Kultsänger Heino: „Ich wollte den jungen Leuten zeigen, dass ich auch Rock kann“

Gera/Suhl.  Heino wechselt 2020 erneut das Genre und geht auf Klassik-Tour mit Stopps in Thüringen. Auch Popsongs will er wieder präsentieren.

Sänger Heino und der junge Violinist Yury Revich gehen 2020 gemeinsam auf  Tournee unter dem Motto „Heino goes Klassik“.

Sänger Heino und der junge Violinist Yury Revich gehen 2020 gemeinsam auf Tournee unter dem Motto „Heino goes Klassik“.

Foto: Jens Kalaene / dpa

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Sänger Heino, inzwischen 81 Jahre alt, ist des Tourens längst nicht müde. In diesem Herbst gibt er deutschlandweit 20 Konzerte, zwei davon in Thüringen: am 7. Oktober in Suhl und am 9. Oktober in Gera. Ein Gespräch über sein Rock-Intermezzo, seinen erneuten Genrewechsel hin zur Klassik und seine Kritiker.

Guten Morgen, Heino! Es ist dreiviertel zwölf. Ihr Manager meinte, man solle nicht zu früh anrufen, da Sie Langschläfer seien. Gehen Sie so spät schlafen?

Nein, mein Arzt meint nur: „Heino, ab 80 musst du lange schlafen und viel Wasser trinken.“ Und das beherzige ich. Spaß bei Seite: Ich war immer ein Langschläfer, denn wir Künstler sind oft durch Veranstaltungen noch spät unterwegs.

Sie touren ab Oktober wieder. Hat der Arzt keine Bedenken?

Nein, ich bin zwar 81, fühle mich aber wie 41. Ich habe keine Wehwehchen und bin sehr froh, dass ich noch immer singen kann und singen darf. Außerdem muss ich die Abende diesmal nicht allein bestreiten. Ich habe einen der weltbesten Violinisten an meiner Seite: Yury Revich.

Stimmt es, dass seine Stradivari einen eigenen Bodyguard hat?

Die Stradivari ist, glaube ich, für acht Millionen versichert. Da muss man jemanden haben, der darauf aufpasst, wenn sie zum Beispiel allein in der Garderobe liegt.

Sie vollführen für die Tour erneut einen gewaltigen Genrewechsel. 2013 switchten Sie vom Schlager zur Rockmusik. Nun wechseln Sie zur Klassik. Warum diese Neuausrichtung?

Ich habe mit Klassik in den 60er-Jahren angefangen. Dann habe ich mich jedoch dem Volkslied gewidmet, weil damals sehr wenig deutschsprachige Musik von den Radioanstalten gesendet wurde. Der Erfolg hat mir Recht gegeben. Dann kam Dieter Thomas Heck mit der „Hitparade“; und auch auf diesem Markt wollte ich eine Rolle spielen. Also haben wir „Schwarze Barbara“, „Enzian“, „Mohikana“, „Karamba“ oder „Hey Capello“ als Schlager komponiert. Und nach so vielen Jahren im Schlager-Business wollte ich schließlich auch mal Rock machen. Ich wollte den jungen Leuten mal zeigen, dass ich das auch kann. Meine Frau Hannelore sagte nur: „Du bist verrückt!“

Mit dem Album „Mit freundlichen Grüßen“ haben Sie gleich Rekorde gebrochen. Es wurde innerhalb der ersten drei Tage so oft heruntergeladen wie kein deutschsprachiges Album vor ihm.

So ist es. Aber jetzt ist diese Ära vorbei. Wobei ich bei der Tournee auch einzelne Titel wie „Junge“ von den Ärzten und „Sonne“ von Rammstein spielen werde, dann allerdings im klassischen Gewand. Ich werde auch den „Enzian“ oder die „Schwarze Barbara“ singen – aber eben alles neu arrangiert. Denn wir haben ja immerhin zehn Geigen dabei, vier Celli, vier Bratschen, zwei Kontrabässe plus meine Band.

Sie standen mit Rammstein in Wacken auf der Bühne. Haben Sie im Nachhinein auch von den anderen Popmusikern, die sie gecovert haben, Reaktionen erhalten?

Nein. Die einzigen, die professionell waren, waren Rammstein. Die Jungs haben den Erfolg gesehen und sich richtigerweise gesagt, davon wollen wir noch ein bisschen was haben. Das gemeinsame Konzert war ein Erlebnis! Sie haben mich sehr nett behandelt, respektvoll und tolerant.

Sie wurden von der Kritik nicht immer mit Samthandschuhen angefasst. Wurden aufgrund Ihrer Festlegung auf volkstümliche Musik und Schlager oft Ziel von Hohn und Spott. Hat sich das Verhältnis zu Ihren Kritikern mit Ihrer Neuausrichtung verändert?

Nein. Diese Art von Kritiker wird es immer geben. Man kann ja machen, was man will. Wenn jemand der Ansicht ist, ich singe eine alte Art von Liedgut, die man heute nicht mehr machen könne, dann ist das seine Sache. Ich hatte damit keine Berührungsängste. Ich bin der Meinung, die Musik kann ja nichts dafür, wenn sie zum Teil missbraucht wurde. Wenn man solche Maßstäbe ansetzt, dann dürfte man auch nicht mehr nach Bayreuth fahren. Denn Wagner war Antisemit. Aber alle großen Politiker ziehen sich fein an und laufen in Bayreuth auf. Da schimpft keiner. Aber wenn Heino Songs singt aus dem 17. Jahrhundert, dann kommen die Kritiker alle wieder zum Vorschein.

Sie gastieren für zwei Konzerte in Thüringen. Hierzulande sind Bach und Liszt die bedeutendsten Komponisten. Bringen Sie auch Stücke von ihnen?

Wir sind mit dem Programm noch nicht so weit. Aber „Der Liebestraum“ von Liszt wäre schon eine Hausnummer.

Die klassische Musik ist recht anspruchsvoll. Haben Sie keine Scheu?

Nein, ich habe ja mal angefangen, Klassik zu studieren. Deswegen weiß ich, wie man Töne ansingt, sie lange hält.

Heino ist mit seinem neuen Programm zu erleben: Suhl: Mittwoch, 7. Oktober, 20 Uhr, Congress Centrum Suhl;

Gera: Freitag, 9. Oktober, 20 Uhr, Kultur- und Kongresszentrum Gera

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