Kunstpause: Dialog mit meiner Urenkelin (5)

Frank Quilitzsch sucht noch einmal Kontakt in die Zukunft.

Frank Quilitzsch

Frank Quilitzsch

Foto: Andreas Wetzel

Wie lange habe ich nicht mehr mit meiner Urenkelin gechattet? Der letzte Kontakt zu der hundert Jahre nach mir Geborenen liegt fünf Monate zurück, und er war auch nur kurz. Ehrlich gesagt, ich habe Hemmungen, sie mit meinen Fragen zu belästigen. Ihre Generation ist es ja, die unsere Fehler und Versäumnisse ausbaden muss. Ausbaden, im wahrsten Wortsinn!

Ich tue es trotzdem, wähle „FilipaQ2057“ und warte. Nach zwei Tagen plötzlich das erhoffte Lebenszeichen: „Hallo, Urgroßvater!“

„Hallo Filipa! Wie geht es dir?“

„Ich bin wohlauf. Aber insgesamt geht es uns nicht gut. Gerade hat ein Hurrikan wieder eine Küstenstadt versenkt...“

„Um Gottes willen – welche?“

„Das darf ich dir nicht sagen. Aber du weißt doch selbst, wohin der Temperaturanstieg führt. Und das hemmungslose Wachstum. Wir werden stetig mehr, und unser Lebensraum wird immer kleiner. Aus welchem Jahr rufst du mich eigentlich an, Urgroßvater? Ah, 2020. Da war doch, Moment, mein Chip hat es gleich...“

„Corona.“

„Richtig, dieses Virus.“

„Bekommen wir bald einen Impfstoff?“

„Hör bitte auf, mich nach Details aus der Zukunft zu fragen, die sind tabu.“

„Aber vielleicht kannst du uns wenigstens einen Rat geben, Filipa. Du weißt schließlich, was kommt.“

„Ja, vielleicht. Warte, ich sehe da etwas im Archiv… Sag mal, kennst du einen gewissen Sven Plöger?“

„Meinst du den Wetterfrosch?“

„Ja, euren TV-Wettermoderator. Er hat ein Buch über den Klimawandel geschrieben und Folgendes gesagt: ,Wir dürfen nicht den Fehler machen, uns nur von einer fünf Meter hohen Tsunami-Welle – der Corona-Krise – in Sicherheit zu bringen und dabei die 500 Meter hohe Welle – den Klimawandel – zu übersehen, die sich bereits am Horizont auftürmt. Der Klimawandel ist wie ein Asteroiden-Einschlag in Superzeitlupe.’ Was soll ich sagen? Dieser Plöger hat recht, wir bekommen die Auswirkungen mit voller Wucht zu spüren.“

„Es tut mir leid, Filipa.“

„Es muss dir nicht leid tun, Urgroßvater. Handle endlich!“

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