Ein Ehepaar in Worbis inmitten der Magie der Rockmusik

Worbis.  Sabrina und André Schäfer führen im zwölften Jahr die Worbiser Fabrik und lieben es, Konzerte auszurichten

Sabrina und André Schäfer haben 2008 das Gasthaus "Zur Stadt Berlin" und die Fabrik Worbis übernommen. In der Fabrik, die Musikabteilung des Hauses, Veranstalten sie die Konzerte. 

Sabrina und André Schäfer haben 2008 das Gasthaus "Zur Stadt Berlin" und die Fabrik Worbis übernommen. In der Fabrik, die Musikabteilung des Hauses, Veranstalten sie die Konzerte. 

Foto: Eckhard Jüngel

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Im Eichsfeld gibt es mehrere Adressen, wenn es um gute und handgemachte Live-Musik geht. Eine davon ist die „Fabrik“ in Worbis. Seit Anfang der 90er-Jahre haben sich regionale Bands, aber auch internationale Formationen und sogar Superstars die Klinke in die Hand gegeben. Marc Reece gastierte mehrfach hier, Carl Verheyen und Cliff Hugo von der Megaband Supertramp stehen im Gästebuch.

Bereits im zwölften Jahr liegt die Fabrik in den Händen von André und Sabrina Schäfer. Er kocht, sie umsorgt die Gäste und kümmert sich um die Livekonzerte. „Wir haben nicht nur das Restaurant, sondern auch diese Sparte von unserem Vorgänger Berthold Hebestreit übernommen“, erzählt Sabrina Schäfer. „Wir haben uns das auch am Anfang gut überlegt.“ Aber sie und Ehemann André waren sich schnell einig, dass nur Restaurant oder nur Musik nichts Halbes und nichts Ganzes seien. „Die Mischung ist es.“

Mehr oder weniger seien die beiden auch von der Musik „überfallen“ worden. „Als wir im Oktober 2008

das Haus übernahmen, war für den 24. Oktober bereits eine Band gebucht. Wir haben den Auftritt durchgezogen“, sagt Sabrina Schäfer. Und sie weiß noch genau, welche Band es war: „Demon’s Eye“, eine Deep-Purple-Tribute-Band. Dieser Abend sei unvergesslich gewesen. Und mit ihm habe auch festgestanden: Ja, die Live-Konzerte gehen weiter. Nur wenige Tage später spielte Anfang November 2008 wieder eine Rockband, dieses Mal TM6 aus dem Eichsfeld.

Auf besondere musikalische Interessen will sich Sabrina Schäfer für ihre Person nicht festlegen. „Mir gefällt vieles, ich höre mir eigentlich alles an.“ Aber Rockmusik habe etwas Besonderes, etwas Sattes, eine eigene Magie. „Es ist dann dieser Moment, wenn sich auf den Armen die Härchen aufrichten, eine Gänsehaut über den Rücken läuft...“ André Schäfer schmunzelt. Auch er kenne das Gefühl.

Die beiden erinnern sich noch gut an diesen Tag im Oktober 2008, als sie das erste Mal zur Worbiser Fabrik fuhren, um sich das Objekt anzusehen. „Wir kamen vom Untertor her.“ Beim ersten Blick auf die Fassade hätten beide mit dem Kopf geschüttelt und gesagt: „Nie im Leben.“ Die beiden stiegen gar nicht erst aus, fuhren sofort wieder weg. Aber der Vermittler habee gesagt, sie sollten sich das Haus noch einmal von der anderen Seite ansehen. Das taten sie. Der Rest ist Geschichte.

Hinter jeder Mucke steht ein Fragezeichen

Viel haben die beiden in das Gebäude und seine Möglichkeiten investiert. „Heute sagen uns viele Leute, es sei das schönste Haus am Untertor“, freut sich das Ehepaar über die Anerkennung. Aber sie erinnern sich auch an Stimmen, die abwinkten und rieten: „Was wollt ihr mit so vielen Tischen und Stühlen, lasst es bleiben, hier kommt doch sowieso keiner her.“ Aber bald stellten die Schäfers in ihrem neu eröffneten Steak- und Fischhaus fest, dass sie Tische herausnehmen mussten, weil sie mit den Bestellungen und dem Service nicht hinterherkamen. Fünf feste Mitarbeiter sind es, mit den Aushilfskräften sogar 13, die sich um die Gäste heute kümmern. „Ein großartiges Team.“

