Mit dem Fotoapparat zum „Glück“

Eisenach.  Die Ausstellung „Kindsköpfe“ ist im Medizinischen Versorgungszentrum in der Eisenacher Schillerstraße zu sehen.

Die Ausstellung „Kindsköpfe" ist in der Poliklinik Eisenach in der Schillerstraße zu sehen, hier mit Ärztin Iris Böhme (links), die das Projekt förderte, und der Fotografin Anne Nitzsche.

Die Ausstellung „Kindsköpfe" ist in der Poliklinik Eisenach in der Schillerstraße zu sehen, hier mit Ärztin Iris Böhme (links), die das Projekt förderte, und der Fotografin Anne Nitzsche.

Foto: Peter Rossbach

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Kindsköpfe“ heißt die Ausstellung. Und tatsächlich sind 26 Köpfe zu sehen, aber beileibe nicht nur von Kindern. Die Spanne der abgelichteten Menschen reicht vom Kindesalter bis zu einer 101-Jährigen. Und alle stellen sich mit ihren Gesichtern und ihren Antworten auf jeweils gleichlautende Fragen dem Thema Glück.

„Wer Glück in die Welt ausstrahlt, bekommt es auch zurück“, sagt Anne Nitzsche. Die 38-jährige Fotografin aus Rosdorf in der Rhön weiß, wovon sie spricht. Denn in einer Phase mit deutlichem Unglücksanteil entschloss sie sich, das Projekt „Glück“ anzugehen. Die Ergebnisse sind nun in der Fotoausstellung in den Fluren des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in der Eisenacher Schillerstraße zu betrachten.

Nitzsche ist Mutter zweier Kinder, im Hauptberuf Flugbegleiterin. Zudem ist sie aber auch Fotografin und hat eine Ausbildung als systemische Beraterin für Menschen in Lebenskrisen abgeschlossen. Zehn Jahre lang gehörte sie dem Kunstverein in ihrem Heimatort Rosdorf an, bevor sie endlich selbst eine Ausstellung gestalten sollte. „In dem Moment war mein Glück perfekt, schließlich war ich da auch mit meinem zweiten Kind schwanger.“

Eine Partnerschaft zerbricht

Wie schnell sich dies aber drehen konnte, erlebte Anne Nitzsche, als sie kurz nach der Geburt von ihrem Mann verlassen wurde. In diesem Moment des Unglücks fragte der Kunstverein erneut an, was nun mit der Ausstellung sei. Da beschloss die Künstlerin das Glücksthema fotografisch aufzuarbeiten. Sie suchte sich Menschen verschiedenen Alters, Geschlechts und unterschiedlicher Herkunft und wollte von ihnen wissen, was sie glücklich macht. Dazu entstanden ausdrucksstarke Portrait-Aufnahmen in Schwarz-Weiß, die allein schon viel über die Menschen erzählen.

Aus dieser Arbeit hat Anne Nitzsche Kraft für sich selbst gezogen und ihr Unglück in Glück verwandelt. „Das Unglück gehört zu unserem Leben, aber jeder hat auch sein Stück vom Glück verdient. Man darf aber nicht einfach darauf warten, sondern muss auf das Glück zugehen“, so die Künstlerin. Sie hat festgestellt, dass es gerade jene Menschen seien, die großes Leid und Unglück erfahren hätten, die dann das folgende Glück besonders zu schätzen wüssten.

Gitarrist mit einfühlsamen Klängen

Eisenach ist nach Rosdorf und dem Landratsamt Schmalkalden die dritte Station der Ausstellung. Eine vierte Vernissage wird es im kommenden Jahr in Nordhausen geben. Die Werke sind nicht verkäuflich, sondern die Künstlerin sieht sie als Einheit, die sie mit weiteren Menschen vergrößern will. Zur Eröffnung sorgte der Eisenacher Gitarrist Karsten Degenhardt mit einfühlsamen Klängen für die musikalische Umrahmung und begleite Nitzsche zudem bei einem Gesangsbeitrag.

Der Kontakt nach Eisenach entstand vor Jahren, als sie über mehrere Ecken die Frauenärztin Iris Böhme kennen lernte. Diese ist seit Februar im neuen MVZ der Poliklinik Eisenach in der Schillerstraße angesiedelt. Dort praktiziert sie Tür an Tür mit Augenärztin Maria-Anna Kött und Jens Brodtrück, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. „Mir schwebte gleich zu Beginn vor, die Flure und Wartebereiche für Kunst zu nutzen“, sagt Medizinerin Böhme.

Spenden für Krankenhaus in Äthiopien

So kam die Ausstellung nach Eisenach und dies für einen guten Zweck, denn Frauenärztin Böhme ist noch an anderer Stelle sehr aktiv. Sie unterstützt schon seit Jahren ein christliches Krankenhaus in einer der ärmsten Regionen Äthiopiens (Attat Hospital), etwa 175 südwestlich der Hauptstadt Addis Abeba – dies nicht nur mit Geldspenden, mehrfach reiste Iris Böhme selbst nach Afrika, um in der Klinik zu helfen.

Und so gehen alle Einnahmen der Ausstellung aus dem Verkauf des Begleitbuches und alles, was den Weg in die Spendenbox findet, an dieses Hilfsprojekt (www.attat-hospital.de).

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren