Jenaer Uni-Rektor kontra Staatsbibliotheks-Initiative

Auf die Initiative, die Jenaer Universitätsbibliothek (ThULB) in ihrem Rang aufzuwerten, reagiert der Rektor der Friedrich-Schiller-Universität, Professor Klaus Dicke, mit unmissverständlicher Klarheit: Er hält eine Staatsbibliothek für nicht notwendig.

Aus der Jenaer Universitätsbibliothek (ThULB) könnte eine Staatsbibliothek werden. Universitäts-Rektor Professor Klaus Dicke sieht dafür keine Notwendigkeit. Foto: Thomas Beier

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Jena. Auf die Initiative, die Jenaer Universitätsbibliothek (ThULB) in ihrem Rang aufzuwerten, hat der Rektor der Friedrich-Schiller-Universität, Professor Klaus Dicke, mit äußerlicher Gelassenheit, aber unmissverständlicher Klarheit reagiert: "Ich sehe keine Notwendigkeit für eine Staatsbibliothek", sagte Dicke am Donnerstag unserer Zeitung. Damit schiebt der erfahrene Wissenschaftsmanager Bestrebungen, die Bibliothek als Einrichtung rechtlich zu verselbständigen und einer unmittelbaren Landeshoheit zu unterstellen, energisch den Riegel vor. Die Funktionalität seiner Hochschule dürfe nicht gefährdet werden, mahnte Dicke.

Dass die ThULB, die seit 1991 auch die Aufgaben als Landesbibliothek erfüllt, inzwischen mehr als die Hälfte ihrer Ressourcen für übergeordnete Aufgaben einsetze, hält Dicke für eine Chimäre. Seiner Auffassung nach arbeite sie vor allem als Dienstleisterin für die Wissenschaftler und Studierenden der Jenaer Universität. Bibliotheksdirektorin Sabine Wefers hatte von 80 Prozent Einsatz für Externes gesprochen. Das unterziehe man derzeit einer dezidierten Prüfung, sagte der Rektor. Dicke: "Wir müssen uns vergewissern, wie die Wirklichkeit aussieht."

Den Aufbau des Digitalisierungszentrums und die Arbeiten für Museen und Staatsarchive begrüßt Dicke indes ausdrücklich. "Die Digitalisierung von Thüringer Kulturgut ist doch eine sinnvolle Angelegenheit." Zurzeit sei für diese Aktivitäten ein Konzept im Rahmen einer "Strategie 2020" in Vorbereitung, mit der man die Positionierung der Jenaer Universität in der künftigen Wissenschaftslandschaft definieren will.

Kein Zentralismus

Auch gegen Kooperationen unter den Thüringer Hochschulbibliotheken hegt der Politikwissenschaftler keinerlei Einwände. Die gebe es ja bereits in Bereichen, die sich als sinnvoll erwiesen haben. So ist die Jenaer ThULB zum Beispiel federführend, wenn es um die Beschaffung von elektronischen Fachzeitschriften oder um Konsortialverträge etwa mit Software-Anbietern gehe.

Weitere Synergien hält Dicke für denkbar und wünschenswert. Die Landesrektorenkonferenz habe nun eine Kommission mit auswärtigem Sachverstand ins Leben gerufen, um Vorschläge zu machen. Einer wissenschaftlichen Zentralbibliothek bedürfe es in Thüringen nicht. Die letzte Entscheidungsgewalt darüber liegt bei der Landesregierung.

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