Eigentlich gibt es zwei Musik-Saisons im Jahr. Die eine geht von Januar bis Anfang Mai, die zweite von Mitte September bis Ende November. Zwölf bis 14 Konzerte bereiten die Schäfers jedes Jahr vor. „Es sind reine Tribute-Bands“, erklären sie. „Auch keine Quer-Beet-Mucke“. Beide lachen. „Außer an Pfingsten, das ist die Ausnahme.“ Bei den Tribute-Bands gebe es den Vorteil, dass die Leute die Songs kennen, teils die Werke ihrer Lieblingskünstler live erleben wollen. Egal ob es sich um Led Zeppelin handelt, um Coldplay, U2, Queen, um Deep Purple, Metallica, AC/DC oder Iron Maiden. Rammsteins Musik steht im Moment weit oben in der Gunst des Publikums. „Auch Queen hat durch den Film ,Bohemian Rhapsodie’ eine echte Renaissance“, weiß Sabrina Schäfer. Und wenn das Ganze dann noch gut gemacht sei... „Aber eins bleibt immer: Hinter jeder Mucke steht auch ein Fragezeichen: Kommen genug Leute?“ Hoch im Kurs stehe beispielsweise auch die Formation „Dire Strats“, die sich den legendären Hits der Dire Straits rund um Mark und David Knopfler verschrieben haben. Inzwischen verbindet die Schäfers mit dieser Band, die als meistgebuchte Dire-Straits-Tribute-Band Europas gilt, eine Freundschaft. „Sie spielen mittlerweile in größeren Hallen, so Clubkonzerte wie bei uns gibt es nicht mehr. Aber für uns machen Sie sich immer einen Termin frei.“ Der ist schon Tradition: immer am 27. Dezember, egal welcher Wochentag es sei. Und den normalen Jahresabschluss übernehmen immer die Jailbreakers mit ihrem AC/DC-Programm.

Konzerte strahlen auf Region aus

Sabrina und André Schäfer wissen, dass manchmal der Eindruck entstehe, dass immer die gleichen Bands

bei ihnen spielen würden. „Das täuscht. Sicher, wir haben unsere Dauerbrenner. Aber wir setzen auch mal für zwei Jahre aus. Und jedes Jahr sind zwei neue Bands mit dabei.“ Die suchen sie nach Bauchgefühl aus. Das sei oft nicht ganz einfach. Sabrina Schäfer muss nicht mühsam suchen, denn pro Woche, so schätzt sie, flattern 30 bis 40 Anfragen bei ihr ein. All diese Post beantwortet sie, markiert vielversprechende Musiker. Jetzt hat sie eine junge Sängerin ins Auge gefasst, die sich der Musik von Janis Joplin widmet. „Wir beobachten auch, was gerade up to date ist, was gehypt wird.“ Und die Schäfers verraten, dass sie gerade an einer Motörhead-Tribute-Band dran seien, um sie im Oktober nach Worbis zu holen. „Wenn man da beim Soundcheck an der Bar steht und die legen los, dann hat man wie einen Fön im Gesicht und prallt drei Schritte zurück. Und dann kommt die Gänsehaut.“ Sabrina Schäfer lacht.

Der Fokus liegt also weiterhin auf echter Rockmusik. „Blues haben wir nach und nach heruntergefahren.“ Das liege nicht daran, dass sie diese Musikrichtung nicht mögen würden. „Aber dafür gibt es Spots im Eichsfeld, zum Beispiel den Schwarzen Peter in Heuthen. Und das ist gut und schön so.“ Manchmal geben auch die Gäste Tipps oder bitten nach einer speziellen Band. „Dann schauen wir, was sich machen lässt.“

Die Konzerte in der Fabrik sorgen aber nicht nur im Haus für Spaß und Stimmung, sondern auch ein

bisschen dafür, dass die Region etwas davon hat. „Es sind zum Beispiel die Übernachtungszahlen. Nicht nur die Band will irgendwo schlafen, sondern sie zieht oft auch ganze Fan-Pulks mit, die ihr nachreisen. Auch die brauchen ein Bett“, sagt die 39-Jährige. Und so beantwortet sie auch diese Anfragen, gibt Tipps, wo man eine Übernachtung buchen kann.

Einige Konzerte für dieses Jahr stehen bereits fest. Am 29. Februar kommt mit Black Rosie eine rein weibliche AC/DC-Band, am 14. März ist die junge Janice-Joplin-Interpretin zu erleben. Am 28. März geht es um Metallica. „Die Jailbreakers am 14. November und die Dire Strats am 27. Dezember sind auch fix.“ Sabrina Schäfer weist darauf hin, dass es für alle Konzerte die Karten im Vorverkauf in der Fabrik gibt. „Aber wirklich Vorverkauf. Herkommen, die Karten mitnehmen.“ Unverbindliche Reservierungen nimmt sie nicht mehr entgegen. „Es ist einfach zu unsicher. Auch wir müssen planen und uns vorbereiten können.“ Ab 17 Uhr ist das täglich möglich, außer sonntags und montags. „Das sind unsere Ruhetage.“ Aber es gebe für Kurzentschlossene natürlich immer noch die Abendkasse.

Haben die Schäfers eine Lieblingsband. „Nein.“ Das wäre auch unfair gegenüber den anderen. „Jede Band und jede Musik hat etwas für sich.“ Das Schönste aber sei für sie immer, wenn am Ende eines solchen Konzertes die Gäste beim Abschied sagen: „Danke, es war ein geiler Abend. Dafür machen wir und lieben wir unseren Job.“

Übrigens: An diesem Samstagabend ab 20 Uhr steht wieder Musik im Plan – ein Tribute an die legendäre Industrial-Pop-Band Depeche Mode mit deren größten Hits.

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