Schwierige Tarifverhandlungen am Theater Altenburg/Gera

Mit einem offenen Brief wehren sich die Schauspieler und Puppenspieler des Theaters Altenburg/Gera gegen den befürchteten Totalabbau ihrer Sparten.

Gera. Das sei ihnen als einzige Alternative zu einem neuen Haustarifvertrag angedroht worden, sagte Manuel Kressin, einer der Wortführer der Initiative, am Montag unser Zeitung.

Das Theater wird trotz leichter Anhebung seiner Grundfinanzierung ab 2013 eine Deckungslücke von 2,1 Millionen Euro jährlich kompensieren müssen. Das bestätigte der Aufsichtsratsvorsitzende der Trägergesellschaft, Geras Oberbürgermeister Norbert Vornehm (SPD), am Montag. Von einer Spartenschließung oder dem Abbau von Orchesterstellen will er allerdings nichts wissen. "Das ist kompletter Unsinn", sagte Vornehm, "und überhaupt nicht der Sache dienlich."

Damit meint er die jetzt anstehenden Tarifverhandlungen, die bis Sommer abgeschlossen sein müssen. Klar ist: Die Theaterträger wollen abermals einen Haustarif durchpauken, um alle fünf Sparten zu retten. Bei Personalkosten von etwa 16 Millionen Euro für 300 Mitarbeiter bedeute dies einen anzustrebenden Abschluss von 12,5 Prozent unterhalb der geltenden Flächentarife, überschlägt Vornehm die Kalkulation. "Ich sehe überhaupt nicht, dass das nicht erreichbar sein sollte", meint er.

Ob die Theatermitarbeiter und ihre Gewerkschaften mit diesem erheblichen Gehaltsverzicht einverstanden sind, ist eine andere Frage. Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV), die die Mitglieder der Altenburg/Geraer Philharmonie vertritt, hält Haustarife nur für eine Übergangslösung, um die Konsolidierung eines Theaters zu unterstützen. In Ostthüringen währt der zu Silvester 2012 endende Haustarif bereits seit acht Jahren; seit 2001 behilft man sich mit solchen Konstrukten.

Am Ende läuft alles auf die Kernfrage hinaus, ob der Erhalt des Theaters auf dem Rücken seiner Beschäftigten erkauft werden soll. Geht es hart auf hart, müssten sonst mindestens 40 Stellen gestrichen werden: vermutlich 20 von derzeit 78 im Orchester sowie die Schauspiel- und Puppentheater-Ensembles komplett. Fast erscheint es dabei nachrangig, ob man die Folgekosten eines solchen Abbaus einkalkuliert hat. Die Abfindungen für betriebsbedingt gekündigte Musiker rangierten voraussichtlich in siebenstelliger Größenordnung.

Ein Kompromiss könnte darin liegen, dass die Theaterträger ihre Zuwendungen einen weiteren Schritt weit erhöhen. In diesem Fall zöge auch das Kulturministerium entsprechend seinem 59-prozentigen Finanzierungsanteil mit. "Das ist eine Perspektive, die man intelligent nutzen kann", sagt Vornehm. Zugleich schließt er vorsorglich aus, dass das Geraer Stadtsäckel eine höhere Theaterförderung hergäbe. Die Idee, die Landkreise Greiz oder Saale-Holzland als weitere Träger mit ins Boot zu holen, entspricht hingegen eher politischem Wunschdenken.

Auf das Theater Altenburg/Gera und seinen Intendanten Kay Kuntze kommen also schwierige Verhandlungen zu. Als Ergebnis droht ein existenzielles Desaster. Denn mit einem so straff reduzierten Orchester und ohne Sprech- und Puppentheaterensemble wäre man kaum noch in der Lage, zwei Städte mit Kunst zu versorgen. Dann würde zumal das Altenburger Haus, wie die Schauspieler in ihrem offenen Brief befürchten, zur reinen Bespielbühne, an dem der eine oder andere vorbeirollende Thespiskarren mal Halt macht.

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