OTZ-Musikkritiker und Autor Volker Müller legt Debütroman vor

Im Gespräch mit dem Greizer Schriftsteller über sein neues Buch „Corvette Menz“ – ein facettenreicher Liebesroman.

Der Greizer Schriftsteller Volker Müller wird am 2. Februar in der Buchhandlung Bücherwurm seinen Debütroman vorstellen. Foto: Friedhelm Berger

Der Greizer Schriftsteller Volker Müller wird am 2. Februar in der Buchhandlung Bücherwurm seinen Debütroman vorstellen. Foto: Friedhelm Berger

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Herr Müller, die Titelfigur Ihres Romans heißt Corvette Menz. Was widerfährt der Protagonistin?

Sie wohnt mit ihrem Vater zusammen, einem Menschen, den man in der fiktiven Kleinstadt Borkenste als Professor bezeichnet. Sie lebt mit ihm in bescheidenen Verhältnissen und trifft durch einen Zufall einen Jugendfreund wieder: Lenart Treibmann, der in wesentlich besseren Verhältnissen lebt.

Der Leser stößt also auf eine Liebesgeschichte?

Ja, der Roman ist in erheblichen Teilen eine Liebesgeschichte. Die beiden kommen sich näher, gehen eine Beziehung ein. Und das wirft, ungeachtet der heutigen Verhältnisse, doch einige Probleme auf.

Eine Romeo-und-Julia-Story?

Das ist vielleicht zu viel gesagt, aber die Mutter von Lenart möchte, dass ihr Sohn mehr wird als ein normaler städtischer Beamter. In diesem Zusammenhang findet sie auch die Partnerwahl nicht günstig.

Wann spielt Ihr Roman?

Er spielt in der jüngeren Gegenwart – zwölf Jahre nach einer gravierenden gesellschaftlichen Umwälzung. Ich habe mich bemüht, bestimmte gängige Begriffe wie Wende zu vermeiden. Im Sinne der Verfremdung.

Spielen Umwälzung und Folgeerscheinungen eine Rolle im Roman?

Die Eltern, der Vater von Corvette Menz und Mutter und Vater Treibmann, sind wesentlich durch diesen Umbruch geprägt.

Sie sind diese Woche 65 geworden. War es erklärtes Ziel, dass zum Jubiläum Ihr erster Roman vorliegt? Bisher sind Sie ja unseren Lesern als Konzert- und Opernrezensent bekannt, haben zudem Erzählungen, Künstlerpublikationen und Theaterstücke verfasst.

Das zeitliche Zusammentreffen ist Zufall. Das Buch ist im Zeitraum von zehn Jahren entstanden. Ich habe allein vier Jahre zum stilistischen Überarbeiten, zum Feilen, gebraucht. Die Sprache sollte sich abheben vom normalen Journalisten-Alltagsdeutsch.

Hat die Geschichte selbst einen ähnlichen Reifungsprozess hinter sich? Oder war sie Ad hoc da?

Es gab zwei, drei Szenen, die standen mir ein ganzes Stück, bevor ich angefangen habe zu schreiben, vor Augen.

Verraten Sie uns eine dieser Szenen?

Zum Beispiel, dass ein Literaturprofessor abends seiner Tochter eine Novelle erzählt und sich mit ihr darüber unterhält, eine Novelle vielleicht aus dem 19. Jahrhundert. Aus diesen Szenen hat sich der Roman allmählich entwickelt. Zum Schluss sind da Dinge eingeflossen, an die habe ich am Anfang nie im Traum gedacht, beispielsweise wirtschaftliche Aspekte und Verwaltungsgeschichten.

Ihr Roman ist also nicht allein eine Liebesgeschichte?

Die Leser werden sich unter Umständen fragen, ob das ein Frauen- oder ein Liebesroman ist, ein Bürokratieroman oder Wirtschaftskrimi. Es ist von allem etwas.

Kann man darin auch Greizer Bezüge finden?

Die Greizer haben schon bei meinen zwei Erzählbänden des Öfteren Vermutungen angestellt, mal mehr, mal weniger zutreffend. Beim Roman dürfte das ein bisschen schwerer fallen, weil selbst die Landschaften aus verschiedensten Gegenden und Eindrücken zusammengesetzt sind. Es gibt eine einzige Sachen, auf die man direkt kommen kann. Dass zu Romanbeginn in dieser Kleinstadt ein soziokulturelles Theaterprojekt startet.

Der Greizer Theaterherbst.

Das kann und will ich nicht leugnen. Das hat mich inspiriert und ich bin froh, dass es in dem Buch gut ausgeht, dass es trotz anfänglicher Schwierigkeiten ein Erfolg wird und dass sogar einer der größten Gegner zum Schluss dort mitarbeitet.

Arbeiten Sie eigentlich schon am nächsten Projekt?

Wie schon in den Jahren zuvor arbeite ich an mehreren Manuskripten. Ein neuer Erzählungsband ist in Vorbereitung sowie ein Band mit meinen Essays. Es gibt auch einen bereits fertig geschriebenen, aber noch nicht ausgefeilten Roman. Der spielt ebenfalls in der Provinz und greift noch weiter in die Vergangenheit zurück, bis in die 1920er- und 1930er-Jahre.

Borkenste, Corvette Menz, Seenland – wie entstehen die fiktiven Orts- und Figurennamen?

Das sind spontane Einfälle, die ich dann hinterher überprüfe, ob sie nicht doch existieren.

Wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen?

Als Oberschüler und Student, doch damals habe ich alle halbe Jahre alles verbrannt.

Das ist ja schrecklich.

Ich habe dann eine Schreibpause von fast 20 Jahren eingelegt. Im Prinzip bin ich durch den Journalismus wieder dazu gekommen. Danach war es anders. Seither freue ich mich oft, wenn ich nach längerer Zeit in ein Manuskript schaue und feststelle: Das hast du geschrieben?

Lesungen:

Donnerstag, 12. Januar, 14.30 Uhr, Neuberin-Museum Reichenbach

Donnerstag, 2. Februar, 19 Uhr, Buchhandlung Bücherwurm in Greiz

Volker Müller: „Corvette Menz“. UND-Verlag, Stadtroda, 287 Seiten, 24,90 Euro

Biografisches:

  • Volker Müller wurde 1952 in Plauen geboren.
  • Nach dem Studium in Erfurt arbeitete er zunächst wenige Jahre im Schuldienst. Danach ist er bis zur Wende hauptsächlich als Musiker tätig. Müller spielt Klarinette und Saxofon.
  • Seit 1990 wirkt der inzwischen 65-Jährige als Journalist, Musik- und Theaterkritiker sowie als Schriftsteller. Volker Müller lebt in Greiz.