Mein Weg zur Kunst: Mit Karina Kürsten ein Blick hinter die Maske werfen

Laura Merz
| Lesedauer: 3 Minuten
Karina Kürsten - Maskenbildnerin am DNT Weimar. Aktuell fertigt sie eine Perücke für das Stück "Wie es euch gefällt".

Karina Kürsten - Maskenbildnerin am DNT Weimar. Aktuell fertigt sie eine Perücke für das Stück "Wie es euch gefällt".

Foto: Laura Merz

Weimar.  Karina Kürsten aus Weimar haucht am DNT Figuren mit Schminke, Silikon und Perücken Leben ein.

Die türkisfarbene Perücke lässt an ein elfenhaftes Waldwesen denken. Doch stattdessen knüpft Maskenbildnerin Karina Kürsten sie derzeit für die Rolle der Hofnärrin „Madame Touchstone“ für William Shakespeares „Wie es euch gefällt“ am Deutschen Nationaltheater (DNT) Weimar. Die Maskenbildnerei war aber ursprünglich nicht ihre erste Wahl.

Als sie während der Wendezeit in Dresden ihr Abitur macht, weckte eine Ausschreibung der Semperoper für die Ausbildung zur Kostümbildnerin ihr Interesse. „Aber ich war mit 18 dafür schon ein Jahr zu alt“, erinnert sich Kürsten. Der damalige Chefmaskenbildner ermutigte sie stattdessen zur Friseurlehre mit anschließendem Maskenbild-Studium.

Während der siebenjährigen Ausbildung an der Oper und der Hochschule für Bildende Künste in Dresden eignete sie sich nicht nur künstlerische, sondern auch anatomische und dermatologische Kenntnisse an. Denn diese Kenntnisse braucht eine Maskenbildnerin.

1999 kam sie nach Weimar

Das Kulturstadtjahr lockte sie 1999 nach Weimar. Dort arbeitete sie bereits mit dem jüngst verstorbenen Chef des Weimarer Tanztheaters, Ismael Ivo, zusammen; später auch mit Prominenten wie Opernsängerin Catherine Foster oder Schauspieler Dominique Horwitz. Im Jahr 2005 zog sie schließlich mit Mann und Kind ganz nach Weimar und fühlt sich seitdem dem DNT und der Kulturstadt verbunden.

Karina Kürsten schätzt an ihrem Beruf die künstlerischen Möglichkeiten, Figuren mit Pinsel, Kamm und Silikon zum Leben zu erwecken. Außerdem geht es um Perfektion. „Ich vergleiche den Beruf des Maskenbildners mit dem eines Puppenschnitzers. Auch er verleiht der Puppe ein Gesicht, in dem das Geheimnis eines ganzen Charakters liegt, der sich aber erst am Ende dem Zuschauer vollständig offenbaren darf.“ Diese Kompetenzen gibt sie als Ausbilderin auch an den Nachwuchs weiter.

Rund 60 bis 70 Prozent ihrer Zeit verbringen Karina Kürsten und ihre elf Kolleginnen in der Maske an Echt- und Kunst-Haar. Zwischen zwei und vierzehn Tagen brauchen sie für die Herstellung einer Perücke. Diese sollte nicht schwerer als 500 Gramm sein und verschiedene Haarnuancen haben, um auf der Bühne plastischer zu wirken. Der Rest der Zeit fließe ins Schminken oder die Modellierung von neuen Gesichts- und Körperformen.

Diese stellt Karina Kürsten momentan zum Teil zu Hause statt im Werkraum her. Denn die Mitarbeiter am DNT sind seit dem vergangenen Jahr coronabedingt überwiegend in Kurzarbeit. Der Betrieb am Theater geht dennoch weiter. So wird auch derzeit wieder für „Wie es euch gefällt“ angefertigt, zurechtgemacht und geprobt.

Auf die Frage, ob ihre Arbeit ihren Blick aufs Theater verändert habe, gesteht Kürsten: „Sehr. Wenn ich privat ins Theater gehe, ertappe ich mich oft bei der Frage ‚Wie hätte ich es anders machen können?‘.“

Karina Kürsten hofft darauf, diesen Anspruch bald wieder für ein Publikum, das im Theatersaal sitzt, umsetzen zu können.