Kunstpause: Ein Porno in Peking

Frank Quilitzsch über eine sehr spezielle Einheitsfeier.

Frank Quilitzsch

Frank Quilitzsch

Foto: Andreas Wetzel

Na, haben Sie einen Kater? Vom vielen Feiern am Samstag?

Ich hatte kurz überlegt, ob ich meine Urenkelin Filipa kontaktiere und sie frage, ob man 2050 immer noch den Tag der deutschen Einheit begeht, den 60. dann. Doch ich hätte Schwierigkeiten gehabt, ihr zu erklären, was das ist, eine „Einheit“.

Für uns war es ja eher ein Beitritt. Aber den Tag des ostdeutschen Beitritts zu feiern, ging natürlich nicht, es würde ja die Westdeutschen vom Jubel ausschließen.

Die Sieger der Geschichte hatten schon beim Mauerfall das Nachsehen, da wurden sie vom Trabi überrollt. Vielleicht könnte man, mit ein bisschen mehr Abstand, den historischen Prozess wie folgt zusammenfassen: Die heldenhaften Verlierer sind zu den Gewinnern übergelaufen, die ihre starken Arme ausstreckten und sie liebevoll pressten.

Ich frage mich, wo ich am Tag der Wiedervereinigung gewesen bin. Ich erinnere mich an den Mauerfall, den wir ahnungslos hinter der Großen Mauer in China verbrachten. Zum Tag der Währungsunion waren wir zurück, fuhren mit der S-Bahn nach Westberlin, um unserem Sohn ein italienisches Eis und uns ein DDR-Buch zu kaufen, das im Osten vergriffen war: Franz Fühmanns „Die dampfenden Hälse der Pferde beim Turmbau zu Babel“.

Ich blicke in mein Tagebuch und stelle erstaunt fest, dass es am 11. September 1990 endet. Der letzte Eintrag: Ich war noch mal in Peking, um der Deutschabteilung abzusagen und die Umzugskisten zu packen. Am Abend luden mich die Brüder vom Deutschen Akademischen Austauschdienst zu einem Umtrunk ein. Es waren tatsächlich nur Männer, und einer von ihnen hatte eine Porno-Kassette durch den chinesischen Zoll geschmuggelt. Eigentlich hätte ich die nächsten zwei Jahre mit ihnen unterrichten sollen, nun sahen wir nur gemeinsam den Film, der auch von Vereinigung handelte. In einem Supermarkt fuhren langzopfige Mädchen in kurzen Röckchen auf Rollschuhen an vollen Regalen entlang. Immer wenn sie sich nach einem Produkt bückten, sah man ihren blanken Po.

Ach, dachte ich damals. Das wird schön…