Beethovens musikalisches Vermächtnis in Gotha

Gotha.  Zum Evangelischen Forum im Löfflerhaus gab es einen Vortrag und klingende Beispiele zum Spätwerk Ludwig van Beethovens.

Um des Spätwerk Beethovens ging es im jüngsten Evangelischen Forum. Das Musikerehepaar Elena Metelskaya und Martin Müller-Weiffenbach hielt einen aufschlussreichen Vortrag und belegte seine Thesen mit Musik für Violoncello und Klavier sowie Klavier solo. 

Um des Spätwerk Beethovens ging es im jüngsten Evangelischen Forum. Das Musikerehepaar Elena Metelskaya und Martin Müller-Weiffenbach hielt einen aufschlussreichen Vortrag und belegte seine Thesen mit Musik für Violoncello und Klavier sowie Klavier solo. 

Foto: Dieter Albrecht

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Mit einem höchst informativen Vortrag des Musikerehepaars Elena Metelskaya (Klavier) und Martin Müller-Weiffenbach (Violoncello), bereichert durch musikalische Beispiele, hat das Evangelische Forum am Mittwoch im Löfflerhaus einen würdigen Beitrag zum 250. Geburtsjahr Beethovens geleistet. Außerhalb des professionellen Diskurses noch immer wenig ausgeleuchtet, war der Spätstil des Komponisten Thema des Vormittags.

Zu Beginn riss Müller-Weiffenbach Leben, Werk und geistige Welt Beethovens in der frühen und mittleren Schaffensperiode an, ist sie doch der Nährboden, auf dem das Spätwerk entstehen konnte: Schon als Kind ist Beethoven ein Virtuose auf dem Klavier. 22-jährig dringt er geistig in das Werk Haydns ein.

Jung, selbstbewusst und cholerisch wird er in der Wiener Aristokratenwelt als Star verehrt – trotz seines oft „skandalösen“ Auftretens. Oder vielleicht gerade deswegen? Zehn Jahre später bekennt er in seinem „Heiligenstädter Testament“, dass nur die Kunst ihn, den hochgradig Schwerhörigen, vorm Suizid retten kann.

Provokation des Hörers und seiner musikalischen Erwartungen

Später, zwischen 1812 und 1815 – der Mittvierziger befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Publikumserfolge – schließt er endgültig ab mit der Vorstellung einer ehelichen Beziehung, ist häufig krank, gibt kaum noch öffentliche Konzerte, zieht sich immer mehr aus der Gesellschaft zurück, verschleißt seine Kräfte im Vormundschaftskampf um seinen Neffen Karl. Was dem Künstler und Menschen Beethoven bleibt, ist die innere Emigration, der Rückzug ins Geistige.

Für die Kunst ist das ein Glücksfall, denn nur unter diesem gewaltigen emotionalen Druck stößt der Komponist in bisher ungekannte musikalisch-philosophische Sphären vor. In seiner Musik zeigen sich nun immer öfter beunruhigende Kontraste und Brüche – häufig noch unvermittelter und schroffer, als man das vom Zeitgenossen Schubert kennt – und Zeichen fantasieartigen Experimentierens.

So etwa in der Sonate op. 102 Nr. 1 in C-Dur: Auf das einleitende zärtliche Andante folgt unverhofft ein grimmig-schroffes Thema – eine Provokation des Hörers und seiner musikalischen Erwartungen. Provokant ist auch die Klaviersonate A-Dur op. 101, die in E-Dur beginnt – so, als ob man als Hörer den eigentlichen Beginn in A-Dur nur nicht mitbekommen hätte.

Nicht selten streben Diskant und Bass so weit auseinander, dass sich dazwischen eine gähnende Leere auftut, die an die leere Quinte gemahnt, mit der Beethoven im Kopfsatz seiner Neunten die sinnentleerte Ich-Verlassenheit kennzeichnet.

Beethovens Spätwerk offenbart uns eine entzauberte Weltsicht, lässt uns in Abgründe blicken, öffnet uns aber auch den Zugang zu einer anderen, besseren Welt – einer ideellen, deren magisches Leuchten aus dem Geistigen kommt. Aus dieser neuen Perspektive heraus erkennen wir, wie „Floskeln“ des Alten (Adorno), vom Subjekt entleert wie eine leere Muschelschale, plötzlich im Abendlicht eines Sonnenuntergangs am Meer aufscheinen und neue Bedeutung erlangen.

Die letzte Klaviersonate hat nur zwei Sätze

Beethovens Spätwerk – das ist auch eine oft wütende Kontrapunktik, die Bach‘sche Abgeklärtheit durch subjektive Emotionalität ersetzt. Die großen Fugen, etwa die aus seinem Streichquartett op. 133 B-Dur, sind beredte Beispiele dafür.

Die letzte Klaviersonate, die Nummer 32, op. 111, darf man als Vermächtnis des späten Beethoven ansehen. Sie hat nur zwei Sätze, umgreift aber die ganze Welt – im 1. Satz die unaufhörlichen Kämpfe in der materiellen Sphäre, trotzig-kämpferisch und technisch virtuos. Und im 2. Satz Frieden und Innerlichkeit im Geistigen. Elena Metelskaya bot ihren Hörern eine außerordentlich ergreifende Interpretation.

Das nächste Konzert im Löfflerhaus beginnt am Samstag, 25. Januar, 19.30 Uhr: In der Reihe „Podium junger Künstler“ spielt Tamta Magradze Werke von Franz Liszt.

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