Guntram Vesper mit 79 Jahren gestorben

Göttingen/Erfurt.  Der aus der Kleinstadt Frohburg bei Leipzig stammende Schriftsteller Guntram Vesper ist verstorben. Für sein Werk war er vielfach geehrt worden.

Vor vier Jahren las Guntram Vesper bei der Erfurter Herbstlese. Nun ist er im Alter von 79 Jahren verstorben (Archivlbild).

Vor vier Jahren las Guntram Vesper bei der Erfurter Herbstlese. Nun ist er im Alter von 79 Jahren verstorben (Archivlbild).

Foto: Swen Pförtner / dpa

Vor vier Jahren las er bei der Erfurter Herbstlese aus seinem Roman „Frohburg“, und ich hatte das Vergnügen, das Gespräch zu moderieren. „Ich lese 45 Minuten“, sagte er, „und wenn Sie ,Heidrun’ hören, kommen Sie zu mir rauf!“ Heidrun sei der Vorname seiner Frau. Er las, ich wartete, doch Heidrun kam nicht. Guntram Vesper war so in sein Werk vertieft, dass er wohl noch Stunden weiter gelesen hätte, wenn ich nicht von allein auf die Bühne gekommen wäre.

Der aus der Kleinstadt Frohburg bei Leipzig stammende Romancier ist am Donnerstagmorgen in Göttingen mit 79 Jahren gestorben.

Vesper war eine Legende. Er hatte schon vor der Gruppe 47 gelesen, war für sein Werk vielfach geehrt worden. Doch am wichtigsten war ihm der Preis der Leipziger Buchmesse, den er 2016 für die literarische Chronik „Frohburg“ erhielt.

Neun Jahre hatte er daran gearbeitet. „Ich schrieb auf dem Laptop, habe nie etwas ausgedruckt“, erzählte er. „Mit einmal ging das Ding kaputt, und alles war weg.“ Die Datei wurde wiederhergestellt, doch ausgedruckt hat das Manuskript 2015 erstmals sein Verleger: 1600 Seiten!

In „Frohburg“ ist alles drin, was das Leben in den 40er- und 50er-Jahren geboten hat: Tragik und Komik, Trauer und Hass, Resignation, Hoffnung und viel Humor. Vesper, der mit 16 der Familie in den Westen gefolgt war, las die Episode vom obereichsfeldischen Küllstedt, wo nach Kriegsende sieben Dorfbewohner vom NKWD liquidiert werden, weil sie plündernde polnische Fremdarbeiter verprügelten. Die Polen waren Russen. Vesper las von seiner geliebten „Quadfliegmaschine“, einem Kofferplattenspieler. Und süffisant schilderte er die Schussfahrt des Frohburger Tierarztes mit seinem nagelneuen Opel „Doktorwagen“.

Und wie haben die Frohburger den Roman aufgenommen?, fragte ich. Der Bürgermeister war begeistert, erhoffte sich einen touristischen Aufschwung. Tatsächlich bietet man heute, von Leipzig aus, literarische Führungen zu den Handlungsorten des Romans an.