Band der Woche: „The SiKS“ aus Bad Salzungen haben Spaß an erdbebengleicher Klanggewalt

Bad Salzungen  Neben überbordender Musizierfreude treibt The SiKS ein bemerkenswerter Perfektionismus. Davon zeugt auch ihr erstes in Eigenproduktion hergestelltes Album

The SiKs im Probenraum in Bad Salzungen: v.l.Marcel, Marcus, Hardy, Thomas. Foto: Tatjana Mehner

The SiKs im Probenraum in Bad Salzungen: v.l.Marcel, Marcus, Hardy, Thomas. Foto: Tatjana Mehner

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Es war wohl eine weise Entscheidung, den neuen Probenraum hier zu wählen. Auch wenn die Auswahl in Bad Salzungen alles Andere ist als groß. Doch nach dem engen Vorgängergemäuer wussten sie, was sie nicht brauchten.

Das bunkerartige Objekt, dass sie jetzt bespielen, hat nicht nur Atmosphäre - verschachtelte Gänge, in denen dies und das lagert oder verrottet, und Graffitis, die man auch als Orientierungshilfe nutzen könnte, lässt sich bestens zum Videodreh gebrauchen. Nein, die dicken Betonwände sorgen auch dafür, dass The SiKS weitgehend ungestört proben können. Weitgehend, denn es soll auch schon vorgekommen sein, dass sie mit ihrem satten Sound selbst dieses Gemäuer soweit zum Beben brachten, dass Mitmieter es doch mehr als nur bemerkten. Kein Wunder, jener Alternative Rock oder Metal, den Marcel, Hardy, Marcus und Thomas spielen, braucht irgendwie diese Macht, erdbebenartige Klanggewalt, die Bassist Hardy kokett auch schon einmal damit begründet, dass man mit Lautstärke manches Unvermögen überspielen kann.

Spaß und Perfektion

Die Koketterie können sie sich leisten, denn neben überbordender Musizierfreude treibt sie ein bemerkenswerter Perfektionismus. Davon zeugt auch ihr erstes in Eigenproduktion hergestelltes Album und das muss wohl auch so sein, wenn sich gestandene Männer schließlich an ein solches Bandprojekt wagen - neben Familie und zeitintensiven Jobs. Das braucht nicht nur ein verständnisvolles und begeisterungsfähiges Umfeld, sondern auch bemerkenswerte Energie und Selbstdisziplin. Doch umso bewusster ist wohl das Vergnügen, endlich die eigene Musik machen zu können.

Kindheitstraum Musik

Hardy, 2008 die treibende Kraft hinter der für einige Zeit noch namenlosen Bandgründung, hatte sich kurz zuvor den Traum vom selbst Musikmachen erfüllt. In seiner Jugend war er in der Musikschule noch abgelehnt worden, weil er da zu alt für die reguläre Aufnahme ins System war. Dann dauerte es ein paar Jahre, die er mit Jurastudium und Job offenbar recht gut zu füllen wusste, bis er zum 28. Geburtstag einen E-Bass nebst Verstärker bekam. Nicht nur klischeebedingt - das ideale Instrument für Späteinsteiger. Und zusammen mit dem Stiefsohn meldete er sich an der - nun für alle offenen - Musikschule an.

Sondereinsatz in Krisengebieten

Als schnell klar war, dass sowohl Lernerfolg als auch echtes Vergnügen sich nur mit dem gemeinsamen Musikmachen - angesichts der Instrumentenwahl am besten in einer Band - einstellen würden, suchte er Gleichgesinnte, fand Marcel, the Voice of Death, der vom Sportstudium nach Bad Salzungen zurückgekehrt war, und mit ihm schnell einen gemeinsamen Sound. Diverse Besetzungswechsel brachten 2013 Schlagzeuger Marcus - das war in der Zeit der Namensfindung - in die Band und schließlich Thomas, the Devils Guitar. Damit hoffen The SiKS eine stabile Besetzung gefunden zu haben, bei der gemeinsame Pläne und Chemie stimmen. SiK - Sondereinsatz in Krisengebieten; gesprochen wie im Bandnamen und in die unterschiedlichsten Slogans eingefügt, ist das durchaus vieldeutig: „SiKS, Drugs and Rock’n Roll“ zum Beispiel.

