Arzu, Philipp, die Marquardt auf Besuch - "In aller Freundschaft" in Erfurt gedreht

In Erfurt entsteht eine neue Vorabendserie der ARD: "In aller Freundschaft - Die jungen Ärzte", die ab Januar ausgestrahlt wird. Die OTZ war am Set.

Diese Szene wird im neuen Erfurter Ableger von "Aller Freundschaft" mehrmals gedreht: Anästhesistin Leila (Sanam Afrashteh) und der Patient (Patrick Mölleken. Foto: Esther Goldberg

Diese Szene wird im neuen Erfurter Ableger von "Aller Freundschaft" mehrmals gedreht: Anästhesistin Leila (Sanam Afrashteh) und der Patient (Patrick Mölleken. Foto: Esther Goldberg

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Erfurt. Klappe und ab. "Ich geben Ihnen jetzt eine Narkose. Sie werden in wenigen Sekunden einschlafen", sagt Sanam Afrashteh. Die Schauspielerin wird diesen Satz noch mindestens viermal sprechen.

Sprechen müssen. Denn Regisseur Jurij Neumann setzt am Montag vor den eigentlichen Dreh auch noch einige Kameraproben. Die Szene, es ist das Bild 10 und dauert später gerade mal 40 Sekunden, muss bis Mittag im Kasten sein.

Der Patient in dem OP (Patrick Mölleken) liegt ganz still da. Auch das will gespielt sein. Aber wenigstens kann er bei jeder neuen Probe mal den Kopf zur Seite drehen. Kalt wird ihm trotz der Bewegungslosigkeit nicht. Die vielen Lampen bringen ordentlich Temperatur ins Studio. Zwischendurch springt eine Maskenbildnerin zu ihm. Sein Gesicht darf nicht glänzen.

Auf 1500 Quadratmetern drehen sie hier, auf dem Erfurter Gelände des Kinderkanals, die neue Vorabendserie "In aller Freundschaft - Die jungen Ärzte". Mittendrin Dr. Niklas Ahrend (Roy Peter Link). Ja, es ist wirklich der Arend aus der Sachsenklinik. Denn die derzeit in Erfurt entstehende Vorabend­serie, die ab Ende Januar donnerstags ab 18.50 Uhr mit vorerst 42 Folgen laufen wird, ist ein "spin off" - ein Ableger der Serie "In aller Freundschaft".

Sehr wahrscheinlich wird beispielsweise Schwester Arzu (Arzu Bazman) auch in dieser Vorabendserie mal vorbei schauen. Schließlich gibt es ja Max, den kleinen Sohn des Arztes und der Krankenschwester aus der Sachsenklinik.

Von Leipzig reisen beispielsweise auch Stein (Bernhard Bettermann), Kaminsky (Udo Schenk) oder die immer wieder unsensible und doch nicht nur unsympathische Verwaltungs-Chefin Sarah Marquardt (Alexa Maria Surholt) an.

Serie ist an der Farbe der OP-Kittel zu erkennen

Roy Peter Link hat als Niklas Arend eine kleine Drehpause. Schnell zieht er die Gummihandschuhe aus und wirft sich auf einen Stuhl vor dem Studio. Eine kleine Pause tut nach den Stunden am Set gut. Sofort nimmt er sich ein Textbuch. "Manchmal habe ich keine andere Chance, als auf diese Weise noch einmal auf den Text und die Anweisungen zu schauen", sagt er. Gelernt hat er natürlich die Abende vorher. Doch sicher ist sicher. Er will nicht, dass sie wegen seines Texthängers wiederholen müssen.

"Er ist unglaublich diszipliniert, pünktlich und gut", sagt Produzentin Gabriela Brenner über ihren Hauptdarsteller. Sie ist die Chefin am Set, hat mindestens 20 der geplanten 42 Folgen zeitgleich im Kopf und ist begeistert von diesem Team. Die Leute vom Casting haben offensichtlich gut gearbeitet.

Ähnlich angetan von dem Miteinander ist Sanam Afrashteh als Anästhesistin Leila. Ihr scheint die Freundlichkeit auch nach Stunden nicht auszugehen. Allerdings schaut sie ständig auf ihr Handy. Nein, sie will nicht telefonieren und hält sich auch nicht für so wichtig, dass sie stets erreichbar sein müsste.

Muss sie aber doch: In der Garderobe schläft oder spielt je nach Tageszeit ihre Tochter Awa (acht Monate) Ein Kindermädchen ist bei ihr. "Ich habe bereits wieder gearbeitet, als sie drei Monate war", sagt die 38-Jährige, die man von "Löwenzahn" kennt oder aus dem Film "Kaddisch für einen Freund".

