Ausstellung

Museum auf der Heidecksburg feiert 100-jähriges

Rudolstadt.  Neue Ausstellung „Von A. Dürer bis Z. Katze. Wunderkammer Heidecksburg“ in Rudolstadt gibt Überblick über alle Sammlungsbereiche

Museumsdirektor Lutz Unbehaun in der neuen Ausstellung "Wunderkammer Heidecksburg" in Rudolstadt vor dem Bildnis von Fürst Victor von Schwarzburg, der 1918 den Grundstein für das Museum legte.

Museumsdirektor Lutz Unbehaun in der neuen Ausstellung "Wunderkammer Heidecksburg" in Rudolstadt vor dem Bildnis von Fürst Victor von Schwarzburg, der 1918 den Grundstein für das Museum legte.

Foto: Ulrike Kern

Der französische Maler Louis Daguerre stellte 1839 in Paris erstmals öffentlich die nach ihm benannte Daguerreotypie vor, eine der frühesten und kommerziell nutzbaren Formen der Fotografie mit durch Quecksilber bedampftes Silberplaque. Nur zehn Jahre später nahm sich auch der 21-jährige Rudolstädter Porzellanmaler Eduard Lösche dieser Technik an, eröffnete 1851 in Rudolstadt das älteste und noch heute im Familienbesitz befindliche Fotoatelier Deutschlands und lichtete seinerzeit mehrere Mitglieder der fürstlichen Familie ab. So auch 1849 Karoline Louise von Schwarzburg-Rudolstadt als betagte Frau in einem Sessel sitzend. Eine kleine Sensation.

Diese alten Fotografien mit ihrer beeindruckenden Detailschärfe sind nur einige von vielen Schätzen und Raritäten, die im Thüringer Landesmuseum Heidecksburg schlummern. Teilweise durch Zufall im Depot entdeckt, teilweise noch nie in einer Ausstellung gezeigt. Wie beispielsweise die Totenmaske aus Gips des letzten Regenten, Fürst Günther Viktor von Schwarzburg-Rudolstadt. Seiner Weitsicht ist es zu verdanken, dass das Museum in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiern. Nun gibt es dazu eine Sonderausstellung in der Gewölbehalle des Nordflügels der Heidecksburg, „Von A. Dürer bis Z. Katze. Wunderkammer Heidecksburg“.

Fürst Günther Viktor verfügte eine dauerhafte Nutzung als Museum

Dabei werden Exponate der verschiedenen Sammlungsbereiche vorgestellt, die gleich einer Zeitreise die Entwicklung vom gräflichen Raritätenkabinett hin zum modernen Landesmuseum dokumentieren. Ein übersichtlicher Zeitstrahl an der Wand hilft den Besuchern bei der Einordnung der einschneidendsten historischen Ereignisse. Von hier aus, so der Wunsch von Museumsdirektor Lutz Unbehaun, sollen sich die Besucher dann die einzelnen Bereiche auf dem Schloss wie die Gemälde- und Porzellangalerie, das Naturhistorische Museum oder die fürstlichen Wohnräume, noch tiefgründiger erschließen.

Kurz vor seiner Abdankung 1918 stellte der kunstsinnige Fürst Günther Viktor (1852-1925) für das Museum entscheidend die Weichen. Er rief eine Stiftung ins Leben und schuf eine juristisch verbindliche Grundlage, wie mit Schloss und den umfangreichen Sammlungen verfahren werden sollte. Er verfügte eine dauerhafte und öffentliche Nutzung als Museum, für Veranstaltungen, Ausstellungen und Sammlungen. Gemeinsam mit der Günther-Stiftung verpflichteten sich kommunale und staatliche Institutionen, das Residenzschloss baulich zu erhalten und sämtliche Kunst-, Natur- und Kulturgegenstände zu pflegen und zu präsentieren. Aus den prunkvollen Wohn- und Residenzräumen der Heidecksburg von einst war somit ein Museum geworden, das 1920 erstmals seine Türen öffnete.

Das könnte Sie auch interessieren:

Bis dato hatte sich über mehrere Jahrhunderte einiges an Raritäten und Schätzen in der „Wunderkammer“ angesammelt. Denn das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt war zwar wirtschaftlich wie militärisch eher unbedeutend, dennoch versuchten die Grafen und späteren Fürsten mit den Mächtigen des Reiches mitzuhalten, sei es durch höfischen Prunk im Schloss-, Garten- und Parkbau oder durch das Anlegen üppiger Sammlungsbestände mit Grafik, Gemälden,Waffen, Büchern, Pflanzen und Tieren, Münzen und Gesteinen. Einige dieser Kostbarkeiten werden nun im Nordflügel präsentiert. Beispielsweise ein Holzschnitt von Albrecht Dürer aus der Folge „Große Passion“ von 1510.

Zu verschiedenen Themenkomplexen sind Begleitveranstaltungen geplant

Oder jene kostbaren mit Gold und Silber verzierten Nautilus-Pokale aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, die präparierte Zibetkatze, die Goldbrosche der Königin Wilhelmina der Niederlande oder auch die bemerkenswerte Japan-Sammlung, die der Regierungs- und Forstrat Hermann Schilling von 1899 bis 1903 während seiner Dienste für den japanischen Kaiser zusammentrug.

Zu den unterschiedlichen Themenkomplexen sind Veranstaltungen geplant. Außerdem ist ein umfangreicher Katalog erschienen.

Die Ausstellung „Von A. Dürer bis Z. Katze. Wunderkammer Heidecksburg“ ist bis zum 29. August 2021 in der Gewölbehalle der Heidecksburgzu sehen.