Die Spur der Keime (Teil 2): Herren des Weltuntergangs

Burgk.  Schloss Burgk beherbergt Apokalyptische Reiter der sympathischen Art.

Mit ihrem lithografischen Exlibris „Die apokalyptischen Reiter“ bezieht sich Eva Natus-Šalamoun auf die berühmte Graphik Albrecht Dürers, eine Ikone der Kunstgeschichte.

Mit ihrem lithografischen Exlibris „Die apokalyptischen Reiter“ bezieht sich Eva Natus-Šalamoun auf die berühmte Graphik Albrecht Dürers, eine Ikone der Kunstgeschichte.

Foto: Eva Natus-Salamoun / Museum Schloss Burgk

Urängste dräuen herauf, wenn schweres Gewölk in stürmischen Mondnächten am Himmel aufzieht. Man wähnt, Rosse und furchtbare Krieger zu identifizieren, und versteht den Germanenglauben an Odins Zug, der sich auch in Volkssagen von der „Wilden Jagd“ überlieferte. Des Winters, zur Sonnenwende, oder just an Karfreitag nahm man sich davor in acht. Die „Apokalyptischen Reiter“, wie Albrecht Dürer sie – so schrecklich wie virtuos – vor 500 Jahren ins Holz schnitt, wurzeln jedoch in biblischen Gründen.

In der Offenbarung Johanni (Kap. 5ff) kündigt ihr verheerender Sturmritt den Weltuntergang an. Durch ihre Attribute und die Farben der Reittiere – weiß, feuerrot, schwarz und fahl – werden sie charakterisiert; zwar findet man in der Theologie dafür unterschiedliche Deutungen, maßgeblich indes sind die Worte aus erster Hand. Lapidar warnt die Offenbarung: „Und ihnen wurde Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit Schwert und Hunger und Pest und durch die wilden Tiere auf Erden.“

Wir schnaufen tief durch. Hell und würdig ruht die alte Reußenresidenz Schloss Burgk hoch über dem Tal der Saale. Und sämtliche Schreckgespinste entschwinden flugs, denn die Burg(k)herrin, Museumsleiterin Sabine Schemmrich, breitet per Email ein Sortiment ihrer schönsten Exlibris für uns aus. Apokalyptische Reiter befinden sich in Kompaniestärke darunter, vorwiegend Parodien aus der zeitgenössischen Kunst. Prima vista schließen wir die von Eva Natus-Ša-lamoun (1936-2014) in unser Herz.

Die Grafikerin und Animationsfilmerin aus Halle hat in ihrer Heimatstadt, auf der dortigen „Burg“, sowie in Prag studiert, hat sich u.a. mit Filmen und Buchillustrationen einen Namen gemacht und bekleidete ab 1997 noch eine Professur für Kommunikationsdesign – wieder auf Giebichenstein. „Die Hallenser sind sehr stolz auf sie“, weiß Schemmrich und verrät, dass sie das kleine, köstliche Blatt dem Sammler Wolfgang Wissing verdankt. Wissing, Apotheker von Hause aus, hat immer wieder Künstler mit solchen Exlibris – Buchbesitzanzeigezetteln – beauftragt und ein Gutteil seiner Kostbarkeiten nicht zufällig auf die Reußenburg transferiert.

Denn dort pflegt man dieses Metier seit den 1980er-Jahren, Burgk stieg somit zum Exlibris-Zentrum der DDR auf. Gut 80.000 der wundervollen Kunstobjekte hat Sabine Schemmrich inzwischen in petto, „es ist eine der größten öffentlichen Sammlungen Europas“, berichtet sie. Dazu zählt natürlich nicht allein Zeitgenössisches, auch Exlibris von Cranach oder Dürer finden sich darunter. Des letzteren „Apokalyptische Reiter“ schlummern thüringenweit zwar nur in den hochmögenden Graphik-Depots zu Weimar im Original, an Parodien jedoch hat Burgk wahre Schätze zu bieten. Immer wieder schöpft man für Sonderausstellungen aus diesem Fundus.

Österlich entspannt nehmen wir im Geiste Abschied, grüßen, mit Wagners Wotan im Sinn, von ferne das herrliche Burgk – und wünschen, dass dieses Exlibris-Walhall bald wieder fürs Publikum öffne.

Museum Schloss Burgk

  • Typus: kulturgeschichtliches Museum
  • Träger: Saale-Orla-Kreis
  • Schwerpunkte: historische Wohn- und Schauräume (15.-19.Jh.), Baugeschichte (14-21. Jh.), Ausstellungen vorwiegend zeitgenössischer Kunst; Sammlungen: Exlibris, Künstlerbücher, originalgrafische Zeitschriften/Samisdat-Zeitschriften
  • Gegründet: 1952
  • Besucher/Jahr: knapp 30.000
  • Öffnungszeiten: vorübergehend geschlossen
  • Web: www.schloss-burgk.de