Auch Stefan Ruppe als Assistenzarzt Elias Baehr fühlt sich augenscheinlich wohl. Er grinst, als sie ihm den OP-Kittel anziehen. Der ist in dieser Serie himmelblau - im Gegensatz zu den grünen Kitteln der Sachsenklinik. "Es ist doch gut, wenn sofort erkannt werden kann, welche Serie läuft", erklärt die Produzentin. Deshalb auch hat Anästhesistin Leila bordeauxrote und nicht giftgrüne Arbeitskleidung.

Elias Baehr wird übrigens derjenige sein, der sich um viel Menschliches in der Vorabend-Serie kümmern soll. Das kann man ihm selbst jetzt, da er einfach nur beim Ankleiden herumalbert, gut abnehmen.

Kathrin Jokubeit ist für das Junge-Ärzte-Team vor allem rund um den Operationssaal wichtig. Denn die Frau ist eine echte Krankenschwester. Nun schaut sie bei jedem Dreh, ob alles realistisch wirkt - die Flexüle richtig liegt, alles so aussieht, als wäre es ordentlich sterilisiert, das EKG auch den richtigen Bildschirm für den Ruf "Weg vom Tisch!" hat.

Dass alle Operationen und sogar Transplantationen von immer dem gleichen Ärzteteam erledigt werden, gibt es dagegen nur im Fernsehen. Aber die Fans der "Sachsenklinik" stört das nicht, und so werden es die Fans der kleinen Schwester-Serie aus Erfurt wohl auch halten.

Viel Zeit für eine Pause am Set ist nicht. Regisseur Jurij Neumann will noch eine Probe und im Anschluss den Dreh. Sanam Afrashteh steht im OP-Raum, tätschelt ihrem Patienten die Hand und fängt an zu singen. Kameramann Bernhard Wagner hat natürlich noch nicht eingeschaltet. Laut Drehbuch soll sie schließlich einfach nur jenen bekannten Satz "Ich gebe Ihnen jetzt eine Narkose..." sprechen.

Erfurter Straßen mit viel zu großer Hausnummer

Gleich wird die Regieassistentin um Ruhe bitten. Und schließlich kommt Jan-Patrick Kluger zum Einsatz. Er schlägt die Klappe. Patrick Mölleken als Patient atmet tief ein und zählt Erfurter Straßen auf: "Andreasstraße 17, Michaelisstraße 231". Spätestens hier werden Fans aus Thüringen grinsen. Die Michaelisstraße ist viel zu klein für eine so große Hausnummer. Aber dass in Thüringen eine möglicherweise große Erfolgsserie in der ARD startet, freut einen doch. Und ein drittes Klinikum, das Thal-Klinikum, klingt doch auch nicht schlecht. Man kann sogar daran vorbei spazieren. Denn der Weg zum Kindermedienzentrum ist öffentlich.

Vor der Tür des Studios stehen zwei OP-Schwestern: Kathrin Horn aus Blankenhain und Ramona Fischer aus Erfurt. "In aller Freundschaft habe ich schon lange geschaut. Genau deshalb habe ich mich als Komparsin beworben", erzählt Ramona Fischer. Zwei Tage im Monat kann sie sich von ihrer Arbeit im Öffentlichen Dienst frei nehmen. Überstunden und Urlaub machen es möglich.

Mal ist sie Oberärztin, mal Anästhesistin, mal OP-Schwester. Aber nicht nur bei diesem Dreh ist sie dabei. Vergangene Woche hat sie auch in einem norwegischen Film mitgespielt. Sie liebt Filme. Und Prominenten ist sie auf diese Weise auch recht nah.

Am Set sind sie hoch zufrieden über die Bedingungen für ihre Arbeit. Die das gut beurteilen kann, ist Produzentin Gabriela Brenner. Ohne die Produzentin läuft hier in Erfurt nichts. Die neue Vorabendserie hat zwar Berührungspunkte mit der Sachsenklinik. "Aber wir haben unsere eigene DNA", versichert Brenner. Will heißen: Sie wollen nicht einfach nur die Fortsetzung der Sachsenklinik in Thüringen. Sie sind jünger und dynamischer, sagt die Produzentin.

Aber es wird auch Crossings geben, Wechsel also mit der Sachsenklinik. Sarah Marquardt könnte beispielsweise dienstags in der Sachsenklinik und donnerstags zu Besuch in Thüringen zu sehen sein. Oder Kathrin Globisch ist erst im OP in Leipzig und zwei Tage später bei ihrem Halbbruder Niklas in Erfurt zu Gast.

Für heute hat es am Set ausreichend Narkose-Übungen gegeben. Regisseur Jurij Neumann, die Schauspieler, die echte Krankenschwester und das gesamte Team sind mit dem Tag zufrieden. Klappe und aus.

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