Oesterlein-Sammlung in Eisenach gilt bei Musikkennern als großer Schatz

Eisenach. Zur Vernissage der Sonderschau "Tristan und Mathilde" wurde an die Stadtpolitiker appelliert, die Reuter-Villa nicht zu verkaufen.

Hannah Lütkenhöner, Prof. Dr. Helen Geyer und Michael Kunze (von links) bereiten die neue Ausstellung im Stadtschloss vor, hier hängen sie ein Plakat einer italienischen Aufführung von "Tristan und Isolde" auf. Foto: Norman Meißner

Hannah Lütkenhöner, Prof. Dr. Helen Geyer und Michael Kunze (von links) bereiten die neue Ausstellung im Stadtschloss vor, hier hängen sie ein Plakat einer italienischen Aufführung von "Tristan und Isolde" auf. Foto: Norman Meißner

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Die Wagner-Sammlung von Nicolaus Oesterlein, die sich seit über einhundert Jahren in Besitz der Stadt Eisenach befindet, ist "einmalig". Darauf machte Prof. Dr. Helen Geyer, Direktorin des musikwissenschaftlichen Instituts Weimar/ Jena der Musikhochschule "Franz Liszt", am Sonnabend zur Eröffnung der Ausstellung "Tristan und Mathilde" im Stadtschloss aufmerksam. Später sprach sie noch von einem "Schatzkästchen ungewohnten Ausmaßes".

Helen Geyer und ihre Mitarbeiter, Hannah Lütkenhöner und Kiril Georgiev, haben das "Schatzkästchen" entstaubt und geöffnet. Aus der Fülle von Texten und Noten, Bildern, Fotografien, Handschriften und Autografen sowie Kuriosa haben sie Exponate zum Thema "Tristan und Mathilde" gewählt, in Anlehnung an die Wagner-Oper "Tristan und Isolde".

Richard Wagner hatte ein leidenschaftliches Verhältnis zu Mathilde Wesendonck, sah sich als Tristan und sie als Isolde, zwischen beiden stand der Ehemann der Angebeteten. "Mathilde Wesendonck war aber nicht nur Objekt der Begierde, sondern eine eigenständige Schriftstellerin", betonte Hannah Lütkenhöner.

Die Sonderschau gliedert sich in drei Teile, zu sehen jeweils in einem Raum. Vorgestellt wird, wie die Oper "Tristan und Isolde" entstanden und wo sie gespielt und inszeniert worden ist. Von einer italienischen Aufführung etwa stammen ein Klavierauszug und eine Programmankündigung.

Die Partitur des Tristan galt lange als "mörderisch", weil der erste Sänger, Ludwig Schnorr von Carolsfeld, nach nur drei Aufführungen im Alter von 29 Jahren unter damals mysteriösen Umständen gestorben ist. Im dritten Teil wird dargestellt, was Wagner zu "Tristan und Isolde" inspiriert hat. Als literarische Vorlage diente der mittelalterliche Tristan-Epos. Die Opern-Akte sind unter Eindrücken von Reisen nach Zürich, Luzern und Venedig entstanden.

Neben Mathilde Wesendonck inspirierten Wagner die Ideen des Philosophen Arthur Schopenhauer. Dieser war übrigens der Meinung, dass Wagner nicht zum Komponisten taugen würde, aber zum Schriftsteller, wie Kiril Georgiev betonte. Nach Ansicht des Musikwissenschaftlers ist es auch besser gewesen, dass sich beide nicht persönlich kennengelernt haben.

Schopenhauer, so die These von Georgiev, wäre enttäuscht gewesen, denn Wagner sei es um nicht viel mehr als "Sehnsucht, Leidenschaft, Ekstase und Erlösung" gegangen. Inspiriert von der Ausstellung wiederum, sind die Besucher eingeladen, auf einem Notenblatt die "Unendliche Melodie" weiter zu komponieren.

Kulturdezernentin Dorothea Hegele (SPD) verwies darauf, dass die Sonderschau an die großen Wagner-Ausstellungen im letzten Jahr im Stadtschloss, auf der Wartburg und im Bachhaus anknüpft. Die wertvolle Oesterlein-Sammlung befindet sich ausgerechnet in dem Haus, das laut Konzept zur Haushaltssicherung verkauft werden soll: die Reuter-Wagner-Villa. Hegele betonte bei der Vernissage, gegen den Verkauf zu sein und ihre Haltung in den städtischen Gremien auch deutlich gemacht zu haben. Sie wünschte sich ein deutliches Bekenntnis zum kulturellen Erbe - Applaus aus dem Publikum. Der Stadtrat entscheidet am Dienstag über das Sparprogramm.

Von der Politik zurück zur Kultur: Zur Sonderschau gibt es ein Begleitprogramm aus Vorträgen, Konzerten und Lesungen. Dazu gehört ein Angebot für Kinder. Nach einer Führung lesen Hannah Lütkenhöner und Kiril Georgiev Kindermärchen von Mathilde Wesendonck wie "Christabend" und "Das Zuckerhäuschen" (18. Dezember, 11 Uhr).

Da nichts ohne Geld geht, dankte Helen Geyer ausdrücklich der Kulturstiftung der Länder, dem Thüringer Kultusministerium sowie der Musikhochschule für die finanzielle und der Stadt Eisenach für die Unterstützung durch Mitarbeiter der Museen und des Kulturamts.

  • Sonderausstellung im Stadtschloss bis 11. Januar, mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, Eintritt 4 Euro.

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