Jenaer Filmfest mit Defa-Schwerpunkt

Jena  Zweite Auflage in Jena bietet vom 12. bis 16. Juni auch türkische und italienische Streifen.

Im Hintergrund die alte Trafo-Station in der Nollendorfer Straße. Die neu erschlossene Kulturstätte ist wieder ein Ort für das „Paradies-Filmfestival“, dessen zweite Auflage der Verein Jenaer Film in diesem Jahr veranstaltet. Christian Wehmeier, Falko Bögelein und Leonhard Elias Lemke (von links) gehören zu den Organisatoren.

Foto: Thomas Stridde

Wenigstens „Plus-Minus-Null“? – Falko Bögelein lächelt milde auf die Frage zur Budget-Schlussrechnung der vorjährigen ersten Auflage des Jenaer „Paradies Film Festivals“. Er sagt: „Minus!“

Aber gehört es nicht zu einem jungen Festival, eine gewisse Phase der Etablierung überstehen zu müssen? Film-e.V.-Mann Bögelein berichtet, dass in diesem Jahr „neun bis zehn“ Förderanträge auf Festival-Sponsoring in die Post gegangen und beileibe nicht alle Antworten positiv gewesen seien.

Immerhin, größere Hilfe erhielt der Verein Jenaer Film als Veranstalter von der Staatskanzlei, von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und von der hiesigen Sparkasse. Und: Das Autohaus mit dem Stern leiht einen Wagen als Festival-Fahrzeug aus. Zudem breitet sich das Festval bei seiner Zweitauflage vom 12. bis zum 16. Juni in diesem Jahr etwas aus.

Neben der ehemaligen, im Vorjahr filmgeweihten alten Trafo-Station in der Nollendorfer Straße stehen das Schillerhof-Kino in Wenigenjena und das Kino am Markt als Spielstätten bereit. Im „Trafo“ und im Schillerhof laufen 35-Millimeter-Filme in Analogtechnik, im Marktkino die digitalen Werke.

28 Filme werden dem Publikum geboten

Dabei haben Falko Bögelein und die Mitstreiter Christian Wehmeier, Tino Schmidt und Leonhard Elias Lemke einen spannungsreichen Programmbogen mit 28 Filmen gespannt – hier ein Block mit Defa-Werken, da drei türkische und zwei italienische Streifen.

Was die DDR-Filmzentralküche Defa angeht: Hier soll das Festival drei Schwerpunkte bieten, wie Christian Wehmeier erläuterte. – Eine Werksschau der Regisseurin Iris Gusner, dazu Produktionen der sogenannten vierten Generation sowie Kinder- und Jugendfilme. Iris Gusner sei ungemein erfolgreich gewesen, denke man an „Wäre die Erde nicht rund“ als eines der meistverkauften Defa-Werke. Oder „Die Taube auf dem Dach“ als einer der bekanntesten Filme, wie Falko Bögelein sagte. Die „Taube“ wurde 1973 verboten, das Filmmaterial im Studio vernichtet – weil mit dem Werk nach Ansicht der Zensoren „der Arbeiterklasse ins Gesicht gespuckt“ worden war. Anhand einer Arbeitskopie sei später eine restaurierte Fassung gelungen, sagte Christian Wehmeier. „Das ist eine der unglaublichsten Verschollenheitsgeschichten.“

Einen besonderen Reiz wird wie im Vorjahr das Gespräch mit Schöpfern der Werke ausmachen. So können Besucher etwa zur Eröffnung des Festivals am 12. Juni mit Jaeckie Schwarz ins Gespräch kommen, den man aus dem „Polizeiruf 110“ kennt oder auch aus Konrad Wolfs 1967er Film „Ich war 19“ (der am gleichen Abend läuft). Gäste sind zudem an anderen Tagen Vertreter der „vierten Generation“ – Evelyn Schmidt („Der Hut“), Helke Misselwitz (unter anderem „Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann?“), Jörg Foth („Letztes aus der Da Da Er“) und Herwig Kipping („Das Land hinter dem Regenbogen“).

Im 30. Jahr nach der friedlichen Revolution bleibe doch zu konstatieren, dass bis auf Andreas Dresen keiner der wichtigen jungen DDR-Regisseure im wiedervereinigten Deutschland die ganz großen Erfolge landete, sagte Christian Wehmeier. „Das ist das Bittere an dieser Sache.“ Doch stellten jene zum Ende der DDR hin oder kurz danach herausgebrachten Filme heute keine Ostalgie dar, sagte Falko Bögelein. „Das waren Blicke auf den Verfallsprozess.“

Nur hätten jene Filme dazumal rasch als „nicht mehr aktuell“ gegolten, indessen erst später klar geworden sei, dass sich darin die Wendezeit spiegelte.

Für den Schwerpunkt der Kinder- und Jugendfilme freut sich das Festival-Team, mit Christa Kozik eine Kinderbuchautorin als Gast begrüßen zu können, die die Drehbücher zu drei Filmen des Festivals schrieb: „Moritz in der Litfaßsäule“ (1983), „Sieben Sommersprossen“ (1978) und „Gritta von Rattenzuhausebeiuns“ (1985).

Julia Bierau vom Offenen Kanal Jena (OKJ) bietet dazu medienpädagogische Betreuung. Falko Bögelein sagt: „Die sind einfach schön, diese Kinderfilme.“

Mehr Informationen zu Programm und Karten: www.paradies-film-festival.de

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