Glücksfall Klassentreffen

Thomas brachte nicht nur eine Reihe eigener Songs und die weitestreichende musikalische Erfahrung mit - immerhin spielt er sein Instrument seit 1990 -, sondern auch das Homestudio, in dem vom ersten Take bis zum letzten Cover-Ausdruck „ClasSiKS“ entstand, jene Platte mit eigenen Songs, die die vier in den letzten Wochen und Monaten intensiv beschäftigt. Nicht nur, was den Live-Sound von The SiKS betrifft, ist es also ein riesiges Glück, dass Hardy zum Klassentreffen erinnert wurde, dass der einstige Mitschüler doch schon immer Musik gemacht hat. Dass dann gleich bei der ersten musikalischen Begegnung der Funke übersprang, begeistert die Bandmitglieder noch immer.

Songwriting geht jetzt schneller

Wie die drei anderen überhaupt nicht aus dem Schwärmen herauskommen ist unterhaltsam, geht es um Thomas’ Fähigkeiten und Einsatz für die Bandgemeinschaft - gerade, was die CD angeht, aber auch das Songwriting. Lange hatten sich die Musiker an Cover-Songs geschult, am Technischen gefeilt und am Detail gearbeitet. Dass da natürlich die Musik vorn war, die sie selbst am liebsten hörten, ist wie selbstverständlich: Metallica, Audioslave, Motörhead, ... Und Coversongs finden sich in ihren Live-Sets immer noch.

Dennoch seien sie routinierter geworden bei der Schaffung ihrer eigenen Musik, beschreibt Marcel, aus dessen Feder die Mehrheit der Texte stammt. Früher hätten sie mehr ausprobiert, stärker mit Fragmenten gearbeitet, und dann habe er eben den Text drumherumgebastelt. Aber weil Thomas schon zahllose Songs fertig habe, bringe er die nun einfach mit, daran werde dann gefeilt. Das erkläre die deutliche Metal-Tendenz. Gejamt wird trotzdem noch intensiv. Ein Vetorecht hat im Schöpfungsprozess natürlich jeder, und mancher Titel braucht auch länger, bis er sich in die richtige Richtung entwickelt.

Klare Zukunftspläne

Und damit ist die Richtung klar, in die The SiKS wollen: Klar sind die Ambitionen, weitere eigene Lieder zu machen, aber auch gute Coverversionen „warm zu halten“. Daraus, dass sie gerade intensiv daran arbeiten, die technischen Voraussetzungen für das Live-Setting „in den Griff“ zu bekommen, machen sie kein Geheimnis. Feinjustierung an der Verstärkerfront steht auf der Agenda. Und spielen, wo es passt, vor einem „Publikum, das Krach mag“. Das erspielen sie sich auch gern selbst - Straßenmusik-Gigs wissen sie zu schätzen.

Spielen, wo es passt

Einmal pro Woche wird geprobt. Und weil es menschlich passt, gibt es auch neben dem Bandalltag manche gemeinsame Freizeitaktivität. Dass ihre Familien das nicht nur tolerieren, sondern ihre Musik offenbar sogar mögen, ist da mehr als nur ein Glücksumstand. Dennoch gilt: The SiKS interessieren sich nicht für Auftritte „auf Teufel komm raus“ - das Umfeld muss stimmen, der Raum, die Situation, das Publikum und auch jene Bands, mit denen sie gemeinsam auf der Bühne stehen. Am 22. Mai spielen sie zur Empor Kloster Rocknacht in der Frankenstein-Arena.

The SiKS auf Facebook: www.facebook.com/theSiKs

The SiKS auf youtube: https://www.youtube.com/watch?v=65V9pyExPnw https://www.youtube.com/watch?v=XeTHPZLvCfM

https://www.youtube.com/watch?v=nqbn7eraUx0

https://www.youtube.com/watch?v=sDfzb0ODJ9k

Verstärker auf Facebook: www.facebook.com/bandportalthueringen

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