Chinesische Klänge in klassischer Atmosphäre

Gotha  Aufregende Musikerlebnisse lieferte Solist Jianguo Lu auf der Erhu im Anrechtskonzert mit der Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach.

Jianguo Lu spielte als Solist des Konzertabends auf einer Erhu. Sie ist ein chinesisches Streichinstrument mit zwei Saiten und einem Bogen.

Jianguo Lu spielte als Solist des Konzertabends auf einer Erhu. Sie ist ein chinesisches Streichinstrument mit zwei Saiten und einem Bogen.

Foto: Horst Groener

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Fremdartige, stürmisch gefeierte Klänge hatte das Gothaer Kulturhaus in dieser Form noch nicht erlebt. Denn im letzten B-Anrechtskonzert der Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach ging es um die Begegnung von fernöstlicher mit westlicher Musik.

Interims-Chefdirigent Russell Harris führte bereits öfter Konzerte unterm Motto „East meets West“ durch. Er wählte auch für dieses Konzert in Gotha Stücke aus, die er bei seinen Gastspielen in China kennengelernt hatte. Das Programmheft erläuterte zudem, dass musikalische Einflüsse aus Europa und den USA in den 1920er-Jahren sich in China breitmachen konnten und so Komponisten dort veranlassten, für „klassisch besetzte“ Orchester Musik in der Tradition ihrer Kultur zu schreiben.

Als Solist eingeladen war der in Leipzig lebende chinesische Musiker Jianguo Lu. Er spielte auf einer Erhu, einem chinesischen Streichinstrument mit zwei Saiten und einem Bogen, das im Verlaufe des Abends auch mit Glissando- und Vibratoeffekten sowie in gezupfter Spielweise zu hören war.

Faszinierend wirkte das Zusammenspiel der Erhu mit dem groß besetzten Sinfonieorchester unter der umsichtigen Leitung von Harris. Dabei kamen verschieden aufgeführte Kompositionen sowohl der Spielweise der Erhu als auch den Möglichkeiten eines klassischen Orchesters entgegen.

Weitgehend unbekannt waren die Werke der Komponisten Cheng Gang und He Zhanhao („Butterfly Lovers“), Wang Liping (eine Filmmusik zu „Der Traum der roten Kammer“), Huang Haihuai („Galoppierende Pferde“, bei denen der Solist auf seinem Instrument am Ende ein deutliches Wiehern hören ließ!) sowie von Zhou Jielun („Chrysanthemum Terrace“, gespielt zusammen mit dem Violoncello der Musikstudentin Yehijn Chun), die letzteren drei im Arrangement von Peter Lambert.

Mit zum Teil bombastischen Klangausbrüchen waren einleitend Zhu Jianer („Festival-Ouvertüre“) und abschließend die Komponistin Xi Huguang (mit der Tondichtung „Gada Meilin“) zu erleben. Bereits von Harris aufgeführt war 2018 ein Werk von Ding Shande („Xinjiang Dance Nr. 2 “), das in seiner Wirkung an Ravels „ Bolero “ erinnerte. Gleichsam als Brücke zur westlichen Musik setzte Harris in das Programm Alexander Borodins „Eine Steppenskizze in Mittelasien“ sowie von Bedrich Smetana „Die Moldau“ aus dem Zyklus „Mein Vaterland“, beide eindrucksvoll interpretiert. Und Jianguo Lu überraschte mit Johann Sebastian Bachs „Air“ aus dessen 3. Orchestersuite, bei der er zart angespielt mit seiner Erhu die Melodiestimme zur feinfühligen Orchesterbegleitung übernahm.

Obwohl der Konzertabend ei­ne Überlänge von fast 45 Minuten aufwies, hielt das Publikum gebannt lauschend durch und bedachte jedes der Stücke mit kräftigem, teils jubelndem Beifall. Die erste Zugabe leitete Jianguo Lu mit einer Eigenkomposition auf der Kürbisflöte ein, bevor das Orchester ihn zur Erhu bei „Dance of the Yao People“ von Liu Tieshan und Mao Yuan begleitete. Die wiederholten „Galoppierenden Pferde“ setzten den Schlusspunkt.

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