Fortschritte am „Fass ohne Boden“: Schloss Wespenstein bei Gräfenthal soll Museum werden

Gräfenthal  Das Schloss Wespenstein hoch über der Stadt Gräfenthal soll ein Museum werden. Ein Ingenieur aus Frankfurt am Main hat sich dieses Ziel ­gestellt – und ist dafür bereits einen ­weiten Weg gegangen.

Wolfgang Wehr, „Schlossherr“ auf Schloss Wespenstein. Foto: Guido Berg

Wolfgang Wehr, „Schlossherr“ auf Schloss Wespenstein. Foto: Guido Berg

Foto: zgt

Mit 40 die Beine hochlegen – „die Idee hatte ich auch mal“, erinnert sich Wolfgang Wehr. „Bloß was macht man dann?“, fragte sich der heute 52-Jährige. Er entschied sich, sein gutes Geld, verdient als Leiter der Entwicklungsabteilung einer weltweit agierenden Spezialtiefbaufirma, in „ein Fass ­ohne Boden“ zu werfen. Dem liegt eine philosophische ­Erkenntnis zugrunde: „Der Weg ist das Ziel.“

Wehr lacht dabei, wenn er ­davon berichtet, wie er 2002 das Gräfenthaler Schloss Wespenstein kaufte. 140 000 Euro hat er damals bezahlt. Er kaufte es einem Herrn „mit Wohnsitz in Mallorca“ ab, der für das Schloss nur 30 000 Euro hinlegen musste. „Das sind die einzigen Zahlen, die ich nenne“, meint der Schlossherr.

Wo Luther predigte, war mal ein Kinderzimmer

Das heißt, eine Zahl hat er doch noch: Gerade einmal eine symbolische D-Mark musste jener Käufer aufbringen, der den Prachtbau hoch über Gräfenthal nach der Wende vom Bundesvermögensamt kaufte. Freilich hatte dieser die Auflage, Millionen zu investieren, was aber unterblieb.

Ob es Millionen sind, die Wolfgang Wehr bisher in das 1337 erstmals urkundlich ­erwähnte Schloss investierte, darüber schweigt der Mann, der gleichsam freundlich und ­bescheiden, aber auch fokussiert und entschlossen wirken kann. „Was wir reingesteckt ­haben, weiß nur meine Frau“, eine Gräfenthalerin.

Das herrschaftliche Anwesen mit 54 Zimmern hoch über der Stadt sah „ziemlich schrecklich aus“, als Wehr es erwarb. Doch der promovierte Ingenieur, der mittlerweile eine Professur in Erfurt inne hat, dachte sich: „Das könntest du bis zur Rente wieder hinkriegen.“ Wehr ist Spezialist für alte Stützmauern, „mal meine eigene Mauer sanieren“ seine Motivation.

Das ist die Liste des seit 2002 Geschafften: Die Auffahrt wurde erneuert, ebenso alle Strom- und Telefonanschlüsse. 87 Fenster und sieben Türen sind eingebaut worden, „alles Maßanfertigungen.“ Die Fassade des um 1500 entstandenen Bauteils ist mit einem Kalkputz versehen worden, der vorher gelb eingefärbt wurde. Wehr hatte die richtigen Berater, wie er sagt: Das leuchtende Gelb des Schlosses ist „nicht nur angemalt“, im Gegensatz zur schlossnahen Fronfeste. „Da sehen Sie den Unterschied.“ Zudem hat Wehr auf die Dächer des Schlosses „nicht nur neuen Schiefer“ drauf nageln, sondern auch die Balken darunter sanieren lassen. „Den Dachstuhl völlig neu zu machen, wäre billiger gewesen“, sagt Wehr. Ebenso sind bereits ein Teil der Stützmauern saniert worden. 2011 bekam Wehr für sein Bestreben, soviel wie möglich vom Originalmaterial zu ­erhalten , den Thüringer Denkmalpflegepreis.

In den nächsten zwei Jahren soll das Schloss eine neue Heizung erhalten, eine Erdwärmeheizung. Das Schloss liegt 430 Meter über dem Meeresspiegel, doch der Nachbar habe bereits so eine Heizung, „da klappt es wunderbar.“ Auch soll es auch künftig noch möglich sein, mit Holzscheiten zu heizen – „meine Frau hat mehrere Hektar Wald“. Derzeit werde durch Studenten die Feinplanung erstellt und erkundet, inwieweit es Fußbodenheizungen geben könne. Ist die Heizung fertig, „dann sind die großen Sachen durch.“ Das Ziel Wolfgang Wehrs ist es, einmal das gesamte Schloss als Museum zu nutzen. Eigens dafür hat er das Schloss einer gemein­nützigen Stiftung übertragen.

Zu den schönsten Räumen auf Schloss Wespenstein zählt die kleine Kapelle, in der am 14. April 1530 kein Geringerer als Martin Luther predigte. Zu DDR-Zeiten war der kleine Raum das Kinderzimmer einer Wohnung. Morgen treffen sich im Schloss ab 15 Uhr Heimatforscher zum Lutherstammtisch. Wie zum Zeichen seiner Vorfreude darauf setzt sich Wehr ans Harmonium und spielt eine schöne Orgel-Melodie. Das Talent dafür hat er von seiner Mutter: „Sie war Opernsängerin.“