magdeburger Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen sehen kann. Es zeigt die bislang größte und umfangreichste Werkschau für diesen bedeutenden deutschen Maler der Gegenwart.

Die Ausstellung setzt mit ihren circa 160 Exponaten sowohl auf die raumgreifende Wirkung seiner großformatigen Landschaftsgemälde, die in Frankreich in den 90er Jahren entstanden sind, wie auf die Kleinformate aus den 70er Jahren, die hier als Variationen zu einem Thema ihre Faszination entfalten. Ergänzt wird das - ganz werkschaugemäß - durch frühe Zeichnungen von Straßenszenen oder ersten, fast realistischen Landschaften.

Ein besonderer, in die Zukunft weisender Clou der Ausstellung - und ihr eigentlicher Anlass - sind die Entwürfe und erstmals gezeigten, neun bereits fertiggestellten Elemente der insgesamt dreizehn Glasfenster für die spätgotische Magdeburger Johanniskirche. Was davon in der Ausstellung zu sehen ist, deutet auf den großen Wurf hin, an dem sich in den letzten Jahren auch schon andere namhafte Künstlerkollegen - wie Gerhard Richter in Köln oder Neo Rauch in Naumburg - versuchen durften.

In Magdeburg ist die Finanzierung dieses kühnen Großprojektes - in einem Faltblatt des Kuratoriums, das um Spenden wirbt, werden die Gesamtkosten mit 1.319.000 Euro beziffert! - beileibe noch nicht gesichert. Auch wenn die wiederaufgebaute Johanniskirche heute nicht mehr als sakraler Bau, sondern als Kulturzentrum genutzt wird, so werden die gewaltigen Glasfenster Max Uhlig wohl solch ein Stück Ewigkeit bringen, wie es einem Künstler seines Ranges zusteht.

Bis 26. Okt., Di-Fr 10-17 Uhr, Sa-So 10-18 Uhr, Monografie im Hirmer-Verlag (geplant).

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