Ein Bund fürs Berufsleben: Das Weimarer Klenke-Quartett wird 30

Weimar.  Im Mai 1991 sind die vier Frauen einen Bund fürs Berufsleben eingegangen. Jetzt planen sie - von Corona unverdrossen - die Jubiläumssaison. Anlass ist der 30. Geburtstag des Quartetts.

Das Weimarer Klenke-Quartett spielt seit seiner Gründung 1991 an der Franz-Liszt-Hochschule in der Besetzung (v.l.) Annegret Klenke (1. Violine), Beate Hartmann (2. Violine), Yvonne Uhlemann (Viola) und Ruth Kaltenhäuser (Violoncello).

Das Weimarer Klenke-Quartett spielt seit seiner Gründung 1991 an der Franz-Liszt-Hochschule in der Besetzung (v.l.) Annegret Klenke (1. Violine), Beate Hartmann (2. Violine), Yvonne Uhlemann (Viola) und Ruth Kaltenhäuser (Violoncello).

Foto: Uwe Arens

„Wofür probiert man, wenn man sieben Monate kein Konzert hat?“ Die traurige Sinn-Frage stellt die Geigerin Annegret Klenke sich selbst - und zum Glück rückblickend. Denn gestern erreichten wir die Primaria des Weimarer Klenke-Quartetts telefonisch auf der Bahnfahrt just zum nächsten Probentermin. Die ersten Auftritte gab es schon wieder; nun schicken die vier krisengestählten Frauen sich an, der Corona-Malaise Herr zu werden. Schließlich sind Klenke, Beate Hartmann, Yvonne Uhlemann und Ruth Kaltenhäuser vor fast 30 Jahren den Bund fürs Berufsleben eingegangen - und dieses Jubiläum wollen sie sich nicht von einem Virus vermiesen lassen.

Abstands-Experimente

Unter strengen Bedingungen des Social Distancings ist die intime Praxis im Kammerensemble stark behindert. Immerhin, die vier Quartettschwestern haben’s versucht: mit einem Wandelkonzert - dem ersten Auftritt nach halbjähriger Zwangspause - in der Weimarer Herderkirche, in dem sie von wechselnden Positionen aus das Stück „Punctum“ der zeitgenössischen US-Amerikanerin Caroline Shaw gespielt haben. Das kreiste musikalisch um Bachs Choral „Befiehl du deine Wege“ und ergab interessante Raumklang-Effekte. Aber die klassische Konzertliteratur könnte man natürlich nicht so aufführen.

Ein zweites Experiment über weit größere Distanzen steht noch bevor: Weil die Konzertreise nach Israel mit Auftritten in Haifa und Jerusalem abgesagt werden musste, will man es zumindest virtuell miteinander versuchen, indem der Pianist Ishay Shaer seinen Part eines bearbeiteten Beethoven-Rondos via Internet überträgt und die Frauen ihn simultan von Deutschland aus begleiten. Ob und wie gut das gelingt, ist nicht zuletzt eine technische Frage.

Neben solchen Aktivitäten pflegt das Klenke-Quartett so viel Normalität wie möglich. „Wir üben. Wir haben Pläne“, erklärt die Primaria. „Aber wir können nur von Woche zu Woche voraussehen.“ Zurzeit studieren die Vier Programme für einen Auftritt beim Bachfest Eisenach am Reformationstag und für eine Konzertreise nach Südtirol ein. „Die Veranstalter wünschen sich jetzt kürzere, etwa einstündige Programme, die wir dann am selben Tag zweimal aufführen“, schildert Klenke die aktuelle, coronabedingte Tendenz. „Dazwischen wird der Saal gründlich gelüftet.“

Auch die traditionelle Weimarer „Auftakt“-Reihe wird in der Jubiläumsspielzeit gepflegt; als nächstes steht ein Gesprächskonzert mit dem Musik-Nestor Peter Gülke bevor. Er moderiert und erläutert dabei, was die vier Frauen spielen. Inzwischen haben sie zu fünft sogar ein „Heimspiel“ ohne Publikum aufgezeichnet und wollen es in Kürze auf ihrem Youtube-Kanal posten. „Das Format mit Peter Gülke ist bei den Leuten so beliebt, dass es auch schön ist, wenn wir’s mal dokumentiert haben“, tröstet Annegret Klenke sich über das verpasste Live-Erlebnis im vorigen Frühjahr hinweg. Am 4. Dezember soll es nun auf Schloss Ettersburg wieder ein wirkliches geben.

Mozart-CD zum Geburtstag

Trotz der abgesagten Israel-Tournee, die womöglich nächstes Jahr nachgeholt werden kann, hat das Frauen-Quartett laut Kalender mit Auftritten zwischen Niederrhein und Erzgebirge recht gut zu tun. Wenn denn alles so kommt, wie geplant. Von keinem Virus der Welt aufzuhalten ist hingegen die Jubiläums-CD: Mozarts Hornquintett mit Stefan Katte, das Klarinettenquintett mit Nicola Jürgensen und die fünf Bach-Fugen Mozarts. Nächsten Frühling wird die Silberscheibe erscheinen. Das Festkonzert zum 30. Quartett-Geburtstag soll am 5. Juni 2021 auf Schloss Belvedere steigen, und vielleicht klappt’s sogar mit der ersehnten Japan-Tournee.

Die Corona-Krise habe dem Quartett auch wirtschaftlich erheblich zu schaffen gemacht, gesteht Klenke. „Aber wir sind unverwüstlich. Wir schauen nach vorn!“