„Ich habe Krebs“

Ilmenau (Ilm-Kreis). Fernsehmoderatorin Susanne Klehn stellte in der Stadtbibliothek ihr Buch vor und wie sie die heimtückische Krankheit besiegte.

Susanne Klehn während der Lesung in der Ilmenauer Stadtbibliothek. Foto: Karl-Heinz Veit

Susanne Klehn während der Lesung in der Ilmenauer Stadtbibliothek. Foto: Karl-Heinz Veit

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„Die „berühmten drei Worte“, die gerade in dieser Jahreszeit von Liebenden wie eine beschwörende Offenbarung gesagt werden, waren es an diesem Frühjahrsleseabend in der Stadtbibliothek nicht. Fernsehmoderatorin Susanne Klehn benutzte das Bild der „Drei Worte“ als Schlüsselsatz ihres Buches „67 Prozent vom Glück“.

An Max, ihren Liebhaber, tippte die junge, verheiratete Frau, die soeben eine furchtbare Diagnose gestellt bekam, die Nachricht: „Ich habe Krebs“. Dieser Satz in seiner vielschichtigen und tausend Fragen aufwerfenden Bedeutung ist Dreh- und Angelpunkt ihrer Erzählung aus dem wahren, aus ihrem eigenen Leben. Erst am Montagnachmittag konnten Fernsehzuschauer im MDR nachmittags um 4 die Moderatorin sehen und über Promigeschichten plaudern hören. Da sagte sie, dass sie morgen eine Lesung haben wird und dann nach Wien reist, dort vom „ESC“ berichtet.

Putzmunter, schmaler, größer und schlanker, als sie auf dem Bildschirm erscheint, zeigt sie sich auf dem Lesepodium und beginnt munter zu erzählen, dass augenblicklich eine Atmosphäre von offener Vertrautheit entsteht. Mit Freude über sich selbst registriert sie, wie sie ihre Augenblickssituation vor Lesebeginn ganz spontan mit dem Satz ausdrückte: „Ich schmeiße mich jetzt mit meiner Geschichte nackt vor ihnen hin!“

Das Publikum lacht herzerfrischend. „Das werde ich jetzt bei jeder Lesung so machen!“, reagiert Susanne Klehn. Noch mehrmals am Abend zeigt sie ihre Fähigkeit zuzuhören, situativ reagieren und mutig viel von sich Preis zu geben, um mehr über sich zu erfahren.

Bei aller Dramatik auch ein Batzen Humor

Es sei ein ernstes Thema, über das sie geschrieben habe: „Bei aller Dramatik beinhalten die Geschehnisse aber auch einen Batzen Humor. Ich versuchte Beides zusammenzubringen.“ Das Ernste ist die Krankheit Hautkrebs, mit einer Überlebenschance von 67 Prozent. Das sei ein guter Wert zum Weiterleben und gesund werden, meinte der junge Krebsarzt. Die Möglichkeit, unter ein Auto zu geraten, sei größer, scherzte er.

Das heiter Humorige in der Erzählung von Susanne Klehn über sich und ihren Weg mit der Krankheit und aus dieser heraus, ergibt sich aus den Schilderungen der eigenen Befindlichkeiten und den äußeren Umständen. Mit einem selbstironisch gütigen Blick auf sich und die eigenen Schwächen – „ich habe mein ganzes Geld ver-shoppt und meine außerhäusige Affäre mit Max brachte mich in Zwiespalte“ – gibt sie Einblicke in ihre durch den Krebs aus dem Gleis geratene Lebenswelt.

Krankheit, wieder gesund geworden, mehrfach verliebt, verheiratet, getrennt, geschieden, ein- und ausgezogen, Partys gefeiert und Todesängste ausgestanden, Freunde schätzen gelernt und sich von falschen getrennt – ist im Buch lebensprall und persönlich dargestellt.