Domstufen-Festspiele in Erfurt: Wenn Caruso nur noch krächzen kann

Erfurt  Kinderoper von Pettersson und Findus bleibt nah an der beliebten Buchvorlage

Findus und der Hahn im Korb: Für das diesjährige Stück der Domstufenfestspiele für Kinder wird aktuell geprobt von Leonor Amaral (Findus), Jörn Schümann (Pettersson) und dem radelnden Hahn Caruso (Julian Freibott).

Findus und der Hahn im Korb: Für das diesjährige Stück der Domstufenfestspiele für Kinder wird aktuell geprobt von Leonor Amaral (Findus), Jörn Schümann (Pettersson) und dem radelnden Hahn Caruso (Julian Freibott).

Foto: Frank Karmeyer

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Caruso ist ein Bild von einem Hahn. Mit seinem graziösen Gesang versteht er es, die Hühner auf dem Hof des alten Pettersson zu betören. Doch in den Ohren von dessen Kater Findus klingt das ständige Kikeriki nicht wie Musik und das Federvieh wirkt eher wie eine Karikatur: er will dem Hahn den Schnabel verbieten und ihn am liebsten wieder loswerden. Davon und von Findus arglistigem Plan erzählt die Geschichte von „Findus und der Hahn im Korb“, für die aktuell im Ballettsaal des Theaters Erfurt geprobt wird. Mit ebensolchem Eifer wie Spaß wie in der aktuell anstehenden Szene, soll das ganze Stück als Oper für Kinder auf die Domstufen gebracht werden: Am 17. August um 16 Uhr ist Premiere.

Eigentlich seltsam: Die gebürtige Portugiesin Leonor Amaral, die in die Rolle und die gestreifte Latzhose des Katers schlüpfen wird, reagiert auf Katzen eigentlich allergisch, hat sogar Angst vor diesen für sie „unberechenbaren Tieren“. Doch zum mittlerweile dritten Mal in ihrer Bühnenkarriere darf sie die Katze geben, mit der Findus-Rolle eine besonders liebenswerte und temperamentvolle zudem.

Spätestens seit der Kaufhausoper „Es liegt in der Luft“ weiß Regisseur Fernando Blumenthal, dass es keine bessere Besetzung für den Findus als diese energiegeladene, junge Frau geben kann. Und so gestikuliert und grimassiert Leonor Amaral noch, als Blumenthal längst wieder ein lautes „Stopp“ in die Szene gerufen hat: Hahn Caruso (Julian Freibott) wird angehalten, das ihm auferlegte Singverbot noch gestenreicher, vermeintlich gequälter und insgesamt größer auf die Bühne zu bringen.

Blumenthal weiß: Die Kinder werden mit klaren Erwartungen zu den Vorstellungen kommen. Und anders als im Theater, wo der Zuschauerraum dunkel ist und das Bühnenlicht den Blick zu lenken vermag, droht auf dem Domplatz Ablenkung durch Straßenbahn, Flugzeug oder sonstiges Treiben ringsumher. Da muss das Treiben zwischen dem rotgestrichenen Schwedenhaus, dem Hühnerstall und Brombeerbüschen fesseln.

Es wird viel gelacht an diesem Vormittag: Wenn Julian Freibott mangels knatterndem Moped im Ballettsaal ersatzweise ein Fahrrad in Gang zu setzen versucht oder Gregor Lobel, der eigentlich den Nachbarn Gustavsson gibt die Stimmen der heute fehlenden Hühnerschar beisteuert. Katja Bildt, Maria-Elisabeth Wey und Nicole Nudelman werden auf den Domstufen als Huhn Prillan, Stina-Fina und Henrietta gackernd zu erleben sein.

Leonor Amaral kannte die Geschichten um Kater Findus vor ihrem Engagement nicht. Mittlerweile aber habe sie die Figur lieben gelernt: „Ich werde die Geschichte bestimmt meinen Kindern vorlesen, wenn ich welche haben werde.“

Soviel steht fest: Es wird ein großer Spaß fürs Publikum, daran wird akribisch gefeilt, vorgeschlagen, ausprobiert und wieder verworfen. Für im Ergebnis vielleicht fünf Minuten Bühnenspiel wird eine Stunde lang alles herausgekitzelt, was möglich scheint. „Ich hasse es, wenn Theater austauschbar wird“, sagt Blumenthal über diese, seine Arbeitsweise. Die Buchvorlage von Sven Nordqvist hat er schon seinen Kindern vorgelesen. Wobei die Inszenierung des Stoffs als Kinderoper von Niclas Ramdohr und Texten von Holger Potocki ganz nah am Original der beliebten Bilderbücher, des Zeichentrickfilms und des teils in Erfurt gedrehten Kinofilms bleibt. „Wir wollen die Kinder ja nicht verwirren, sondern unterhalten“, sagt Blumenthal. Bis zur gestreiften Hose wird den Kindern viel Wiedererkennungswert geliefert, sie sollen sich gleich ganz der Geschichte widmen können und nicht abgelenkt werden.

Mila von Daag, die für die Ausstattung verantwortlich zeichnet, hat sich für Kostüme und Bühnenbild eng an die Illustrationen der Buchvorlage gehalten. Und dennoch: So manche Überraschung hält das wandelbare Bühnenbild gewiss noch bereit. Beispielsweise wenn sich der Hauseingang mit einer Drehung in die Werkstatt von Petterson (Jörn Schümann) verwandelt.

Gespielt wird etwa 60 Minuten ohne Pause. Gedacht ist das Stück für Kinder ab 6 Jahren.

Karten gibt es unter der (0361) 2233155, auf www.theater-erfurt.de oder im Besucherservice Martinsgasse

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