67-Jährige Autorin aus Zeulenroda über Erotik, Liebe und Sex

Regina Sehnert aus Zeulenroda schreibt unter dem Autorennamen Anabella Freimann über Erotik, Liebe und Sex. Sechs Bücher hat die 67-Jährige bisher veröffentlicht.

Anabella Freimann liest am 17. Mai in der Bibliothek aus ihrem Buch "Herbstlust".  Foto: Ute Flamich

Anabella Freimann liest am 17. Mai in der Bibliothek aus ihrem Buch "Herbstlust". Foto: Ute Flamich

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Zeulenroda-Triebes. "Ich war immer die brave Tochter, die brave Ehefrau, die brave Mutter und die brave Lehrerin. Ich habe nur für andere gelebt. Erst mit 48 Jahren bin ich munter geworden. Und zwar so munter, dass ich auch gleich mal über den Nestrand geguckt habe", sagt Regina Sehnert.

Die heute 67-Jährige, die aus Lippersdorf stammt und seit 2011 in Zeulenroda lebt, schreibt seit fast zehn Jahren unter dem Autorennamen Anabella Freimann über das Leben, die Liebe, Erotik, Sex und mehr. Sechs Bücher hat sie seit Oktober 2004 publiziert, das letzte ist vor wenigen Tagen bei Tredition Hamburg erschienen. Es trägt den Titel "Endlich Freyja!" Fast drei Jahre habe sie an dem Frauenroman gearbeitet, einer erotischen Liebes-Lebens-Geschichte.

Dass sich Regina Sehnert getraut hat über Erotik und Sex zu schreiben, habe sie Freundschaften gekostet, sie musste Unverständnis und Ablehnung einstecken. Längst aber ist sie mit sich im Reinen und kann sagen: "Es interessiert mich nicht mehr, was die anderen von mir denken." Sie ärgere es nur, dass Erotik meist mit Porno gleichgesetzt wird. "Porno ist für mich, wenn es nur zur Sache geht und einschlägiges Vokabular wie die F-Wörter verwendet werden." Ihre Bücher dagegen leben von Erotischem, von Sinnlichkeit, Sehnsüchten und Liebe. "Und die Handlungen fließen immer in eine Geschichte ein, das finde ich wichtig", sagt Regina Sehnert, die in ihren Büchern Erfundenes, aber auch eigene Erlebnisse festhält. Doch letztlich ist es ihrem Lebenslauf zu verdanken, dass sie sich als Autorin für erotische Literatur versuchte.

"Wie gesagt, ich komme aus den Tälerdörfern, meine Eltern hatten eine Landwirtschaft. Aufgeklärt wurde ich nie. Als es um meinen Beruf ging wollte mein Vater, dass ich Geflügelzüchterin werde, meine Mutter, dass ich Lehrerin werde und ich wollte Kindergärtnerin sein", erzählt sie, die schließlich von 1961 bis 1963 in Crossen an der Elster und in Gera am Institut für Lehrerbildung studierte. 1964 nahm sie ihre Tätigkeit als Grundschullehrerin in Auma auf und heiratete im selben Jahr ihren Mann, den sie während eines Praktikums in Auma kennengelernt hatte. Ein Jahr später wurde die erste Tochter Petra geboren. 1966 kam Sabine zur Welt, 1968 Sohn Thomas und 1974 Tochter Karin.

Das Jahr 1967 veränderte Regina Sehnerts Leben komplett. Eines Morgens ging sie ins Zimmer ihrer Zweitgeborenen und entdeckte die Einjährige tot in ihrem Bettchen. "Wahrscheinlich ist sie an plötzlichem Kindstod gestorben. Und ich bin mit mir nicht mehr klargekommen und habe mich immer wieder gefragt, was für eine Mutter ich bin, weil ich doch nichts gehört habe." Daraufhin hat sie Tinnitus und einen Hörschaden bekommen, hat sich eingeredet, dass sei ihre Strafe.

Mehr als 30 Jahre habe sie die Trauerarbeit verdrängt, sich erst dann in psychologische Behandlung begeben. So sei sie unter anderem 1998 zur Kur in St. Wendel im Saarland gewesen. Dort habe sie angefangen, zu malen und zu schreiben. Zunächst seien ihr Märchen, kurze Geschichten und Gedichte eingefallen, bis sie im Oktober 2004 ihr erstes Buch "Darüber schreibt man nicht" im Engelsdorfer Verlag publizierte – ihre erste erotische Lektüre.

Von da an hat sich ihr Leben erneut stark verändert. Sie verließ im gegenseitigen Einvernehmen mit ihrem Mann die Heimat – also ohne sich von ihm zu trennen – und zog nach Berlin. "Es war das erste Mal, dass ich einen Mietvertrag unterschrieben, mir selbst Möbel ausgesucht und eingerichtet habe", erzählt sie, die eine 38 Quadratmeter große Wohnung am Kudamm bezog. "Ab da habe ich noch einmal angefangen zu leben, habe meine gar nicht brave Junggesellinnenzeit nachgeholt und dort einen Job als Babysitter bei einer Anwaltsfamilie übernommen".

2007 aber kehrte Regina Sehnert zurück nach Thüringen, zurück zu ihrem Mann. Dass dort in Berlin immer noch ein "Koffer" von ihr steht, toleriert er und dafür liebt sie ihn auch besonders. "Ich habe immer gedacht, dass wenn ich schreibe und schreibe und meine Bücher mit Erotik fülle, dass ich danach die ruhige und brave Ehefrau bin. Aber so war es nicht", sagt sie und schmunzelt. "Ich werde wohl immer die unruhige Herbstfrau bleiben mit der Sehnsucht nach der Großstadt und der Freiheit."

Sie plant, künftig "mal was richtig Erotisches" zu schreiben und hat noch ein ganz anderes Projekt in der Schublade. "Ich schreibe mein Leben als Lehrerin auf. Tja, und dann würde ich gern mal Kindergeschichten schreiben."

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